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BMG in der Kritik: Kampagne gegen Antisemitismus: So reagiert die Plattenfirma der Skandal-Rapper

Durch den umstrittenen Echo für Kollegah und Farid Bang ist auch die Plattenfirma der Deutsch-Rapper in die Kritik geraten. Als Konsequenz daraus hat BMG nun eine Kampagne gegen Antisemitismus angestoßen.

Echo-Preisträger Kollegah und Farid Bang

Die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang stehen bei BMG unter Vertrag.

DPA

Die Debatte um die Auszeichnung für Kollegah und Farid Bang ist auch eine Woche nach der Echo-Verleihung noch nicht abgeklungen. Inzwischen richtet sich die Kritik auch gegen die Plattenfirma der Deutsch-Rapper, die viel Geld mit den umstrittenen Texten verdient.

In der aktuellen Ausgabe der "Zeit" nimmt Sven Regener von der Band Element of Crime BMG ins Visier: "Worüber man aber mal reden könnte: Wer profitiert eigentlich von dieser Musik?", sagte der Musiker und Schriftsteller im Interview. "Zum Beispiel die Bertelsmann Music Group, die im Dezember, als das Album veröffentlicht wurde, eine stolze Pressemitteilung herausgab: Mit Kollegah und Farid Bang sind wir jetzt die Nummer eins in Deutschland." Sein Vorwurf: "Ohne Bertelsmann würden Kollegah und Farid Bang bei Weitem nicht so viele Platten verkaufen."

BMG reagiert unglücklich

Der in New York ansässige Musikkonzern reagierte mit einem unglücklichen Pressestatement auf die Kritik: "Wir nehmen Künstler und künstlerische Freiheit ernst, und wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht", hieß es in einer Stellungnahme. Zwar hätten manche Zeilen des Rap-Albums viele Menschen verletzt. Andererseits seien viele nicht so sehr verletzt worden, immerhin sei das Album vergangenes Jahr eines der meistverkauften in Deutschland gewesen. Kurz: Kommerz schlägt Moral.

Inzwischen scheint sich der Musikkonzern jedoch seiner Mitverantwortung an der Verbreitung der menschenverachtenden Texte der Rapper bewusst geworden zu sein. Am Donnerstag gab BMG bekannt, eine Kampagne gegen Antisemitismus starten zu wollen. In Partnerschaft mit Expertenorganisationen will man Aufklärung an Schulen betreiben. Dazu stellt der Konzern 100.000 Euro bereit.

"Schockierende Welle von Antisemitismus"

BMG-CEO Hartwig Masuch sagte: "Jüngste Nachrichten haben den schockierenden Beweis erbracht, dass es an deutschen Schulen eine neue Welle von Antisemitismus gibt." Die BMG sei komplett gegen Antisemitismus eingestellt, ebenso ihre Künstler und Angestellten. "Wir möchten sicherstellen, dass die Debatte um die Echo-Verleihung etwas Positives hervorbringt, heißt es in der Begründung."

Ob dass Engagement ausreicht, um Kritiker wie Sven Regener ruhig zu stellen, wird sich zeigen. Immerhin: Es ist ein Anfang.

Hinweis: BMG ist 100-prozentige Tochter von Bertelsmann. Ebenso wie der Verlag Gruner + Jahr, zu dem auch stern.de gehört.

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