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Berliner Stadtschloss: Coca-Cola-Plakate sorgen für Ärger

Ein ungeliebter Bundestagsbeschluss, ein umstrittener Wettbewerb, ein angefeindeter Spendensammler. Beim geplanten Wiederaufbau des Berliner Schlosses ist schon vieles schief gelaufen. Jetzt gibt es neuen Ärger. Diesmal mit zwei weihnachtlichen Riesenplakaten.

Von Anja Lösel

Nun auch noch das: Seit ein paar Tagen prangen auf dem Schlossplatz zwei überdimensionale Coca-Cola-Banner. 300 Quadratmeter groß, zwölf Meter hoch und direkt an der Straße Unter den Linden. Was haben die da zu suchen? Sollte hier, am ehrwürdigen Ort gegenüber dem Dom, nicht die Humboldtbox entstehen, ein Infocenter für die späteren Nutzer des Schlosses? Stattdessen schreit uns ein Plakat "Frohe Weihnachten" entgegen und will uns offenbar dazu verführen, das Festtagsmenü mit süßer, brauner Brause hinunter zu spülen.

Genehmigt ist das Riesenplakat nicht, sagt Ephraim Gothe, der zuständige Bezirksstadtrat. Deshalb muss es weg, findet er. Der Firma Megaposter bringt das Ding allerdings pro Monat rund 285.000 Euro ein. Und die braucht sie, um die Humboldtbox zu bauen. Den Zuschlag dafür hat Megaposter nämlich auch deshalb bekommen, weil sie mit eigenem Geld einstieg in das Projekt und die Stadt somit finanziell entlastet. Gerd Heinrich, Geschäftsführer der Firma Megaposter: "Wir haben ein Werbekonzept mit dem Senat vereinbart. Darin ist geregelt, dass die Baugerüste während des Baus der Humboldtbox beworben werden dürfen."

Bau? Gerüst? Davon ist bisher nichts zu sehen. Auf dem Schlossplatz steht zwar ein Gestell, an dem das Plakat hängt. Von Bauarbeiten ist aber nichts zu sehen, nur ein paar Stufen führen zu einer improvisierten Aussichtsplattform. Die soll laut Wettbewerbsentwurf allerdings ganz anders aussehen und erst 2010 errichtet werden. Ist also das Gestell nur dazu da, das Cola-Banner zu tragen? Sieht so aus. Und das war nicht vereinbart.

Plakat-Wildwuchs ohne Schranken

"Das Plakat ist ein Tabubruch", findet Ex-Kultursenator Thomas Flierl. "Das Humboldt Forum als national wertvolles Projekt wird hier einfach Coca Cola geopfert." Die Nutzer allerdings - unter anderen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Zentral- und Landesbibliothek und die Humboldt Universität - fühlen sich nicht zuständig für den Ort, den sie doch möglichst bald beziehen wollen. Sie schweigen vornehm. Streit um Riesenplakate gibt es in Berlin schon länger. Bisher mauschelte man sich so durch, es gibt weder eine strenge Bauordnung noch ein Ausschreibungsverfahren, das Plakat-Wildwuchs verhindern und Größe oder Inhalt koordinieren würde. Eine Regelung für "Stadtbild verträgliche Werbung" soll erst im nächsten Jahr formuliert werden. Für den Schlossplatz zu spät. Vermutlich gäbe es weniger Aufregung, wenn nicht gerade Coca Cola hier werben würde. DAS Symbol für den kapitalistischen Westen ausgerechnet an der Stelle, an der zu DDR-Zeiten der Palast der Republik stand und in Zukunft der Nachbau des Hohenzollernschlosses stehen soll. Die "Berliner Zeitung" vermutet sogar, dass nur noch eins schlimmer für die Berliner wäre: "Wenn man auf dem Schlossplatz eine Moschee errichten würde. Mit Minarett."

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