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"Laughing in a foreign language": Worüber lacht die Welt?

Worüber lachen Japaner? Oder Finnen? Wer versteht die Witze von Exil-Iranern? Und vor allem: Kann Kunst diese Fragen überhaupt beantworten? Eine neue Ausstellung in der Londoner Hayward Gallery widmet sich dem "Lachen in fremden Sprachen".

Von Cornelia Fuchs

Direkt am Eingang stapeln sich komische Figuren, lebensgroß. Ein Plüschbär mit riesengroßen Kinder-Augen, ein Hahn wie aus einem Trickfilm entflogen, ein Esel mit überlangen Ohren. Die Skulptur, wenn man das Werk des koreanischen Künstlers Gimhongsok so nennen will, ist eine Pyramide des "Übersüßlichen". Angelehnt an das Märchen der Bremer Stadtmusikanten hat er Plüschfiguren aufeinander gestapelt. Doch hinter den großen Augen und lachenden Mündern lauert das Ungewohnte: Die Beschreibung des Kunstwerks erklärt, dass hier illegale Einwanderer aus Mexiko die Stadtmusikanten spielen, für einen Hungerlohn. Das Lachen über den unförmigen Plüschhaufen bleibt im Halse stecken.

Die Ausstellung "Lachen in fremden Sprachen" lädt nicht zum Losprusten ein. Sie ist keine Sammlung leicht zugänglicher Witze mit international verständlichen Pointen. Stattdessen fühlt sich der Betrachter oft seltsam allein gelassen zwischen riesigen, aber einsam an der Wand hängenden Clown-Schuhen und Türen, vor denen hunderte falsche Schlüssel liegen. Die Kuratoren der Ausstellung haben ihr den Untertitel "22 Künstler entdecken den Humor der Welt" gegeben. Nun scheint es am Betrachter zu liegen, diesen Witz in den Kunstwerken zu finden.

Kunst will ernst genommen werden

Dabei wird als erstes deutlich, dass der Besucher eines Museums keinen Humor erwartet. Kunst, so haben es wohl die meisten gelernt, will ernst genommen werden. Was also soll der Clown, der in der Video-Installation des deutschen Künstlers Julian Rosefeldt immer wieder in einem üppigen Regenwald an einem Bach hinaufläuft? Soll er Sisyphus in überdimensionalen Schuhen darstellen? Die Sinnlosigkeit des Seins, angesichts derer man ebenso gut lachen kann? Oder ist es einfach nur lächerlich, was er da tut? Ist das dann noch Kunst?

Lachen ist ein universales Menschengut, sagt der Direktor der Hayward Gallery Ralph Rugoff: "Humor dagegen ist von der sozialen Umgebung abhängig." So stellt der iranische Künstler Ghazel ein Bild aus, das an die Folterszenen aus Abu Ghraib erinnert. Ein Mann mit Kapuze über dem Kopf balanciert auf einem Karton. Daneben steht der Satz: "Balance halten!" Wäre dies auch zum Schmunzeln, wenn es ein US-Amerikaner zusammengestellt hätte? Oder gar ein amerikanischer Soldat?

Galerie-Besucher wird zur Lachnummer

Die lustigsten Exponate scheinen am Ende jedoch unabhängig von ihrer Herkunft zu sein. Sie vereint, dass sie sich über das lustig machen, was sie sind: Kunst. Da verkleidet sich der Japaner Makoto Aida als Osama bin Laden, der ein bisschen zu viel getrunken hat, hält dabei sein eigenes Bild in die Kamera, das "Zerstörung New Yorks" heißt, und sagt: "Das mag ich irgendwie." Der Bulgare Nedko Solakov lässt den Betrachter sogar tief in die Hocke gehen, um seine Kritzeleien unten links an einem Türstock zu lesen: "Der einzige Grund, dies hier zu schreiben, ist die Tatsache, dass ein BBC-Filmteam der Kultur-Show dies alles filmt." An dieser Stelle mussten sogar die ernsthaftesten Galerie-Besucher lachen.

Die Ausstellung ist bis zum 13. April in der Londoner Hayward Gallery zu sehen.

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