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Jan Bosses "Rigoletto": Buhrufe für den Regisseur, Jubel für das Ensemble

Von Caruso bis Callas - an diesem Opernklassiker kommt kein Haus vorbei. Verdis "Rigoletto" ist eine feste Nummer im Repertoire. An der Deutschen Oper Berlin macht Jan Bosse den Hofnarr zum Häschen.

Er gilt als Spezialist für behutsame Theatererneuerung: Ob Klassiker von #Link;http://www.stern.de/kultur/buecher/goethe-90358896t.html;Goethe#, #Link;http://www.stern.de/lifestyle/lebensart/moliere-90331182t.html;Molière# oder #Link;http://www.stern.de/kultur/buecher/beckett-91307861t.html;Beckett# - Jan Bosse hat immer wieder Mut zu schweren Stoffen bewiesen. Nun wagt sich der Regisseur an die große Oper heran. Bisher hatte er lediglich Barockopern in Basel und Frankfurt inszeniert. Für #Link;http://www.stern.de/kultur/buecher/giuseppe-verdi-90531443t.html;Giuseppe Verdis# "Rigoletto" hat Bosse ein Spektakel mit viel Lametta, Discokugel und aufwendigem Bühnenbild geschaffen und den buckligen Hofnarr als Bunny-Häschen auftreten lassen. Er musste sich dafür vom Premierenpublikum am Sonntagabend viele Buhrufe gefallen lassen, das Ensemble der Deutschen Oper Berlin wurde dagegen stürmisch gefeiert.

Schon vor Beginn gibt Bosse Rätsel auf: Auf der Bühne sitzen Zuschauer-Darsteller, die auf das reale Publikum blicken. Bosse hat ein Spiegelbild des Opernsaales nachgebaut (Bühne: Stéphane Laimé): Das gleiche Holzfurnier, die gleichen Stuhlreihen wie in der echten Deutschen Oper. Soll der Hof des Herzogs von Mantua, wo der traurige Narr Rigoletto einer Palastintrige zum Opfer fällt und am Ende seine Tochter Gilda verliert, als Gleichnis für die Operngesellschaft herhalten? Will Bosse den Zuschauern einen Spiegel vor die Nase setzen?

Bosse greift tief in die Kiste abgedroschener Einfälle

Jedenfalls greift Bosse, der Tom Strombergs Intendanz am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg mitprägte und Hausregisseur am Berliner Maxim Gorki Theater war, tief in die Kiste abgedroschener Einfälle. Am Ende löst sich der enge Raum in seine Einzelteile auf, zum Finale trauert Rigoletto um seine ermordete Tochter einsam auf leerer Bühne.

Bis dahin herrscht auf der künstlich verknappten Bühne drangvolle Enge. Solisten und der Chor mühen sich zwischen den Sitzreihen. "Rigoletto", einer der ersten Versuche Verdis (1813-1901), die traditionelle Nummernoper durch einen durchkomponierten Musikfluss aufzulösen, gerät immer wieder ins Stocken.

Dafür feierte das Publikum das Orchester unter dem spanischen "Shooting Star" Pablo Heras-Casado und den Chor (Leitung: William Spaulding). Zum Star des Abends aber wird die in letzter Minute eingesprungene Olesya Golovneva als Gilda. Die aus Wien eingeflogene Sopranistin ersetzte die stimmlose Lucy Crowe, die nur als Darstellerin stumm auf der Bühne agierte. Die Russin singt sich mit durchdringendem Sopran mühelos in die Rolle der glücklosen Tochter. Der polnische Bariton Andrezj Dobber überzeugt als gebrochener Rigoletto. Einzig Eric Fennell als Herzog wirkt mit allzu dünner Stimme etwas verloren.

Von Esteban Engel, DPA / DPA