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Chimperator Darum veröffentlicht Cros Plattenfirma keine Alben mehr

Cro
Cro hat allein in Deutschland knapp eine Million Alben verkauft.
© Bernd Weißbrod / DPA
Die Plattenfirma Chimperator dürfte allein mit Cro rund eine Million Alben umgesetzt haben. Dennoch überrascht das Stuttgarter Label jetzt mit der Ankündigung, künftig nur noch Einzelsongs zu verkaufen. Das sind die Gründe.

Diese Ankündigung überrascht: Das Stuttgarter Label Chimperator will künftig keine Alben mehr herausbringen, sondern nur noch einzelne Songs veröffentlichen. Eine erstaunliche Nachricht für eine Plattenfirma, die bislang an den Langspielplatten ihrer Künstler sehr gut verdient hat. Chimperator hat bekannte Rap-Künstler unter Vertrag, die Orsons, Teesy, Maeckes und allen voran Cro. Allein von dessen Alben dürfte das Label eine knappe Million Exemplaren umgesetzt haben. Für dessen erste Veröffentlichung "Raop" von 2012 gab es in Deutschland fünffach Gold, die Scheibe muss also mindestens eine halbe Million Mal verkauft worden sein. Immerhin drei Goldene Schallplatten gab es 2014 für "Melodie" -  das macht noch einmal 300.000 Stück. Auch in der Schweiz gingen beide Alben Gold, in Österreich sogar Platin. 

Die Hörgewohnheiten haben sich geändert

Und trotzdem setzt Chimperator nicht mehr auf Alben? Geschäftsführer Sebastian Schweizer erklärt das mit einem durch die Streamingdienste sich verändernden Markt. "Wir haben gemerkt, dass die Leute einzelne Tracks streamen und weniger ganze Alben am Stück - weil auf Spotify und anderen Diensten der nächste Song und der nächste Künstler immer nur einen Klick entfernt sind"; sagt Schweizer den "Stuttgarter Nachrichten". Deshalb habe man angefangen, den Entwicklungsprozess der Alben sichtbar zu machen. "Wenn ein Song fertig ist und ihn alle gut finden, hauen wir ihn eben raus. Die Tracks sammeln wir auf einer Playlist, und irgendwann ist die Playlist das Album."

Laut Schweizer wolle man sich künftig am Prinzip des Mixtapes orientieren, auf denen HipHop-Künstler schon länger ihre Tracks versammelten. So können man den Hörern zeigen, dass HipHop immer "work in progress" sei.

"Die Ersten, die das bewusst so machen"

Es habe bereits vorher Künstler gegeben, die ihr Werk auf diese Weise der Öffentlichkeit zugänglich machten. Dazu zählt der Chimperator-Chef den kanadischen Rapper Drake oder Kanye West, der bei seinem 2016 veröffentlichen Album "The Life of Pablo" immer wieder die Trackliste und auch das Cover geändert hat. "Aber als Label sind wir soweit ich weiß die Ersten, die das bewusst so machen und auch darüber reden." Das klassische Album als Format aufzugeben, fällt Schweizer nicht leicht, doch gegen das sich ändernde Hörerverhalten anzukämpfen sei sinnlos.

Eine schlechte Nachricht für alle Fans der drei Cro-Alben. Sie werden sich vielleicht künftig mit Mixtapes zufrieden geben müssen.

che

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