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Neue HBO-Serie: In "Westworld" zeigt sich der Mensch von seiner schwärzesten Seite

"Westworld" ist das neue "Game of Thrones". Schon in der ersten Folge der Western-Simulation ziehen sich die Risse. Es gibt keine Wirklichkeit - weder für Roboter noch für Menschen.

Die HBO-Serie "Westworld" spielt in einem Western-Settinh

Die HBO-Serie "Westworld" spielt in einem Western-Settinh

"Westworld" , die neue Superserie von HBO, ist gestartet und die erste Folge wurde ausgestrahlt. Die bange Frage ist: Schafft es "Westworld", uns fünf Jahre vor dem Bildschirm zu bannen und so den Sender HBO in die Zukunft zu hieven? Einen Flop kann sich HBO nach dem Altmänner-, Kokain- und Rock-n-Roll-Drama "Vinyl" nicht mehr leisten. Geht das Kalkül von "Westworld" auf, Ritter und Schwerter gegen Revolverhelden und Saloon-Girls einzutauschen? Um es kurz zu machen: Für uns auf jeden Fall, nach einer Folge wollen wir in "Westworld" so heimisch werden, wie in Westeros - dem Land der Drachen und der Magie.

Worum geht es? Westworld ist ein gigantischer Vergnügungspark, der eine kleine Stadt mit Umgebung im Westernlook nachbildet. Bewohnt wird er von Robotern oder Androiden - sie und ihre Lebensgeschichten existieren nur, um gut zahlenden Gästen einen Ausflug in diese abenteuerliche Welt zu ermöglichen. Soweit folgt die Serie dem Film "Westworld" von 1973 und dem Roman von Michael Crichton. In dem Film von 1973 handelte es sich auch um einen von Robotern bevölkerten Vergnügungspark. Dort brach das Grauen aus, als Roboter-Revolverheld Yul Brunner keine Lust mehr hatte, sich von dicken Touristen zusammenschießen zu lassen, und sie umgekehrt aufs Korn nimmt. Ganz so simpel wird es in der Serie nicht zur Rebellion der Maschinen kommen.

Wer sind wir? Was ist echt?

In "Westworld", der Serie, wird auch geschossen, skalpiert und vergewaltigt. Aber schon in der ersten Folge wirkt die Gewalt nur wie eine Kulisse, vor der sich das wirkliche Drama abspielt. Was ist unsere Welt? Wer sind wir? Was ist echt? Von der ersten Einstellung an weiß man, dass diese bohrenden Fragen nicht allein die künstlichen Wesen betreffen, die ihre Skripte und Storylines Tag für Tag für die Besucher abspielen. Sie betreffen die Menschen, die diese Welt zu steuern und zu kontrollieren glauben genauso, wie die Zuschauer vor dem Bildschirm.

Einen besonderen Reiz gewinnt "Westworld" aus dem Wechsel des Ambientes. Das ist die sonnenstrahlende Westernwelt und die kaltblau ausgeleuchtete klinische Welt der Labore. Da sind die liebevoll perfekten Kostüme und die entwürdigende Nacktheit der Mensch-Maschinen, wenn sie ihren Kontrolleuren entgegentreten. Unter diesem Gegensatz gibt es noch mehr, die perfekte Welt hat Risse und Löcher. Im Keller tief unter den sauberen Laboren wartet eine zombiehafte Unterwelt, in der inmitten von Gestank und Kondenswasser die ausrangierten, schadhaften Maschinenwesen bewegungslos auf das Ende der Zeiten warten. Die Illusion von "Westworld" ist fragil.

Grausamkeit in Westworld

Die Zeit der Harmonie eines perfekt funktionierenden Parks geht seinem Ende zu. Auch, weil der Schöpfer dieser Welt, Anthony Hopkins, in seiner ersten Fernsehrolle als Direktor Robert Ford, seine Wesen den nächsten Schritt machen lässt. Denn der Mensch, so der Schöpfer der Kunstwelt, habe mittels der Medizin die Evolution, die nur durch Tod und Irrtum voranschreite, beendet. Weiter gehe es nun mit dem Homo Sapiens nicht mehr. Den Kunstwesen aber will Robert Ford Irrtum und Tod zurückgeben. Nur was wird dann mit den Menschen?

Verdient haben sie nichts Besseres. Die Gäste bleiben nur kurz auf der rechtschaffenen Seite. "Das erste Mal war ich mit meiner Frau hier", sagt ein Gast im Zug. "Beim zweiten Mal habe ich mich dem Bösen hingegeben. Das waren die zwei besten Wochen meines Lebens." Die Rolle des schwarzen Revolverhelden spielt in der Serie kein Roboter, sondern ein geheimnisvoller Mann in Schwarz (Ed Harris). Ein Stammgast, der seine Grausamkeit in der Kunstwelt exzessiv auslebt und dabei auf der Suche nach einem "tieferen Level des Spiels" in "Westworld" ist. Auch jemand, der die Brechstange ansetzt, um diese Welt aus den Angeln zu heben.

Die Sklaven finden ihre Freiheit

In "Westworld" zeigt sich der Mensch von seiner schwärzesten Seite, nämlich so, wie er ist, wenn er keine Konsequenzen seiner Handlungen fürchten muss. Kein Wunder, dass die Kunstwesen weit über den Menschen stehen, die ihren schlimmsten Lüsten nachgeben.

Die Frage der Serie lautet: Was denken sie über ihre Schöpfer und wie werden sie ihnen begegnen? Wenn in der letzten Einstellung der ersten Folge, die sanftmütige Tochter Dolores Abernath ganz beiläufig gegen das tiefste Gesetz ihrer Programmierung verstößt, und eine lebendes Wesen - eine Fliege - tötet, wird klar, die Sklaven finden ihre Freiheit und der Garten der Lüste ihrer grausamen Herren wird enden.