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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Auspuff im Maul

Okay, die guten, alten Kippen waren ungesund. Aber irgendwie cool. Heute gibt es E-Zigaretten- und damit einen zwingenden Grund aufzuhören, findet stern-Kolumnist Micky Beisenherz.

Micky Beisenherz

Wäre Steve McQueen nicht schon längst tot, er wäre mit seinem Ferrari Lusso freiwillig gegen einen Baum gefahren.

Die Vorstellung, dass der King of Cool heutzutage dazu gebracht würde, eine dieser E-Zigaretten zu rauchen - absurd. Zumal die bedauernswerte Stilikone bereits in den Neunzigern geschändet wurde, als man sie mittels Computeranimation für eine an den Film "Bullitt" angelehnte Reklame ans Steuer eines Ford Puma gepixelt hatte.

Beschämend, wie Tabakfans auf dem Elektro-Trip heute durch die Gegend rennen.

Gestern Marlboro-Man, heute Auspuff im Maul

Anstatt an der klassischen Zigarette zu ziehen, sehen sie aus, als würden sie an Kfz-Teilen lutschen. Gestern Marlboro-Mann, heute Auspuff im Maul. Plötzlich bist du Raucher und Schockbild zugleich! Spätestens wenn ich zur Entwöhnung gezwungen bin, eine metallene Blockflöte in der Gesichtsmitte spazieren zu tragen, höre ich doch mit dem Rauchen auf, oder?

Diese qualmenden Nikotinzylinder können im Grunde genommen nur als eine Art Schandmal gedacht sein, um Süchtige derart zu demütigen, dass sie ihr Laster endlich beschämt drangeben.

James Dean, Paul Newman oder die verruchte Bardot - hätten sie auch mit E-Zigaretten im Mundwinkel als Poster in den Jugendzimmern gehangen? Warum haben wir damals angefangen zu rauchen? Weil es cool war. Weil die, zu denen wir aufgeschaut haben, selbst gedrehte Lässigkeit spazieren trugen. Die Kippe als Rebellionsaccessoire und Verweigerungspose.

Damals, als man noch Filterkaffee trank

Um ehrlich zu sein, haben wir auch Helmut Schmidt weniger für das Gesagte geschätzt als vielmehr für die Verachtung, mit der er einer fahrradverhelmten Gesellschaft dreist ins Gesicht geraucht hat. Dass der bedauernswerte Giovanni di Lorenzo während Schmidts Besuchen in seinem Büro nie die Fenster öffnen durfte und deshalb vermutlich schon mit 60 sterben wird - geschenkt.

Ganz ähnlich haben meine Eltern es auf Urlaubsfahrten gehalten. Bei geschlossenem Autofenster 1500 Kilometer und drei Schachteln R6. Kein Wunder, dass ich nur knapp 1,80 Meter messe. Während mein Bruder, der nicht so häufig mitfuhr, 1,95 Meter groß ist.

Dennoch: Die A-Zigarette, also die analoge, hat rustikalen Charme. Sie ist in Zeiten von Soja-Latte-Vätern und veganem Rührei gelebter Anachronismus. Ein Tabak gewordener Sehnsuchtsstängel, der von einer Zeit kündet, als man noch Filterkaffee trank und Vollbärte Oberstudienräten vorbehalten waren.

Wenn es allerdings zu Bildern kommt, wie man sie vielerorts an Flughäfen sehen muss, ist auch der Rückzug von der A-Zigarette der elegantere Weg. Wie in ein Terrarium gezwängt, qualmen sich dort humanoide Nebelkerzen die Restwürde aus der Lunge. Ein trauriges Bild, das einen innerlich Peta oder wenigstens Günter Wallraff rufen lässt.

Zigaretten mit natürlichen Zusatzstoffen?

Andere wiederum stehen in Tankstellenschlangen vor einem und verlangen nach Zigaretten mit natürlichen Zusatzstoffen. Da denke ich dann nicht selten: "Oh, ein echter Gesundheitsapostel." Wobei das mit dem Abgewöhnen übrigens so eine Sache ist: Viele von denen - man begegnet ihnen in Firmenkantinen oder Stammkneipen -, die behaupten, sie hätten aufgehört zu rauchen, haben de facto lediglich aufgehört zu kaufen.

Das kann für die anderen Nikoteenies sehr belastend sein. Am besten ist, man fängt erst gar nicht damit an. So muss man später auch nicht mit einem dieser elektrischen Gesichtskamine rumlaufen - so wie mein bedauernswerter Bruder. Da helfen ihm seine 1,95 auch nicht mehr.

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