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Mit umfassender Teststrategie "Her mit dem schönen Leben": Fusion-Festival soll trotz Corona stattfinden

2019 tanzten die Feiernden noch vor den Bühnen des Fusion-Festivals
Das Fusion-Festival, wie es rund 70.000 Fans lieben, fand zuletzt 2019 statt
© Christian Charisius / Picture Alliance
"Eine Fusion ist möglich", schrieben heute die Organisator:innen des beliebten Fusion-Festivals in Lärz. Mit einem umfassenden Testkonzept soll hungrigen Fans und Künstler:innen ermöglicht werden, im Juni zu donnernden Beats zu tanzen.

Sie sprechen von einem "Hochsicherheitskonzept": Mit zweifach getesteten Besucher:innen und unter freiem Himmel soll das Fusion-Festival stattfinden. Ein Hoffnungsschimmer für leidende Musik- und Festival-Liebhaber:innen? Zumindest für die 70.000, die eine Karte ergattern konnten oder ihr Ticket aus dem letzten Jahr behalten haben. Nach der frühen Absage im April 2020 soll dieses Jahr alles anders sein. "Ich wüsste nicht, wo es seit Beginn der Pandemie eine Situation gab, die überhaupt dieses Sicherheitsniveau erreicht hat", sagt Linus dem stern. Er ist einer der ehrenamtlichen Sprecher des Kulturkosmos Müritz e.V., der das Festival organisiert, und möchte nur mit seinem Vornamen genannt werden.

Das Testkonzept ist umfassend und sucht bisher wohl tatsächlich seinesgleichen. Das Festival wurde von einem großen in zwei kleinere Festivals mit je 35.000 Personen aufgeteilt. Alle Menschen, die in irgendeiner Form am Festival teilnehmen, ob als Besucher:in oder Künstler:in, müssen vorher negativ getestet sein. Dazu wird es PCR-Test- und gleichzeitig Laborstationen in Hamburg und Berlin sowie eine weitere in Jena oder Leipzig geben. Erfolgt die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, darf man sich mit Maske und negativem Schnelltest auf den Weg machen und erhält innerhalb von 90 Minuten noch auf dem Weg sein PCR-Testergebnis. Um das zeitlich möglich zu machen, werden die Tests in den Stationen direkt ausgewertet.

Das Testergebnis ist an das elektronische Ticket gekoppelt

Dieses negative Testergebnis wird gemeinsam mit dem Ticket auf einem Chip im Festivalbändchen gespeichert. Zudem erfolgt ein zweiter Test in der Nacht von Samstag auf Sonntag, an dem alle verpflichtend teilnehmen müssen, sobald sie das Festivalgelände verlassen. Sollte dabei jemand positiv getestet werden, wird der Zugang zum Festivalgelände verwehrt und in Absprache mit anwesenden Mediziner:innen sofort das Gesundheitsamt verständigt.

Damit hoffen die Veranstalter:innen, auch das bestehende Restrisiko so gering wie möglich zu halten, sagt Linus von Kulturkosmos: "Wir tun alles mit dem Ziel auszuschließen, dass es überhaupt ein Infektionsgeschehen gibt."

Hinter den Kulissen von Hamburgs Clubszene

Die Intention dahinter – schon fast eine Kampfansage an die Politik. Wenn dort keine Kulturveranstaltungen möglich gemacht werden, macht man es eben selbst. Denn die Kultur nur in den Winterschlaf zu schicken, sei langfristig keine tragfähige Lösung: "Deshalb haben wir gesagt: Was gibt es für Technologien, die wir verwenden können? Dann machen wir es eben selber. Denn wenn es eine Sache gibt, die wir können, dann ist es die Logistik von vielen Menschen in den Griff zu bekommen."

"Die Künstler:innen verhungern am ausgestreckten Arm"

Das aufwendige Konzept wurde in intensiven Beratungen mit Mediziner:innen, Laborbetreiber:innen und IT entwickelt. Die bestätigten bisher, das Konzept sei tragfähig und belastbar. Jetzt müsste nur noch die Politik mitziehen, hoffen die Kulturkosmos-Leute. Um im Fall der Fälle ausgestattet zu sein, gehen sie damit jetzt, drei Monate vorher, an die Öffentlichkeit. So kurz nach dem "Osterchaos der Ministerpräsident:innen-Runde" mache die Verkündigung diese Woche zugegebenermaßen nicht den besten Eindruck. Aber: "Das Festival ist in drei Monaten und wir hoffen, dass die Zeiten besser sind als heute. Unter diesen Bedingungen möchten wir dann eben auch fit sein."

Sie hoffen darauf, ein Modell-Projekt zu werden, damit die Leute sehen, dass Kultur mit guten Konzepten auch in Pandemiezeiten stattfinden könnte. "Wir müssen einen Schritt nach vorne gehen und den Mut fassen, wenigstens einen Weg aus dieser Misere zu zeigen." Linus lacht dabei ein wenig traurig in den Telefonhörer: "Geimpft werden wir ja wahrscheinlich erst mal nicht."


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