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"Bundesvision Song Contest": "Das hättest du nicht gedacht, wa?"

Die Mittelalter-Rocker Subway To Sally fahren bei Stefan Raabs "Bundesvision Song Contest" den Sieg ein. Etablierte Gruppen wie Sportfreunde Stiller, Culcha Candela und Laith Al Deen gucken in die Röhre. Clueso wird Vize-Meister.

Von Verena Stöckigt

"Das hättest du nicht gedacht, wa?!" triumphiert Subway-To-Sally-Sänger Eric, als ihm Stefan Raab verlegen den "Bundesvision Song Contest"-Pokal in die Hände drückt. In einer dreieinhalbstündigen "Leistungsshow der deutschen Popmusik" kämpften Donnerstagabend 16 Bands aus 16 Bundesländern in der ausverkauften TUI-Arena in Hannover um den Titel.

Dabei lieferten sich die Folk-Metaller aus Brandenburg ("Auf Kiel") mit dem Thüringer Popsänger Clueso ein ostdeutsches Kopf-an-Kopf-Rennen. Der war mit einem kompletten Jugendorchester im Team-Telekom-Look angerückt, um die rührende Popballade "Keinen Zentimeter" vorzutragen. Um 0.30 Uhr trennen die beiden Favoriten nur ein unschuldiges Pünktchen. Die Wertung des Gewinnerlandes 2007, Niedersachsen, wird zum Zünglein an der Waage und dann verkündet der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff endlich den Sieger. Zu seinem Bedauern sind es nicht "Mätzen" (sie heißen Madsen, Herr Wulff), sondern Subway To Sally. Mit 147 Punkten setzen sich die Potsdamer vor Clueso, der vier Jahre nach seiner ersten BuViSoCo-Teilnahme 146 Punkte nach Erfurt holt.

Klatsche für Sportfreunde Stiller

Stefan Raab und seine Co-Moderatoren Elton und Johanna Klum können die Sensation nicht fassen. Genau wie die Vertreter Bayerns: Sportfreunde Stiller. Die ewige Schülerband und heimlichen Favoriten des BuViSoCo hatten ihren Protestsong "Antinazibund" stilecht auf der Ladefläche eines LKWs inszeniert. Genutzt hat es ihnen nichts, denn Deutschland dankte es den Münchner mit armseligen 32 Punkten. Auch die Multikulti-Combo Culcha Candela sind irritiert, dass die Zuschauer den Drehleier spielenden Burgfräuleins von Subway To Sally mehr abgewinnen können, als ihrem HipHop-Auftritt inklusive DJ-Pult, Popo wackelnden Tänzerinnen, Flying-V-Gitarre und einer billigen Blondine mit knallgelber, lebender Python um den Hals (es ist nicht Britney Spears). Die Berliner landen auf Platz 7, immerhin zwei Ränge vor Laith Al Deen, der in seinem Wahlwerbespot angedroht hatte zu weinen, käme er nicht in die Top Ten. Zum Heulen muss den Kandidaten von The Far East Band zumute sein, die ihren Gast-Star Dean Dawson mit einem giftgrünen Motorrad auf die Bühne der TUI-Arena heizen lassen und mit 12 Punkten der Verlierer des Abends sind. "Unfassbar" - der Titel ihres Wettbewerbsbeitrags wird zur selbst erfüllenden Prophezeiung.

Das Bo bringt Style & Dauerwelle zurück

Der einzige echte Schlagerstar des Abends Das Bo hätte eine Sonderpreis verdient: mit schulterlanger Minipli, weißem Thomas-Anders-Anzug und zehn Bräuten am Start eröffnete der Hamburger HipHopper mit einer Neuauflage des Münchner Freiheit Hits "Ohne Dich" den Grand Prix der Bundesländer. Doch am Ende wird Das Bo sogar von den Goth-Rockern Down Below geschlagen. Während der Zuschauer vor dem Bildschirm noch rätselt, ob da tatsächlich Victoria Beckham hinter dem Mikrofon stehen kann, hat nach Subway To Sally die nächste Underground-Band das Hannoveraner Publikum mit "Sand in meiner Hand" um den schwarzen Finger gewickelt. Der dritte Platz von Down Below aus Sachsen-Anhalt beweist: auch mit mäßigem Talent kann man weit kommen.

Perfektes Rock-Work-Out von Madsen und Panik

Jennifer Rostock, der Nina-Hagen-Verschnitt aus "Meck-Pom", kreischte sich auf Platz 4 und übertraf damit die eigenen Erwartungen. Hut ab vor den Auftritten von Madsen ("Wenn wir gewinnen, machen wir eine Wohnzimmertour durch Niedersachsen") und Panik/Nevada Tan, die deutschen Linkin Park, rockten wirklich!

Was lernen wir aus dem Bundevision Song Contest 2008? Richtig: der Osten hat die Nase vorn, auch in der Popwelt gibt es Parallelgesellschaften, das 80er-Revival ist noch immer nicht ausgestanden und auch ein Stefan Raab kann mal drei Stunden wie ein Ansager des öffentlich-rechtlichen Fernsehens moderieren.