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Trotz Corona-Pandemie Großkonzert mit Sarah Connor und Bryan Adams: Kritik an Düsseldorfs Plänen wächst

Sängerin Sarah Connor
Sängerin Sarah Connor gehört zu den Künstlern, die am 4. September in Düsseldorf auftreten sollen
© Axel Heimken / DPA
Die Musikbranche wurde hart von der Corona-Pandemie getroffen. Nun will man zum Befreiungsschlag ausholen - mit einem Konzert in Düsseldorf vor 13.000 Zuschauern unter Masken. Doch die Meinungen sind gespalten.

Das Getöse ist schon ziemlich laut, bevor der erste Ton gespielt wurde: Ein trotz Corona-Pandemie in Düsseldorf geplantes Konzert mit 13.000 Zuschauern hat innerhalb von Stunden zu massiven Verstimmungen zwischen Stadt und Land geführt. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zweifelte am Freitag öffentlich an der rechtlichen Grundlage des Vorhabens. "Konzept und Genehmigung sind jedenfalls nicht mit dem Land abgestimmt und ich habe begründete Zweifel an der rechtlichen Grundlage", erklärte er der Deutschen Presse-Agentur. Sein Ministerium habe das örtliche Gesundheitsamt angewiesen, "unverzüglich die Rechtsgrundlage für diese Genehmigungsentscheidung darzustellen".

Die Pläne für die rund 150-minütige Show mit dem Titel "Give Live A Chance" im Düsseldorfer Fußballstadion ("Merkur Spielarena") waren am Freitagmorgen bekannt geworden. "Wir machen die Tür auf für die Renaissance der Live-Musik, der wir mit diesem Konzert endlich die verdiente Chance zum Neustart geben", erklärte Veranstalter Marek Lieberberg. Man sei sicher, dass das Publikum "enthusiastisch, tolerant und verantwortungsbewusst" damit umgehen werde. Auftreten sollen unter anderem Rocker Bryan Adams, Sängerin Sarah Connor und die Western-Band The BossHoss.

Dabei hieß es, das Konzert werde in enger Abstimmung mit den Behörden geplant. Dem Infektionsschutz werde "in vollem Umfang Rechnung getragen". Das Konzept sieht etwa vor, dass die Besucher dauerhaft Masken tragen - auch auf den Sitzplätzen. Schals, Halstücher oder "vorgehaltene Textilien" sollen nicht akzeptiert werden. Der Einlass erfolge in verschiedenen Zeitfenstern, Sicherheitsabstand bleibe gewahrt. Die Tickets seien zudem personalisiert, Alkohol verboten. Besucher könnten alleine kommen, in Gruppen von bis zu zehn Leuten oder mit "Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes". Wer rein will, soll unter anderem bestätigen, dass er aus keiner Region kommt, in der die "Corona Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten wurde."

NRW-Gesundheitsminister hält das Konzert für "verantwortlungslos"

Das Gesundheitsministerium scheint das auf Anhieb nicht zu überzeugen. Kurz vor Ende der Reisesaison gebe es eine komplexe Infektionslage. "In dieser Situation Menschen aus ganz Deutschland zu animieren, quer durch das Land nach Düsseldorf zu reisen und zu Tausenden zusammen zu kommen, halte ich schlicht für verantwortungslos", erklärte Laumann. Dass ein "lokales Gesundheitsamt in dieser Lage eine Veranstaltung dieser Größenordnung im Alleingang" genehmige, habe ihn "nachhaltig irritiert". "Dass die Stadt selbst Mitveranstalter dieses Festival zu sein scheint und keinerlei Abstimmung mit dem Land sucht, macht das Verhalten noch unverständlicher."

Die Größenordnung wäre in der Corona-Pandemie auf jeden Fall bemerkenswert. Im benachbarten Köln etwa ist es zwar gelungen, wieder Konzerte in der dortigen Lanxess-Arena zu spielen - die Obergrenze liegt aber bislang bei 2400 Zuschauern. Ein weiterer Vergleich: Am 4. September - also genau am Tag der Düsseldorfer Show - will auch die Berliner Waldbühne wieder öffnen. Dort dürfen 5000 Plätze besetzt werden - also ebenfalls deutlich weniger. Die Düsseldorfer Veranstalter verwiesen allerdings auf die Dimension: Auch bei 13.000 Zuschauern werde bei ihnen maximal ein Viertel der Kapazität genutzt.

Die Stadt Düsseldorf reagierte "verwundert" auf die Kritik des Gesundheitsministers. Selbstverständlich sei ausführlich untersucht worden, ob das Konzert mit den Regelungen der Corona-Schutzverordnung vereinbar sei, erklärte Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). Das Ergebnis: positiv. "Ich wundere mich ein wenig darüber, dass der Gesundheitsminister hier rechtliche Bedenken äußert." Aus seiner Sicht gebe es keine Veranlassung, das Konzert zu untersagen.

Veranstalter Lieberberg betonte, dass von den Zuschauern auch ein striktes Einhalten der Regeln erwartet werde. "Wer glaubt, dass er das nicht tun muss, der soll besser gar nicht kommen." Mitsingen sei erlaubt - unter der Maske. Das Dach der Stadions werde geöffnet bleiben. "Ich habe immer gesagt, dass es wichtig ist, endlich ein Wiedereinstiegsszenario zu finden", sagte Lieberberg. "Wir sind die Branche, die zuerst von den Verboten betroffen wurde. Und wir werden wahrscheinlich die letzten sein, wenn die Verbote wieder aufgehoben werden."

Beteiligte Künstler verteidigen das Konzept

Von Seiten der beteiligten Künstler gab es Zuspruch. Alec Völkel von The BossHosss sagte: "Man darf sicher sein, dass das Konzept so ausgetüftelt wurde, dass es eben absolut bedenkenlos ist." Auf ihrer Instagramseite schrieb die Band: "Wir sind stolz dabei zu sein - denn das hier ist verdammt wichtig! 'Give Live a Chance' ist das Zeichen auf das Fans, Künstler und Crews sehnsüchtig gewartet haben." Rea Garvey teilte mit, das Konzert sei "ein kleiner Lichtblick für uns alle". Und Bryan Adams betonte, dass er allein auf der Bühne stehen werde, ohne seine Band. Der Ticketverkauf für das Event startet am 11. August.Kritik an den Plänen gibt es unter anderem von Marie-Agnes Strack-Zimmermann, OB-Kandidatin der FDP in Düsseldorf. Sie twitterte, dieses Konzert sei unverantwortlich "in Zeiten, in denen wir diskutieren, ob Kinder in Schulen Masken tragen sollen".Ähnlich äußerte sich SPD-Politiker Karl Lauterbach. "Großkonzert ist jetzt das Letzte, was wir brauchen. Unsere Kinder wollen wieder sicher zur Schule. Wir können uns keine überflüssigen vermeidbaren Coronainfektionen, gerade in NRW, leisten. Kinder sitzen mit Maske im Unterricht und Sarah Connor feiert.Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte sich - allerdings deutlich moderater. "Die bestmögliche Sicherheit muss garantiert werden können. Wie beim Fußball kommt es auch hier entscheidend auf ein gutes Konzept zum Infektionsschutz an", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Das ist eine sehr große Verantwortung für die Veranstalter und die Behörden vor Ort."

Jonas-Erik Schmidt und Oliver Auster/DPA; jum

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