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M. Beisenherz: "Sorry, ich bin privat hier": Nächstes Mal schreibe ich übers "Borchardt"

#Nudelgate verfolgt unseren Kolumnisten: Eine Woche nach seiner Kritik an "Vapiano" wird er noch immer beschimpft. Da beschleicht ihn der Verdacht, dass die meisten gar nicht selbst dort essen.

Eine Kolumne von Micky Beisenherz

Eine Filiale der Restaurantkette Vapiano

Eine Filiale der Restaurantkette Vapiano

Hätte ich den "Playboy" in der Al-Nur-Moschee ausgelegt - das Echo hätte kaum heftiger ausfallen können, als in der einen Woche Nudelgate. Das war er also, mein erster Shitstorm. Und ich habe viel gelernt. Auch über Rechtschreibung, so viel lässt sich schon mal sagen. Und darüber, wie das so funktioniert. Wenn man mitten im Auge des Fäkalhurrikans steht, hat man eine schöne Binnensicht. Sicher, wenn man die (Ess-)Kultur einer halben Nation durchnudelt, sollte man nicht erwarten, dass die Leute Rosen streuen. Andererseits bekam ich mitunter das Gefühl, dass mir die dankbare andere Hälfte demnächst noch ihre Kinder zum Segnen hinhält. Da hat sich offenbar eine Menge aufgestaut.

Auch bei ehemaligen Mitarbeitern und Geschäftsführern, die mich mit Insiderinformationen versorgen wollten, um den Laden RICHTIG fertig zu machen. Da scheint irgendwer gedacht zu haben, dass der stern so etwas wie Journalismus sei. Und ich Hans Leyendecker. Muss man sich mal vorstellen. Leute, es ist doch nur Humor! Billige Polemik - nur für den Klick für den Augenblick. Warum also diese, wie es der von mir sehr geschätzte Tresensoziologe Nilz Bokelberg ausdrückt, kollektive "Echauffage".

Kothagel um 2.47 Uhr Samstagnacht

Liebe Pastafari, wo bleibt denn da der "Fun" in Fundamentalismus? Schon spannend, wenn man morgens nach dem Aufstehen plötzlich tausendfach lesen kann, dass man so ziemlich das mieseste ist - noch schlimmer als im Stau stehen und nur schlechten Handyempfang haben. Wer durch den Kothagel stapft, sollte einen ziemlich dichten mentalen Anorak anhaben. Da muss man sich selbst schon ziemlich gut finden, um das abperlen zu lassen.

Dabei schienen es noch nicht mal hauptsächlich "Vapiano"-Kunden gewesen zu sein, die da geschrieben haben. Klar, die mussten ja noch anstehen. Was sind das für Leute, die sich so viel Zeit nehmen, endlos lange Texte in Kommentarleisten zu schreiben. Wird man so, wenn man bei dem Wetter der Einzige ist, der nicht zum Grillen eingeladen wurde? Ist es die koitale Isolation? Allein die Uhrzeiten sind schon hochgradig verräterisch: Samstag, 2 Uhr 47. Sonntagnachmittag und so.

Sind es immer dieselben, die sowas schreiben?

Mitunter beschleicht mich das Gefühl, dass es immer dieselben sind, die sich zu einem beliebigen Thema hinter die breite Hecke Internet legen und losschießen. Sobald ein bestimmter Hashtag wie eine Tontaube in die Luft geworfen wird, geht es los und die pawlowschen Poster kriegen digitalen Speichelsturz. Dabei ist es ganz wichtig, erst einmal den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Basisinformationen, die man gegen den Anzugreifenden nutzen kann.

Schreibt zum Beispiel eine Lufthansa-Stewardess etwas Intelligentes, heißt es "geh Du mal lieber Saft schubsen", ein trockener Alkoholiker "hat wohl wieder zu viel gesoffen" und ein jüdischer Komiker … kriegt tellerweise Spaghetti Napola mit brauner Soße serviert, klar. Ehrensache.

In meinem Falle heißt es dann schnell "der Dschungelschreiberling", "sowas schlechtes habe ich seit Jahren nicht gelesen - typisch RTL!" oder knackig "Assi TV!" (dass der Duden es zugelassen hat, Asi mit Doppel-S schreiben zu dürfen, kann nur als Kapitulation vor den Dummen begriffen werden). Nicht wenige verfeuern zwei komplette Magazine Emojis oder pennen scheinbar auf der Taste mit dem Ausrufezeichen ein.

Ein Klassiker ist natürlich auch das zeitlos besorgte "Armes Deutschland", "und das von unseren Gebühren" oder die gute, alte Verschwörungstheorie: "der kriegt doch Geld von Vapiano. Und ihr fallt auch noch alle drauf rein!". Damit macht man in der Hysteriefabrik Internet nie etwas falsch. Sicher ist nur: Kein Vorfall kann so dämlich sein, als dass die deutsche "Huffington Post" nicht noch etwas Dämlicheres daraus machen könnte, um ein Stück von der Klicktorte abzubekommen.

In ihrem ratlosen Bemühen um Akzeptanz so etwas wie der Millhouse des deutschen Onlinejournalismus, titelten sie in bester heftig.co-Manier: "Dumm gelaufen - ein Stern-Autor ätzte gegen Vapiano. Mit der Reaktion der Kunden hätte er nicht gerechnet." Tja, wie soll ich's sagen: Doch!

"Vapiano" wird mein persönliches Hossa

Tatsächlich freute sich der Autor über JEDE messbare Form der Reaktion. Ähnlich wie Kandidaten, die bei DSDS vor Millionen abgesaut werden und sich trotzdem freuen, weil sie mal mit Bohlen reden durften. Bin ich jetzt der Menderes vom stern? Klar, noch lache ich. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Hitsingle "Vapiano" mein persönliches "Hossa" zu werden droht. Seit einer Woche laden mich alle, die ich kenne, nur noch in diese Nudelbude ein. Hätte ich doch bloß über das "Pascha" geschrieben. Oder wenigstens das "Borchardt".

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