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Musikpreis in der Krise: Echo-Eklat: Auch der Musikrats-Präsident verlässt den Beirat

Die Krise des Echo spitzt sich zu: Nun verlässt auch der Präsident des Deutschen Musikrats den Beirat. Indessen springen erste Sponsoren ab.

Echo 2018

Campino hatte mit seiner mutigen Rede beim Echo die Debatte über Kollegah und Farid Bang angestoßen.

Es ist fast eine Woche her, dass die umstrittenen Deutsch-Rapper Kollegah und Farid Bang mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet werden. Seither steht der Echo in der Kritik. Und die Krise ist noch lange nicht ausgestanden. 

Jetzt hat sich der Präsident des Deutschen Musikrats, Martin Maria Krüger, aus dem Echo-Ethikbeirat zurückgezogen. "Der Deutsche Musikrat steht zu kultureller Vielfalt im Zeichen von Toleranz und gegenseitigem Respekt", sagte Krüger zur Begründung. "Er verurteilt aufs Schärfste jegliche Form von Antisemitismus, Gewaltverherrlichung und sexueller Herabwürdigung."

"Dies war ein Fehler"

Der Echo-Beirat hatte im Vorfeld die Nominierung von Kollegah und Farid Bang geprüft, letztlich jedoch keine Einwände gegen die Musiker erhoben, die unter anderem rappten, ihr Körper sei "definierter als von Auschwitzinsassen". Krüger bedauert das mittlerweile: "Dies war ein Fehler, der mich dazu bewogen hat, meinen Austritt aus dem Echo-Beirat zu erklären", sagte er.

Zuvor hatte bereits der Präsident des Deutschen Kulturrates, Christian Höppner, das Gremium verlassen. Er bezeichnete die Entscheidung zugunsten von Kollegah und Farid Bang ebenfalls als "Fehler" und sagte der "FAZ" zufolge, der Preis sei in dieser Form "gesellschaftlich nicht mehr tragbar".

Mehrere Musiker gaben ihre Echos zurück

In den vergangenen Tagen gaben mehrere Künstler ihre Preise zurück, darunter der achtfach prämierte Marius Müller-Westernhagen und der "fünfte Beatle" Klaus Voormann. Auch Klassik-Künstler kündigten die Rückgabe ihrer Echos an, darunter das Notos-Quartett, der Pianist Igor Levit sowie der Dirigent Enoch zu Guttenberg.

Inzwischen ist auch ein erster Geldgeber abgesprungen: Der Saft-Hersteller Voelkel kündigte am Mittwoch seinen Rückzug als Sponsor an. Die Preisträger Kollegah und Farid Bang zögen "auf beschämende Weise Vergleiche zu Opfern des Holocausts" lautet die Begründung. Voelkel distanziere sich "von den künstlerischen Inhalten der umstrittenen Preisträger ebenso wie vom Prozedere der Preisvergabe", heißt es in der Stellungnahme.

Auf den Bundesverband Musikindustrie, den Veranstalter des Echo, dürften unangenehme Zeiten zukommen.

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