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documenta 12: Eine Giraffe ist der Star

Drei Tage vor dem offiziellen Beginn der documenta in Kassel gibt es einen neuen Rekord: Noch nie zuvor waren so viele Vertreter von Medien aus dem In- und Ausland bei der Eröffnungskonferenz versammelt. Ihre hohen Erwartungen wurden allerdings ein wenig enttäuscht, und es gab eine prominente Absage.

Der Star der documenta könnte ein Tier werden, ein totes noch dazu. Einsam und unkommentiert steht eine ausgestopfte Giraffe in der documenta-Halle. Als Ausstellungsmacher Roger Buergel am Mittwoch das Geheimnis um die zwölfte documenta seit 1955 lüftete, gehörte das Tier zu den meistfotografierten Objekten der Ausstellung. Größeres Interesse fand höchstens noch Buergel selbst.

Wie ein Staatsgeheimnis hatten die Ausstellungsmacher die Namen der 113 Künstler gehütet - auch wenn Dutzende längst durchgesickert waren. Als Buergel jetzt den Schleier hob, gab es fragende Gesichter bei den 2800 akkreditierten Journalisten. Viele der Namen waren selbst Insidern nicht bekannt. Weil die Kunstwelt kaum noch allgemein bekannte Stars hat, hat Buergel konsequent abseits der ausgetretenen Kunstpfade geschaut. In der "Peripherie", wie er es nennt, womit vor allem auch Südamerika, Asien und Afrika gemeint sind.

"Als documenta-Leiter ist man ja immer mit dem Starsystem der westlichen Kunstwelt konfrontiert", sagt Buergel. Namen würden gefordert, die allgemein bekannt sind und die hohe Preise auf dem Kunstmarkt erzielen. "Zeigt man dann Künstler, die innerhalb dieser furchtbar engen Kunstwelt nicht bekannt sind, erweckt das oft den Eindruck, als würde man irgendwelche obskuren Gestalten aus dem Zylinder zaubern." Aber tatsächlich seien viele von ihnen "Stars in ihrem Kontext".

Das gilt zum Beispiel für Romuald Hazoumé aus dem Benin. Alte afrikanische Masken scheint er mitgebracht zu haben. Schaut man genauer hin, entpuppen sie sich als alte Plastikkanister. "Viele Länder in Westafrika sind reich an Öl. Trotzdem haben wir eine Energiekrise. Wir fragen uns: Wie geht das?", erklärt Hazoumé. Seine Hauptarbeit ist ein afrikanisches Boot - gebaut aus hunderten Blechkanistern. "Dream" heißt es, doch es ist löchrig. "Bei uns sagt man: 'Wenn Du gehst, stirbst Du. Bleibst Du, stirbst Du auch. Dann geh? lieber und sei verloren im Boot Deines Traumes.'"

Multi-Kulti-Clash allgegenwärtig

Afrika begegnet dem Besucher immer wieder, Arabien auch. Bilder vom Nahostkonflikt sind allgegenwärtig, dem "Konflikt Nummer Eins, an dem sich jegliche politische Vernunft blutig zu stoßen scheint" (Buergel). So fragt die Palästinenserin Ahlam Shibli mit ihren Fotos, "ob auch in einem Flüchtlingslager Heimat entstehen kann". Abdoulaye Konaté kombiniert die Flagge Israels mit dem gemusterten Tuch der Fatah. Für Buergel fragt der Künstler aus Mali "mit diesen hochaufgeladenen Symbole nach der Möglichkeit, irgendwann einmal Ruhe zu finden, abgelegt zu werden und nur Muster und Farbe zu sein".

Zur documenta gehören gezielte Provokationen. Eine bietet der Chilene Juan Davila, der seit 30 Jahren in Australien lebt. Der zeigt zwar höchst konventionelle Landschaftsbilder, setzt in einem anderen Werk aber das Hakenkreuz in die Flagge der USA. Auch das christliche Kreuz wird verfremdet zum Hakenkreuz, davor liegt ein nackter Mann, aus dessen Hintern ein Auge glotzt. "Bring our boys home" steht neben australischen Symbolen. Eine andere Form der Irritation bietet der chinesische Künstler Ai Weiwei, der 1001 seiner Landleute in die hessische Provinz eingeladen hat - ein ungewöhnliches Symbol der Globalisierung.

Starkoch bleibt an der Costa Brava

Doch Konfrontation will Buergel mit seiner documenta kaum provozieren, wohl aber Staunen. Dabei kokettiert er mit dem Biederen einer Bundesgartenschau, als deren Beiprogramm die documenta 1955 begann. Ansonsten will er überraschen. Mit Tänzern, die immer wieder einzelne Werke vervollkommnen. Mit Minimalismus, der den Betrachter lange ratlos lässt. Und mit einem Koch: Der Spanier Ferran Adriá gilt als einer der Stars der Ausstellung. Mit Häppchen können die Besucher aber nicht rechnen, dafür steht während der documenta täglich für zwei willkürlich von der documenta-Leitung bestimmte Besucher ein kleiner Tisch in Adriás Restaurant El Bulli an der Costa Brava bereit - eine documenta-Exklave in Spanien. Adriá bedauert, doch eine Küche habe er in Kassel nicht aufbauen können. Insgeheim sind die Ausstellungsmacher nicht unglücklich: Zu sehr hatte der Starkoch im Rampenlicht gestanden.

Fußball auch hier allgegenwärtig

Zu Buergels Lieblingswerken gehören ein Dutzende Meter langer schmaler Teppich - gemacht aus den Fusseln aus dem Flusensieb einer Waschmaschine. Damit will die New Yorkerin Mary Kelly "eine Ballade über ein Kind aus dem Kosovo" erzählen. Die Inderin Sheela Gowda legt Kordeln aus, die gleichsam Nabelschnur und Symbol für das indische Textilhandwerk in der Kolonialzeit sein sollen. Und bei den zahlreichen Videoinstallationen - wobei es nicht so viele sind wie bei der "d11" vor fünf Jahren - ist sogar ein Werk dabei, dass vom Deutschen Fußballbund gefördert wurde: Harun Farocki zeigt das Endspiel der Weltmeisterschaft auf zwölf Bildschirmen - als Bild, als Statistik, als Videospiel.

Neu ist auch Altes: Buergel zeigt auch "alte Kunst", etwa Teppiche aus Mali. "Die gestreiften Stoffbahnen müssen uns Analphabeten als reine Ornamente erscheinen, obwohl sie wie ein Barcode mit Informationen durchtränkt sind", erklärt er sein Interesse. "Migration der Form" nennt er das: Das Bild, die Skulptur wird durch interkulturelle Begegnung verändert und verändert auch die Umwelt.

Giraffe ist Opfer des Nahostkonflikts

Buergel hatte immer wieder betont, dass seine documenta einen Bildungsauftrag habe und er moderne Kunst verständlicher machen wolle. Zugleich preist er aber "die wunderbare Unentschiedenheit", es müsse sich doch nicht der Sinn von Kunst immer sofort erschließen. Das gilt für viele der 500 Exponate, für viele auch nicht. "Brownie", die ausgestopfte Giraffe, ist ein Opfer des Nahostkonfliktes, das unwichtigste, aber nun nicht mehr unbekannteste. Weder der Künstler Peter Friedl noch Buergel mussten sie kommentieren. Vielleicht gehörte sie deshalb zu den am meisten fotografierten Objekten des Tages.

Chris Melzer/DPA / DPA
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(