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Tampa Bay Buccaneers Cheerleader-Coach: "Wir müssen oft trainieren, damit unser Körper schafft, was wir von ihm verlangen"

Anna Parrish gehörte jahrelang zu den Cheerleadern des US-Footballteams Tampa Bay Buccaneers, jetzt trainiert sie das Team in der zweiten Saison
Anna Parrish gehörte jahrelang zu den Cheerleadern des US-Footballteams Tampa Bay Buccaneers, jetzt trainiert sie das Team in der zweiten Saison
© Tampa Bay Buccaneers Cheerleaders
Anna Parrish kennt die Vorurteile, die mit ihrem Job einhergehen: schön, sexy und nicht unbedingt sportlich. Aber damit räumt die Trainerin der Tampa Bay Buccaneers Cheerleaders jetzt auf.

"Tut mir leid, dass ich zu spät komme. Unser Training hat sich verzögert", sagt Anna Parrish entschuldigend zur Begrüßung. Sie trägt Leggins, ihre Haare fallen über ihre Schultern, das Lächeln strahlend weiß. Ja, sie ist sehr attraktiv. Und manch einem Beobachter dürfte die Optik schon reichen. Dabei will Anna heute mit einem Klischee aufräumen: Cheerleader leisten etwas mit ihren Performances, sie sind richtige Athleten. 

Vor dem Spiel der Tampa Bay Buccaneers gegen die Seattle Seahawks am Sonntag konnte Annas Team mit Cro auftreten In einer fulminanten Show zeigte es sein Können. Einen Tag zuvor traf der stern die Trainerin im Hotel "Bayerischer Hof".

Anna, lassen Sie uns am Anfang beginnen. Wie kamen Sie zum Cheerleading? 

Ich bin in Maryland aufgewachsen und habe früh viel getanzt. Meine Mutter war Cheerleaderin bei den Baltimore Colts. Es war immer mein Traum, einmal auf dem Level zu arbeiten, wie ich es jetzt tue. Früher habe ich professionell für einige Themenparks getanzt. Und dann habe ich als Cheerleaderin für das Arena-Footballteam Tampa Bay Storm angefangen, danach für das Eishockeyteam Tampa Bay Lightning und schließlich für die Buccaneers.

In Deutschland ist Cheerleading bei weitem nicht so populär wie in den USA. Leider.

Ja, wenn man früh anfängt zu tanzen oder Leichtathletik zu machen, gibt es viele Möglichkeiten bei uns, mit Cheerleading in der Schule weiterzumachen. Viele aus unserem Team haben eine Vergangenheit mit Tanzen. Wenn du ein bestimmtes Niveau erreichst, braucht es gewisse Fähigkeiten davon. 

Wie wird man Cheerleader bei den Bucs?

Es gibt jedes Jahr Auditions und jeder muss diese durchlaufen, auch die, die schon ein Jahr oder fünf Jahre dabei sind. In der Corona-Zeit haben wir auf virtuellem Wege gesucht und damit Menschen die Chance gegeben, zu uns zu kommen, die nicht aus der Umgebung von Tampa kommen. Die früheste Gelegenheit fürs Vortanzen ist im März und je nachdem wie es läuft, gibt es weitere Runden bis Juni. Das erste Spiel ist meistens Ende Juli, Anfang August. In diesen Sommermonaten üben wir das meiste für unsere Tänze ein.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um ein Cheerleader zu werden?

Wir suchen die Personen, die unsere Marke am besten repräsentieren. Wir veranstalten viele Events für die Gemeinde, das ist unser Fokus. Aber natürlich sollte ein Bewerber auch tanzen können und ein paar Tricks draufhaben. Er oder sie sollte selbstverständlich fröhlich sein.

Sie haben gesagt, Sie engagieren sich für die Gemeinschaft. Was tun Sie beispielsweise?

Ja, das machen wir tatsächlich häufiger als tanzen. Wir besuchen oft Schulen und Krankenhäuser, helfen bei Essensausgaben. Pro Wochen machen wir das fünf oder sechs Mal. Alle Cheerleader haben Vollzeit-Jobs oder studieren in Vollzeit, sie helfen dann je nach dem, wie oft sie können. 

Es gibt das Vorurteil, dass Cheerleader nur hübsche Mädchen in knappen Outfits sind, die mit Ponpons wedeln. Dabei sind Ihre Performances unheimlich athletisch. Wie begegnen Sie solchen Vourteilen?

Ich bin froh, dass Sie das sagen. Es gibt so viele voreingenommene Meinungen, was einen Cheerleader ausmacht. Tatsächlich tragen wir mittlerweile Leggins, weil wir so viele athletische Figuren einbauen. Die knappen Outfits haben einfach nicht mehr funktioniert. Wir sind Athleten. Wir müssen auf unsere Körper achten und oft genug trainieren, damit unser Körper schafft, was wir von ihm verlangen. Pro Spieltag müssen vier Stunden mit maximaler Belastung getanzt werden. Das ist viel verlangt. Und jedes Jahr wollen wir den Anspruch erhöhen. Cheerleading ist nicht unbedingt so, wie es Filme suggerieren.

Macht es Ihnen etwas aus, wenn Sie auf Vorurteile stoßen?

Ich denke, man muss mit dem Guten und dem Schlechten leben. Ich würde nicht sagen, dass Vorurteile unsere Gefühle verletzen, aber wir möchten die Menschen vom Gegenteil überzeugen und ihnen zeigen, was wir wirklich draufhaben.

Sie haben auch Männer in ihrem Team. Glauben Sie, dass sie besonders mit Vorurteilen zu kämpfen haben?

Unsere Fans haben die Männer sehr willkommen geheißen. Aber ich schätze, woanders wären sie vielleicht auf mehr Abneigung gestoßen. 

Sie selbst sind mittlerweile von der Cheerleaderin zur Trainerin geworden ...

Ja, ich bin in der zweiten Saison als Trainerin. Es gibt viele Vorteile, denn ich weiß, was von den Athleten verlangt wird. Ich verstehe Dinge, die jemand anders vielleicht nicht versteht. Ich werde oft gefragt, ob es schwer ist, meine Freunde zu coachen, aber es ist leichter. Sie verstehen, wo ich hin will. Wir tun alles, um unsere Tänze so gut wie möglich zu machen. Es wäre schwierig, in etwas hineingeworfen zu werfen, wo man die Traditionen und die Kultur nicht kennt. Daher ist es ein Vorteil für mich.

Haben Sie eigentlich Kontakt zu den Footballspielern?

Nein, eigentlich nicht. Außer an der Seitenlinie, wenn ein Football geflogen kommt oder ein Tackle in unserer Nähe passiert. Dann gehen wir beiseite. Wir sind ein bisschen wie das Meer. 

Seit zweieinhalb Jahren ist Superstar Tom Brady der Quarterback der Bucs. Hat es für Sie einen Unterschied gemacht, seit er zum Team gehört?

Auf eine Art erhöht es etwas den Druck. In meiner ersten Saison als Trainerin haben wir zudem den Super Bowl gewonnen. Es fühlt sich so an, als ob alles, das man tut, von sehr viel mehr Menschen beobachtet wird. Das ist wundervoll, aber man muss zusehen, dass jeder auf den Punkt bereit ist.

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