Olafur Eliasson in München Der vereiste Rennwagen


Er hat in der Londoner Tate Gallery die Sonne aufgehen lassen und baut in New York künstliche Wasserfälle. Mit seiner Kunst will er Menschen unterhalten. Dafür scheut er keine Kooperationen mit der Industrie. Jetzt hat Olafur Eliasson in München einen BMW-Rennwagen vereist und ins Museum gestellt.

Der vereiste BMW des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson ist knapp neun Monate nach seiner ersten Präsentation in San Francisco nun in München zu besichtigen. Bis zum 20. Juli zeigt die Pinakothek der Moderne in einem Kühlraum "Your mobile expectations: BMW H2R project". Ein Rennwagen mit Wasserstoffantrieb verbirgt sich unter einer dicken, aber dennoch filigranen Eishaut, die von innen mit einem gelben Licht zum Leuchten gebracht wird.

Damit setzt Eliasson die Reihe der sogenannten "BMW Art Cars" fort, die seit 1975 von Künstlern wie Frank Stella, Roy Lichtenstein oder Andy Warhol für den Münchner Auto-Hersteller gestaltet wurden. Auch die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sind an der Ausstellung beteiligt.

Eine Herausforderung sei für ihn gewesen, sich mit einem Objekt aus dem Alltagsleben der Menschen zu beschäftigen, das ebenso verehrt wie abgelehnt werde, sagte Eliasson. Vor allem interessierte den in Berlin und Kopenhagen lebenden Künstler die Wechselwirkung zwischen dem Objekt und den Betrachtern. Er habe sich nicht nur mit der Frage auseinandergesetzt, welche Wirkung das Auto auf den Besucher habe, sondern auch welchen Einfluss der Besucher auf das Auto habe, sagte er bei der Vorstellung des Kunstwerkes am Dienstag in München. Dies werde durch das Eis besonders deutlich, da die Menschen es durch ihre Körperwärme auch zum Schmelzen brächten und so veränderten.

2000 Liter Wasser wurden vereist

Doch der Schmelzprozess ist nur minimal. Minus zehn Grad herrschen in dem würfelartigen Kühlraum, der nach Angaben der Pinakothek mit ökologisch hergestelltem Strom betrieben wird. In Decken gehüllt betrachten die Besucher das Werk, das Eliasson nach jahrelanger Vorarbeit in drei Tagen fertiggestellt hat. Der Fahrzeugrahmen wurde mit Metallnetzen bedeckt. Danach besprühte Eliasson alles mit rund 2000 Litern Wasser. Eiszapfen und gefrorene Wassertropfen bedecken das Auto, das nur mit Mühe noch zu erkennen ist. Wer auf dem eiskalten Metallboden in die Knie geht, kann gerade noch die Reifen entdecken. Weiter oben lassen sich Lenkrad und Schaltknüppel erkennen.

Eliasson hatte vor vier Jahren mit "The weather project", der Installation einer künstlichen Nebelsonne, in der Galerie Tate Modern in London für Aufsehen gesorgt. Im vergangenen Jahr zeigte das San Francisco Museum of Modern Art die Retrospektive "Take your time", die derzeit im New Yorker Museum of Modern Art noch bis zum 30. Juni zu sehen ist.

DPA DPA

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