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Christoph Schlingensief ist tot: Provokanter Aktionskünstler, umstrittener Regisseur

Der am Samstag gestorbene Regisseur Christoph Schlingensief trat auch als Aktionskünstler mit mehreren spektakulären Auftritten in der Öffentlichkeit hervor. Einige Beispiele seines Schaffens.

Mit Christoph Schlingensief verliert Deutschland nicht nur einen streithaften Regisseur, sondern auch einen Aktionskünstler, der mit mehreren spektakulären Auftritten die deutsche und österreichische Öffentlichkeit aufschreckt. Einige ausgewählte Beispiele.

"Tötet Helmut Kohl"

Ende August 1997: Auf der Kasseler "documenta" sorgt Schlingensief für einen Eklat, als die Polizei in seinen Performance-Raum eindringt, ein Plakat mit dem Aufruf "Tötet Helmut Kohl" entfernt und die Kabel der Lautsprecheranlage durchtrennt. Schlingensief leistet Widerstand und wird vorübergehend festgenommen. Der Regisseur sagte, "Tötet Helmut Kohl" sei in Berlin als Theaterstück aufgeführt worden, ohne dass es Proteste des Kanzlers gegeben habe. Es sei eine reine Kunstaktion.

"Chance 2000"

August 1998: Schlingensief will mit rund 100 Anhängern seiner Partei "Chance 2000" den Wolfgangsee am österreichischen Feriendomizil Helmut Kohls zum "überlaufen" bringen, um auf das Schicksal der vielen Arbeitslosen in Deutschland aufmerksam zu machen. An der Aktion nahmen auch prominente Schauspieler wie Martin Wuttke teil. Aus der Umgebung Kohls hieß es damals dazu, dass der Kanzler seinen Urlaub wegen Herrn Schlingensief nicht unterbreche.

"Rettet den Kapitalismus!"

Juni 1999: Die Deutsche Bank lädt Schlingensief überraschend wieder aus - er sollte sich ursprünglich mit einer neuen Inszenierung an einer Tagung der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft im (West)Berliner Reichstagsgebäude beteiligen. Schlingensief wollte unter dem Motto "Rettet den Kapitalismus!" das Geld buchstäblich "zum Fenster rauswerfen" und Geldscheine vom Dach des Reichstagsgebäudes regnen lassen.

"Ausländer raus - Bitte liebt Österreich!"

Juni 2000: In einer spektakulären tagelangen Aktion in Wien gegen die damalige rechtskonservative österreichische Bundesregierung forderte Schlingensief "Ausländer raus - Bitte liebt Österreich!" Bei der "Big Brother"-Container-Aktion vor der Wiener Staatsoper stellte Schlingensief angebliche Asylbewerber vor, von denen das Publikum täglich jemand auswählen konnte, der "abgeschoben" werden sollte.

"Fragen, die wir uns nie zu fragen trauten"

März 2002: In einer satirischen Kopie von Günther Jauchs TV-Ratespiel "Wer wird Millionär?" stellte Schlingensief in der Berliner Volksbühne "Fragen, die wir uns nie zu fragen trauten". Dazu gehörte zum Beispiel: "Ordnen Sie folgende Konzentrationslager von Nord nach Süd". Als "lebende Joker" stellten sich Prominente wie die Schauspielerin Corinna Harfouch oder Alt-Playboy Rolf Eden zur Verfügung.

DPA / DPA