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M. Beisenherz: "Sorry, ich bin privat hier" Je suis Micky - das M steht für Niveau

M. Beisenherz: "Sorry, ich bin privat hier": Je suis Micky - das M steht für Niveau
Micky Beisenherz wurde von den besten Männern des Satire-Magazins "Titanic" verbal vertrimmt. Doch statt jaulend zu Mutti nach Castrop-Rauxel zu fahren, hat er mal aufgeschrieben, was es noch über ihn zu sagen gibt.
Eine Kolumne von Micky Beisenherz

"Micky 'Michael' Beisenherz, ein Typ, der in jedem Moment so aussieht, als wäre ihm gerade der Schwanz gelutscht worden" - ein Artikel, in dem solch fein formuliertes Lob steht, kann unmöglich böswillig sein. Nach Lektüre des Titanic-Verrisses über den Autorendarsteller Micky Beisenherz muss man festhalten: Er kann. Das Magazin, in den 90ern bekannt für gekonnte Satire, schickte unlängst gleich zwei seiner besten Männer los, den frühvergreisten Berufsstattfinder verbal zu vertrimmen. Was ihnen mit köstlichen Wortspielen à la "Prinz Beisenherz" aufs Vortrefflichste gelang. Wäre der Artikel im "Postillon" erschienen - er wäre sogar gelesen worden. Schade drum. Zumal es über Beisenherz, den Jamba-Klingelton der Neuzeit, noch so vieles zu sagen gibt.

Seit einigen Jahren dilettiert sich das Segelohr - immerhin zweitberühmtester Komiker Recklinghausens nach Ralf Möller - durch das, was früher hoffnungsvoll Medienbranche genannt wurde. Im Örtlichen firmiert der Mann unter dem Label Autor und Moderator - als würde 0 plus 0 plötzlich 1 ergeben. Dieser "Moderator" ritt unter anderem zur besten Sendezeit bei ProSieben nackt auf einem Pferd, sorgte mit verbalem Humpeln selbst beim ansonsten gänzlich abgestumpften RTL2-Publikum für ungläubiges Rülpsen und hält mit einer - hört hört! - "Sportsatiresendung" NDR-Zuschauer vom verdienten Versterben ab. Titel der Show: "Wumms".

Das ist feine Satire auf Beisenherz-Art.

Der Beisi macht alles

Im Sommer 2012 deutete sich kurz ein kometenhafter Aufstieg als Fernsehstar an, als sich sämtliche Programmdirektoren gegen Fernsehdeutschland verschworen und dem Frohsinnspygmäen senderübergreifend gleich drei TV-Shows gaben. Egal, ob lustige Rateshows, die kurzzeitig exhumierte Sendeleiche "Die Pyramide" oder sein Debüt als Reporterimitator in der Doku-Reihe "German Angst" - komm, scheiß drauf! Der Beisi macht alles.

In einem Land, in dem "Unser Charlie" zum Star werden konnte, war dem Moderationsmakaken Popularität durchaus zuzutrauen. Doch Gott ist Gott sei dank nicht tot - und die Shows schmierten allesamt ab, als seien sie von der Bundeswehr bestellt worden. Jetzt hätte man hoffen können, dass der Mann endgültig zurück in seinen Lehrberuf als Eintänzer am Autoscooter auf der Lütgendortmunder Pflaumenkirmes wechselt. Dummerweise haben mildtätige Menschen wie Oliver "heute Show" Welke oder das Team von "Extra3" so etwas wie eine Patenschaft übernommen und lassen ihn in ihren Büros vor einem ausgeschalteten Rechner sitzen. So fällt er zumindest draußen keine Passanten an.

Eine Aneinanderreihung dummer Zufälle forrestgumpscher Dimension sorgte schlussendlich dafür, dass Beisenherz wie eine Seepocke beim Unterhaltungsdampfer Dschungelcamp andocken konnte. Fortan lässt er sich als Putzerfisch von Autorenmastermind Jens Oliver Haas vom Feuilleton unwidersprochen mitloben und sammelt als Mitläufer im Kulturbetrieb haufenweise Prei.... Nominierungen. Das war der Punkt, an dem der Castroper Faltenhund endgültig den Bezug zur Realität verloren haben muss.

Das schöne Gesicht der Mikropimmelgilde

Wer den Mut hat, die Facebookseite des Egomasturbanten zu besuchen, wird Zeuge einer erschreckenden Persönlichkeitsstörung. Selbst Kanye West wäre entsetzt über so viel Eitelkeit. Eine Selfiedichte oberhalb der verträglichen Kim-Kardashian-Grenze, gepaart mit einem zur Schau gestellten Modebewusstsein, dass man sich permanent auf der Homepage vom Schöpflin-Katalog wähnt. Natürlich darf der obligatorische Porsche nicht fehlen, klar. Beisenherz - das schöne Gesicht der Mikropimmelgilde. Er schreckt nicht einmal davor zurück, seine grenzgreise Oma zu missbrauchen, um sich in schlimmer Regelmäßigkeit einen volksnahen Anstrich zu verpassen. Das allein schon rechtfertigt einen bunten Strauß Erbrochenes. Wären da nicht seine permanenten Versuche, dem Tagesgeschehen Witze abzuringen.

Man merkt: Beisenherz liebt die deutsche Sprache - obgleich sie ihm konsequent die kalte Schulter zeigt. Trochäus oder Daktylus hält er vermutlich für Flugsaurier. Doch wie ein beinloser Stepptänzer gibt er nicht auf. Tagtäglich präsentiert der Harald Schmidt der Generation McFit seine textlichen Laubsägearbeiten einem Publikum, das scheinbar das komplette Internet schon durch hat. Naddels Treppensturz, Gina Lisas neue Lippen, Cathy Fischers Speiseröhreninfarkt - dem journalistischen Trüffelschwein ist kein Eisen zu heiß. Dass sein geistiger Korridor noch enger ist als seine Kleidung, scheint die Jungs vom stern erst richtig heiß gemacht zu haben. Die haben ihn vom Fleck weg als Kolumnisten engagiert (hey, auch der stern darf mal auf jemanden reinfallen, oder?) und lassen den Begriffs-Billigbäcker dort jeden Montag seine Windbeutel aus dem Ofen ziehen.

Als selbsternannter Mahner und Warner ist er stets auf der Jagd nach bedeutungsvollen Sätzen. Leider kommt er häufig ohne Beute zurück. Beisenherz wäre gern Jan Böhmermann - er ist nicht einmal Jan Leyk (1,2 Mio. Facebookfans können nicht irren). Aus einem intellektuellen Dackel machst du keinen Windhund. Und so segelt Käptn Kot seine Kolumnen-Kogge allwöchentlich mit traumwandlerischer Sicherheit an jedweder Relevanz vorbei, dass es eine Freude ist.

Wir können nur hoffen, dass es von vielen gelesen wird. Ansonsten moderiert der Behäuptling unter den Medienindianern halt wieder irgendeine Quizshow, gibt den Dokumentarfilmer - oder schreibt lustige Ficki-Ficki-Literatur. Der Beisi bietet schließlich alles - wie jeder gute Ein-Euro-Shop.


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