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Will Smith in "Hancock": Ein "Arschloch" aus Hollywood

Wer hätte gedacht, dass es so weit kommen würde: Im Jahr der US-Wahl will sich Amerika beim Weltpublikum einschleimen. Und wen schickt Hollywood vor? Will Smith natürlich. Der darf dazu in dem Actionfilm "Hancock" endlich mal ein "Arschloch" spielen.

Von Sophie Albers

Es ist eine ganz perfide Nummer. Vielleicht hat Charlize Theron so schlechte Laune, weil sie es durchschaut hat. Ziemlich gelangweilt sitzt sie am Dienstag neben Will Smith im Berliner Ritz Carlton, um ihren neuen Film vorzustellen. Guckt sich die Kronleuchter an, starrt ins Nichts, während ihr Kollege die übliche Will-Smith-Show liefert, die genauso oberflächendesinfiziert flutscht wie die Tom-Cruise-Show. Theron tuschelt mit dem Regisseur, spielt am Wasserglas und übertrüge das Mikrofon ihre Gedanken, würde man wahrscheinlich hören, wie sich die Oscar-Gewinnerin fragt, wieso die Leute es denn nicht kapieren und so komische Fragen stellen. Oder vielleicht doch nur, was sie nachher anziehen soll?

Nein, Theron ist eine der härteren Bräute Hollywoods, und das macht die Südafrikanerin auch immer wieder klar mit rabiaten Witzen oder Anzüglichkeiten, die einer Nicole Kidman niemals über die dünnen Lippen kommen würden. Deshalb spielt sie auch in so einem Film wie "Hancock" mit, in dem zumindest zu Beginn ziemlich viel und dreckig gelacht wird.

Es ist die Geschichte eines Superhelden, der zwar Superkräfte, aber auch superschlechte Manieren hat. Der zwar Leute rettet, aber zu besoffen ist, um beim Anflug nicht drei Häuser und fünf Autos zu zerlegen. Der die Bösewichte zwar ausschaltet, aber dabei einen solchen Kollateralschaden anrichtet, dass sich die ganze Nummer einfach nicht rechnet, wie Kritiker bemerken. Und der flucht und furzt und rülpst, Kinder und Frauen erschreckt und einfach nur ein "Arschloch" ist, wie die Menschen, die er trifft nicht müde werden zu betonen. Das fördert natürlich weiteres schlechtes Benehmen.

Unkontrollierter Vollidiot

Superheld Hancock ist ein unkontrollierter Vollidiot, der zwar Gutes tut, dem aber jeglicher heroischer Antrieb fehlt und der findet, dass Superman in seinem Outfit einfach nur "schwul" aussieht. Bei einem seiner von der Bevölkerung mittlerweile verhassten Rettungsversuche trifft er Ray, einen glücklosen PR-Agenten, der die Leidenschaft hat, dem aber die Superkräfte fehlen. Und weil Ray ein netter Kerl ist, beschließt er, Hancock zu helfen.

Natürlich geht die Image-Überarbeitung zuerst schief, dann klappt es einigermaßen, doch kommt eben auch noch Theron ins Bild. Und die treibt das Spiel mit der Supermacht, entschuldigung, Superkraft auf die Spitze. Nur so viel sei verraten: Der Superhelden-Rüpel muss lernen, dass er es nicht alleine schafft, und dass sein Überleben von dem einer anderen Macht abhängt.

Darf es noch etwas mehr Politik sein? Hancock ist die berühmteste Unterschrift auf der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776. Weil sie so schwungvoll und einnehmend daher kommt, gilt der Name John Hancock, der ein Patriot und Händler aus Massachusetts war, in den USA als Synonym für Unterschrift.

GoBamaGo

Auf der Pressekonferenz machen die anwesenden Filmschaffenden dann natürlich auch noch klar, wer im wahren Leben das Ruder rumreißen und dafür sorgen soll, dass die Welt den Rüpel wieder lieb hat: "Der dumme Typ muss raus und der smarte rein", sagt Ray-Darsteller Jason Bateman und legt den Namen des Präsidentschaftskandidaten Barack Obama nach, den Smith sowieso ganz offiziell unterstützt.

Doch glücklicherweise ist die 150-Millionen-Dollar-Produktion bei all dem weltpolitischen Getöse trotzdem perfekte Kinounterhaltung geworden: ein Superheldenmärchen mit grandiosen Spezialeffekten und ungewohnt ehrlichem Humor. Und klar haben wir Will Smith immer noch lieb. Dazu muss er gar nicht mit kleinen Kindern schäkern, die auch ein paar Fragen stellen wollen oder erklären, dass er, wenn er denn Superkräfte hätte, die Gedanken der Menschen lesen können wolle, um so alle Probleme der Welt zu lösen. Da guckt sogar Theron hoch und lacht kurz. Und was für eine Superkraft hätte sie gerne? "Ich will euch alle nackt sehen."

"Hancock" kommt am 3. Juli ins Kino.