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Hörbuch-Tipp

Sven Regener: "Wiener Straße": Ein Sitcom zum Hören - das schräge Kreuzberg der 80er Jahre

Sven Regeners "Wiener Straße" bringt ein Wiedersehen mit Herrn Lehmann und all den anderen sympathischen Figuren. Noch besser ist das Hörbuch - weil der Autor selbst liest.

Sven Regener liest aus "Wiener Straße"

Sven Regener liest aus "Wiener Straße"

Picture Alliance

Worum geht es?

2001 schuf mit seinem Roman "Herr Lehmann" ein kleines Universum an Menschen, die vielen Lesern ans Herz gewachsen sind. Mit seinen weiteren Büchern "Neue Vahr Süd", "Der kleine Bruder" und "Magical Mystery" baute Regener dieses Universum aus. In "Wiener Straße" gibt es ein Wiedersehen mit den sympathischen Lebenskünstlern. Der Roman setzt da ein, wo "Der kleine Bruder" geendet ist. Es sind die frühen 80er Jahre in Berlin, die Geschichte spielt fast ausschließlich in der Titel gebenden Wiener Straße in Kreuzberg. Dort bezieht Frank Lehmann mit seinem besten Freund Karl Schmitt, dem Künstler H.R. Ledigt sowie der Schwäbin Chrissie eine WG direkt über dem Café Einfall. 

Die daneben gelegene "ArschArt Galerie" will sich angeführt von dem autoritären P. Immel bei einer vom Bezirk geförderten Kunstausstellung mit einer Performance beteiligen, daneben simulieren die Künstler für einen TV-Beitrag eine Hausbesetzung. Viel mehr passiert in diesem ungeheuer dialogstarken Buch eigentlich nicht, aber darum geht es auch gar nicht. "Wiener Straße" lebt davon, den vielen Figuren bei ihrem Eigenleben zuzuschauen, ihren Gesprächen beizuwohnen. Vor allem ist der Roman ein Zeitpanorama vom Kreuzberg der frühen 80er Jahren. Einem Biotop, das mit dem Mauerfall untergegangen ist.

Wer spricht?

Der Autor selbst: Sven Regener, der seit 2001 gefeierter Schriftsteller ist, eigentlich jedoch als Musiker bekannt wurde: Regener ist Sänger und Texter der Band Element of Crime.

Warum lohnt sich das Hörbuch?

Wegen Sven Regener: Wenn der gebürtige Bremer mit seiner norddeutschen Kodderschnauze den Text zum Leben erweckt, wird aus der ohnehin humoristischen Geschichte große Komik. Noch lustiger wird's, wenn er andere Dialekte nachahmt. Wenn der 56-Jährige mit stark nordischem Akzent berlinert oder auf Wienerisch spricht. Regener trifft mit seiner schnodderigen Vorlesestimme genau den richtigen Ton. 

Was nervt?

Regener hatte ursprünglich die Idee, denn Stoff zu einer Sitcom zu verarbeiten. Das merkt man dem Roman an - im Guten wie im Schlechten. Zwar hat die ganze Geschichte unheimlich viel Tempo, ständig kommt jemand in einen Raum und es entspinnen sich witzige Dialoge. Doch leider gleitet das Ganze mitunter ins Alberne ab.

Für wen eignet sich das Hörbuch?

Für jeden, der Herrn und sein liebevolles Kleinuniversum liebt. Also für fast alle.