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Wo ist die Grenze von Rot?: Sprayer testet den Humor einer Reinigungsfirma

Jahrelang fuhr Street Artist Mobstr an einer teilweise in Rot gestrichenen Wand eines Stromhäuschens vorbei. Graffiti entfernte regelmäßig eine Reinigungsfirma. Da beschloss Mobstr, Kontakt aufzunehmen - die "Unterhaltung" dauerte ein Jahr.

Wenn man die Bilder von Graffiti-Sprayer Mobstr durchklickt, entsteht eine Art Gespräch mit Daumenkino-Effekt. Auf seiner Website erklärt der in London lebende Künstler, wie es entstand: "Jahrelang bin ich auf dem Weg zur Arbeit an dieser Wand vorbeigeradelt. Mir fiel auf, dass Graffiti, die auf die rote Fläche gesprayt wurden, mit roter Farbe übermalt werden. Graffiti außerhalb dieser Fläche hingegen, wurden durch Hochdruckreinigung entfernt. Das forderte mich zu einem Experiment heraus. Anders als bei anderen Arbeiten war ich unsicher, was dabei herauskommen würde. Die Fotos zeigen, was binnen eines Jahres passierte."

Das Experiment beginnt

Mobstr hinterlässt in schablonenhafter Typo das Wort "RED" auf der roten Fläche. Nicht an irgendeiner Stelle, sondern knapp außerhalb des Bereiches, der in einem etwas dunkleren Rotton gestrichen ist. Es sammeln sich weitere Tags und schlichtes Gekritzel. Daraufhin folgt ein Anstrich - doch nicht der gesamten Fläche. In einem noch dunkleren Rotton werden lediglich die Graffiti übermalt. Aber hatten die Anstreicher bereits begriffen, dass Mobstr ein Gespräch begonnen hat? Wohl kaum.

Also noch einmal: RED auf eine hellrote Fläche. Nun beginnt ein regelrechter Schlagabtausch zwischen Sprayer und Maler, bis Mobstr sich an den oberen Rand von "Rot" vorgearbeitet hat. 

Das Überschreiten der Grenze

Was nun folgt, treibt einem fast die Tränen in die Augen - vor Lachen: Auf das Mauerwerk über der roten Fläche wendet sich Mobstr mit einem "RED?" an den Anstreicher. Doch der ist für diesen Teil der Wand nicht zuständig - der Hochdruckreiniger muss anrücken. Mobstr zeigt, dass er das Prinzip verstanden hat und hinterlässt zwei Aufträge: über der roten Fläche "PRESSURE WASH", auf der roten Fläche "RED". Doch nur der Maler kommt und überpinselt ihn.

Um es abzukürzen, denn die Bilder sagen wirklich alles: Mobstr nervt so lange, bis die gesamte Wand des Stromhäuschens in einheitlichem Rot gestrichen wird. Doch wenn die Stadt nun Respekt erwartete, irrte sie sich. Mobstr muss noch einen letzten Kommentar hinterlassen: "Gut, das ist ein Weg, um es zu beenden. Danke, Kumpel, hat Spaß gemacht."


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