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"Hammer und Michel" von Jan Delay: Yes, you can, Jan!

Der HipHop-Star Jan Delay hat eine Rock-Platte gemacht. Die meisten Kritiker strafen ihn dafür ab: warum nur?

Von Kester Schlenz

Es ist schwer, in Deutschland etwas richtig zu machen, wenn man ziemlich weit oben ist. Natürlich darf man die neue CD "Hammer und Michel" von Jan Delay nicht mögen und das auch schreiben. Aber die Vehemenz, mit der Delays erstes Album seit fünf Jahren verrissen wird, zeigt mal wieder, wie genüsslich sich manche Kritiker offenbar an "denen da oben" abarbeiten. Frei nach dem Motto: Je populärer einer ist, desto heftiger gibt es in die Fresse.

Jan Delay, der HipHopper, hat also ein Rock-Album gemacht. Das darf er anscheinend nicht. Folglich erklärt ihm zum Beispiel Tobias Rapp in der aktuellen Ausgabe des "Spiegel", dass er, Delay, keine Ahnung von Rock habe. Rock sei Außenseitermusik. Fluchtmusik für die Jungs, die in der Schule nicht mitspielen dürfen und deshalb in den Proberaum gehen. Und wer das nicht verstanden habe, habe eigentlich gar nicht verstanden.

Hier hat sich jemand weiterentwickelt

Also ich verstehe das nicht. Was soll dieses belehrende Gesülze? Rock ist Außenseitermusik? Hallo? Diese Musik ist schon seit Jahrzehnten Business. Eine Ware. Man frage mal die Jungs von AC/DC oder ZZ Top, ob sie Fluchtmusik machen. Mann, es geht einzig darum, wer diese Musik gut macht und sich in die Ohren und Herzen der Leute spielt.

Jan Delay hat alles in allem ein gelungenes Werk abgeliefert. Kein wirkliches Rock-Album, aber eines mit einigen guten Rocksongs, allen voran der Titel "Liebe" - ein großartiges, spartanisch arrangiertes Stück, das klingt, als ob der geniale Produzent Rick Rubin hier im Studio ausgeholfen hätte. Der Song "St.Pauli" mag eine kalkulierte "Gute-Laune-Hans-Albers-Nostalgie"-Nummer sein - ins Ohr geht er trotzdem. Genau so wie die Ballade "Hertz 4". Klar gibt es auch ein paar schwächere Stücke, die auch auf alten Delay-Alben hätten sein können und wenig von Neuerfindung künden. Dennoch: Hier hat sich jemand weiterentwickelt, mal was Neues probiert - und zumindest mich überzeugt. Rock on, Jan!

"Hammer und Michel" von Jan Delay erscheint am Freitag, 11. April

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