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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Prost von Beisi: Lieber Bär-Lauch

Frank Zander serviert 3000 Obdachlosen Gänsebraten - doch Fanta-Vier-Manager Andreas "Bär" Läsker beschwert sich, weil dafür Tiere sterben mussten. Micky Beisenherz geigt dem Soja-Salafisten seine Meinung.

Micky Beisenherz schreibt an Andreas Bär Läsker

Micky Beisenherz schreibt an Andreas Bär Läsker

Lieber Bär Läsker,

zunächst einmal eine Frage: Wie sehr ist einem Veganer zu trauen, dessen Spitzname zu 100 Prozent aus Tier besteht, hm? Aber auch ein Kompliment: Sie denken schön quer.

Das muss man ja erstmal schaffen: Die Bilder zu sehen, wie (zum 22. Mal bereits) 3000 abgerissenen, durchgefrorenen Obdachlosen bis zur Sehnenscheidenentzündung Weihnachtsgänse mit Klößen serviert - und das erste, was einem dabei in den Sinn kommt ist: "So ein Arschloch! Kredenzt da tote Tiere statt veganer Buletten! Dem geige ich jetzt bei Facebook die Meinung!"

Sitzt da als Tofuwurst faul und bräsig in irgendeinem Hipster-Loft, nachdem er gerade mit dem Q8 vom Bio-Markt gekommen ist und gibt vom Sofa dem rührigen Mittsiebziger kostbare Instruktionen, wie das mit der tierbefreiten Nächstenliebe denn gefälligst zu laufen habe. Die Nerven muss man haben.

Klar, man könnte theoretisch auch selbst den teigigen Arsch hochkriegen und helfen, aber hey: Der moralische Stellungskrieg wird heutzutage ja von der Tastatur aus geführt. ist 'ne bequeme Kanzel. Und draußen is' kalt.

Wobei: Vielleicht ist es besser, wenn Sie einfach zuhause bleiben - ansonsten nehmen sie den Obdachlosen noch wutentbrannt die Daunenjacken weg. Den Witz, dass die bei Ihrem Weihnachtsessen die Tannen fressen müssten, erspare ich Ihnen und uns.
Was ist eigentlich bei Ihnen schiefgelaufen, Mann? Ist doch an sich 'ne gute Sache, wenn man so schön abgenommen hat, und nicht mehr mit Bockwürsten in der Cargobuxe durch Stuttgart laufen muss. Das freut mich für Sie. Warum aber muss man plötzlich allen anderen auf die Eier gehen? (Sorry, in dem Satz war Ei drin, ich weiß).

Gut, wer in der Lage ist, für "der Picknicker" eiskalt Prozente zu kassieren, dem ist zunächst einmal alles zuzutrauen. Nix für ungut: Auf meiner Facebook-Seite wird ebenfalls wahnsinnig viel Schwachsinn verhandelt (vornehmlich von mir selbst) - dafür aber wenigstens nicht ganz so monothematisch.

Ein Splatter-Stakkato der Tarantino-Stufe vier

Ihr digitaler Showroom ist wie ein Snuff-Film-Fauna-Festival. Da werden Küken geschreddert, geschlachtet und Pelztiere gequält, dass sich selbst Chinesen mit Grausen abwenden würden. Ein Splatter-Stakkato der Tarantino-Stufe vier. (Wobei Tiere bei dem für gewöhnlich besser wegkommen als Menschen.)

Klar, natürlich ist das die brutale Wahrheit hinter unserem explodierenden Konsum, aber: Muss man sich AUSSCHLIESSLICH damit befassen? Und, wenn man doch schon so einen missionarischen Eifer hat: Wäre es dann nicht schlauer, diese brutalen Fakten im Sinne der Aufklärung häppchenweise zu servieren, anstatt sie dem arglosen Facebook-Konsumenten mit dem Trichter reinzuwürgen, bis der sich selbst schon wie eine Stopfgans vorkommt?

Machen'se doch mal 'nen Witz zwischendurch. Oder posten ein schönes Selfie. Macht Attila Hiltmann doch auch. Und der ist echt total schön. Unangenehme Wahrheiten muss man schonend unterrühren - so wie bei 'nem guten Gulasch oder einer Paella, die... okay, schlechtes Beispiel.

Ernährungsfundamentalistischer Übereifer

Das wirklich Ärgerliche an selbstgefälligen Soja-Salafisten wie Ihnen ist, dass Sie eine an sich gute Sache durch Ihren ernährungsfundamentalistischen Übereifer komplett verraten. Fast wartet man darauf, dass sich der Vorsitzende des Zentralrats der Veganer von Ihnen distanziert.

Sie sind so ein Typ wie... tja, wie sage ich das jetzt... Es ist ein bisschen so, als wolle man einen Freund für Rockmusik begeistern, und der einzige, den man als Galionsfigur präsentieren kann, ist Chad Kroeger von Nickelback. Ja, genau: Sie sind der Nickelback der Veganer, jetzt hab ich's.

Es ist doch nix gegen Veganismus einzuwenden. Viel mehr noch: Es ist gut, sich Gedanken zu machen, wie man sich ernährt, ob der eigene (Fleisch-)Konsum wirklich sein muss und welchen guten Vorsatz man heute wieder bricht. Hätte, hätte, Nahrungskette.

Verfickte Scheiße, ey, wenn man liest, dass der sinistre Wurstbaron Tönnies pro Jahr 16,4 Millionen (!) Schweine und 405.000 Rinder schlachtet, wird einem nicht nur im Hinblick auf die Haltung der Tiere übel (im Hinblick auf die kaum besser gehaltenen Billigrumänen auch).

Das Scheitern als ständiger Begleiter

Ich selber wiederum erwische mich ab und an dabei, mir mal eben 'ne Packung Hühnergedöns ausm Supermarkt für zwei Euro zu kaufen und frage mich, ob ich nicht 'nen Pfeil im Kopp habe, für so einen Dreck Geld auszugeben. (Das mit dem Carazza verschweige ich besser komplett.) Und ja, ich weiß: Allein die Stadionwurst deckt 90 Prozent des menschlichen Tagesbedarfs an Scheiße.

Ehrlich, ich arbeite an mir. Bin ja eh schon zu 80 Prozent Pescetarier. Wenngleich klar ist: Wer immer gut sein will, sollte sich besser mit dem Scheitern vertraut machen - es wird sein ständiger Begleiter sein. Smartphones oder Computer zum Beispiel enthalten Kupfer. Dessen Herstellung wiederum benötigt tierischen Knochenleim als Hemmstoff - aber der Maximo Läsker postet seine Öko-Suren sicher mit 'ner ausgehöhlten Kokosnuss, ne? Schade um die gute Sache.

Dummerweise erreichen Milifanten wie der bärbeißige Ex-Fettsack, dass ich allein aus Renitenz gegen das Dinkel-Diktat fast zur Protest-Wurst greifen möchte. Warum empfinde ich beim Wort vegan mittlerweile fast dasselbe, wie wenn ich an den Zeugen Jehovas, bei Scientology oder den Kreditkartenhanseln am Flughafen vorbei gehe? Das kann doch nicht sein.

Seid ihr jetzt plötzlich die "Gutmenschen" der Stoffwechsler oder schon die Scharia- Polizei, oder wie oder was? Was ist da schief gelaufen? Wer hat Euch bloß so ruiniert?

Fun Facts des fleischlosen Daseins 

Ich will nicht so empfinden, aber allein, wenn sich bei mir mal Veganer in den Facebook-Kommentarleisten einfinden, ist es absolut sicher, dass die ganz große Missionierungs- und Schlachtbank-Bilderflut losgeht.

Die schönsten Frauen musste ich bereits löschen, weil sie einen mit der Eleganz einer Nagelpistole bär jeder Vernunft mit Fun Facts des fleischlosen Daseins vollgeballert haben. Und es geht mir auf die Nüsse. (Nüsse sind okay, oder?) Es sollte mich für ein wichtiges Thema sensibilisieren, aber nein: Es nervt. Du nervst.

Sei doch mal Charming, Bär, Und jetzt geh in die Küche, mach 3000 mal Deinen verkackten Mandelmilch-Zimtpudding und bring den unter die Leute, bzw. Brücken. Dann hat die ganze Sache doch noch was Gutes. Frank Zander liegt bereits 22 zu null vorne.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo