HOME

#myESCmoment: Drama, Wohnzimmerpicknick und lange aufbleiben: Als der ESC noch das Highlight meines Frühjahrs war

Wann unsere Autorin ihren letzten Eurovision Song Contest geguckt hat, weiß sie gar nicht mehr. Aber dafür erinnert sie sich umso besser an Zeiten, in denen der ESC Jahr um Jahr eines ihrer absoluten Highlights war.

Ruslana beim Eurovision Song Contest

Gewinnerin Ruslana aus der Ukraine beim Eurovision Song Contest 2006

Picture Alliance

Hier ist ein kleines Gedankenspiel: Man stelle sich vor, Aliens würden auf die Erde kommen und sich einige der Bewohner schnappen, um sie mal nach Kultur und Gebräuchen zu befragen. Eine Feldstudie, quasi. Sie zeigen ihnen eine Reihe von Bildern: Ein bärtiger Mann im Abendkleid, ein Mann mit Mini-Vokuhila, der sich die Seele aus dem Leib zu singen scheint, während um ihn herum ein Schlittschuhläufer über die Bühne rauscht, eine Horde gruselig aussehender Monster mit Instrumenten, deren Anführer einen kleinen Zylinder mit der finnischen Flagge auf dem Kopf trägt. Wie diese Dinge zusammenhängen, wollen die Außerirdischen wissen. So, und jetzt versuchen Sie mal, denen den Eurovision Song Contest zu erklären.

Während ich mich, um ehrlich zu sein, nicht mehr erinnern kann, wann ich das letzte Mal einen kompletten Grand Prix d'Eurovision, wie die Musikshow früher hieß, gesehen habe, gehörte das musikalische Kräftemessen früher zu den absoluten Highlights meines Jahres. Schon Wochen vorher war ich aufgeregt wie nix Gutes und fieberte dem bunten Treiben sehnsüchtig entgegen.

Snacks, Peter Urban und abgedrehte Performances

Glücklicherweise hatte ich in meinem Vater einen ähnlich großen ESC-Fan zu Hause, weshalb wir uns also, wenn der große Tag nun endlich gekommen war, pünktlich und bewaffnet mit allerlei Snacks zum Wohnzimmerpicknick vor dem Fernseher einfanden. Die wundervoll warme Stimme von Peter Urban hieß uns für den Abend willkommen und für die nächsten Stunden sonnte ich mich im bunten Strudel der farbenfrohsten und teilweise abgedrehtesten Auftritte, die ich je gesehen hatte.

Und damit nicht genug: Auch wenn sich vor allem Nachbarstaaten die Punkte zuschoben und es nur ab und zu ein paar Ausreißer gab, war die Dramatik der Punktevergabe für mein kindliches Herz kaum zu überbieten. Die Ansager verkündeten in immer derselben pathosgeladenen Stimme "and 12 points go tooooo ..." und ich klebte an ihren Lippen. Nicht zuletzt, weil ich an Eurovisionsabenden besonders lange aufbleiben und manchmal sogar für meinen Lieblings-Act anrufen durfte! Und wenn ich dann unweigerlich doch irgendwann eingeschlafen war und mein Vater mich zum Finale sanft wieder weckte, damit ich mit einem halben Auge und völlig selig die Verkündung des Gewinners mitverfolgen und schließlich vollkommen fertig ins Bett wanken konnte, war der Eurovision-Abend perfekt.

Der Abend, an dem Xena beim Eurovision Song Contest auftrat

Bei der kurzen Recherche für diesen Artikel stieß ich übrigens soeben auf ein Video des ersten ESC-Auftritts, der mich damals so richtig vom Hocker haute (jetzt mal abgesehen von Guildo Horns "Guildo hat euch lieb" 1998 und Stefan Raabs "Wadde hadde dudde da" 2000 selbstredend): Erinnert sich noch jemand an die Gewinnerin von 2004? Ruslana mit "Wild Dances"? Mal abgesehen davon, dass der Song wirklich catchy war, sah die Ukrainerin aus wie Xena (Die Kriegerprinzessin aus einer DER Actionserien der 90er)! Und schien bei ihrer Performance so wahnsinnig viel Spaß zu haben, dass man gar nicht anders als mittanzen konnte. Und sich fest vornahm, irgendwann auch mal so coole Lederstiefel zu besitzen.

Sie denken auch gerne an besondere ESC-Momente? Dann teilen Sie diese gerne auf Twitter – unter #myESCmoment erinnern sich aktuell viele Menschen an ihre persönlichen Highlights.