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Zum Filmstart von "Die drei Musketiere in 3D": Andersons Märchen

Traut euch! Paul W. S. Andersons "Die drei Musketiere in 3D" ist reinstes Popcorn-Kino auf der Höhe der Zeit. Das wüsste sogar Alexandre Dumas zu schätzen.

Von Sophie Albers

Man sollte meinen, das Kino brauche eine Neuverfilmung von Alexandre Dumas' Romanklassiker "Die drei Musktiere" so nötig wie ein Remake von "Aschenputtel" mit Justin Bieber in der Hauptrolle. Gefühlt hat schließlich jeder Filmstar schon mal das Schwert geschwungen, um die Ehre der Königin von Frankreich zu retten: von Gene Kelly über Richard Chamberlain bis Kiefer Sutherland und Donald Duck. Also was nur - sacre bleu! - verspricht sich "Resident Evil"-Regisseur Paul W. S. Anderson von einer Neuauflage der Geschichte dieser schlagkräftigen Edelmänner?

Nun stellen Sie sich ein sehr großes, sehr buntes Schild von sehr hoher Qualität vor, auf dem in leuchtenden Lettern das so häufig missverstandene Wort "Unterhaltung" steht. "Die drei Musketiere in 3D" ist Unterhaltungskino in Reinform, auf der Höhe der Zeit und mit Tiefe, die nicht nur der Dreidimensionalität geschuldet ist. Allerdings ist es sehr einfach, dies bei all dem Action-Feuerwerk zu übersehen. Was viele Leute auch gern tun.

Forscher Bauerssohn erobert Paris

Das liegt zum einen an Andersons Vorgeschichte. Der Brite ist mit Verfilmungen von Computerspielen wie "Mortal Combat" und "Resident Evil" bekannt geworden. Und da deren Ästhetik von der der Hochkultur nicht weiter entfernt sein könnte, wird dieses Buch immer wieder nach dem Umschlag beurteilt.

Die Geschichte ist bekannt: Forscher Bauernsohn namens D'Artagnan kommt nach Paris, um ein Musketier zu werden. Die berühmten drei Recken Athos, Aramis und Porthos prügeln sich derweil mit der Leibgarde des bösartigen Kardinals Richelieu. Letzterer will das Land nach seinem Willen gestalten, was dank eines infantil-dämlichen jungen Königs ziemlich einfach ist. Als Richelieu schließlich, um einen Krieg anzuzetteln, die Königin aufs Gröbste dikreditieren will, eilen die Musketiere herbei. Und mit Hilfe von D'Artagnan geht noch mal alles gut. Soweit die Kurzfassung.

Milla Jovovich und Christoph Waltz

Anderson hat aus diesem Gerüst ziemlich viel herausgeholt. Die Action hat tatsächlich Megaformat: angefangen bei einer Lara-Croft-kompatiblen Lady de Winter bis zur Luftschiff-Schlacht. "Matrix" trifft "Münchhausen" trifft "Assassin's Creed". Das Verblüffende dabei ist, das es passt.

Das ist den Charakteren zu verdanken: Milla Jovovich spielt eine wunderbar intrigante Lady de Winter, die sogar in "Gossip Girl" überleben würde. Athos (Matthew MacFadyen), Aramis (Luke Evans) und Porthos (Ray Stevenson) sind fast fein gezeichnete Charaktere, wenn man sich denn herablässt, auf die Zwischentöne zu achten. Und Christoph Waltz ist - wie nicht anders zu erwarten - ein mieser, fieser Richelieu, dabei aber natürlich so sehr Schauspieler, die Freude an der Schurkerei nicht überhand nehmen zu lassen.

Keine Ausflüchte

Der Film sei "richtiges Popcorn-Kino, ohne irgendwelche Ausflüchte oder Ausreden", sagte Waltz gerade im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". 3D sei nichts, was ihn überzeuge, doch "ich bin irrsinnig gespannt, Dinge wie den Spiegelsaal in Herrenchiemsee oder die Würzburger Residenz in 3D zu sehen. Weil ich glaube, dass einem da die Luft wegbleibt."

Womit wir bei der Opulenz der Bilder wären. Paul W. S. Anderson hat sich nicht lumpen lassen. Es blitzt, funkelt, knallt und kracht auf Steroiden, und der Zuschauer staunt und freut sich. Denn diese Art der überbordenden Unterhaltung hat in Pre-Internetzeiten Kindern verregnete Sonntagnachmittage gerettet. Und warum haben eigentlich Kinder, die mit Computerspielen groß geworden sind, nicht auch ein Recht darauf?