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Echo-Verleihung: Deutsch wird seinem harten Image gerecht

24 Echos warteten am Samstagabend auf ihre künftigen Besitzer. Statt Silbermond, nominiert für vier der Musikpreise, heimsten die international erfolgreichen Brachialrocker Rammstein die meisten Auszeichnungen ein.

Man singt wieder deutsch - so muss man wohl das inoffizielle Motto der 14. Echo-Verleihung in Berlin nennen. Noch nie in der Geschichte des Deutschen Musikpreises standen so viele einheimische Künstler im Rampenlicht. Große Sieger waren die Brachialrocker von Rammstein, die gleich zwei Echos einheimsten: als beste Live-Band sowie in der Kategorie beste Alternative-Gruppe. Die passend zu ihrem Song "Ich habe keine Lust" als übergewichtige Männer verkleideten Musiker reagierten allerdings nur mit knappen Worten auf die Ehrung: "Wir wollen uns bedanken, aber eigentlich haben wir auch keine Lust."

Internationale Stars wie die US-Sängerinnen Mariah Carey und Anastacia waren dieses Mal in der Minderheit. Andere waren gleich zu Hause geblieben. Robbie Williams, in der Kategorie Künstler International Rock/Pop ausgezeichnet, schickte noch nicht einmal eine Grußbotschaft. Eminem, als bester internationaler Rapper gekürt, entschuldigte sich per eingespieltem Video - er arbeite gerade an einem neuen Film.

In insgesamt 24 Kategorien vergab die Deutsche Phono-Akademie Preise. Einen Echo als bester nationaler Künstler nahm der Reggae-Musiker Gentleman entgegen. Beste nationale Künstlerin wurde Schmusesängerin Annett Louisan ("Das Spiel"). "Es geht nicht um die Sprache, sondern um Gefühle", sagte Gentleman über den Erfolg deutschsprachiger Musik, die in den Hitparaden zurzeit alle vorderen Plätze belegt und der Branche einen Aufschwung beschert hat. "Das ist die Sprache, in der man Brötchen kauft und mit seiner Mutter telefoniert, warum soll man damit nicht auch ein Lied singen", sagte Max Raabe, der auf der Bühne die Vorjahressieger Wir sind Helden begleitete. "Auf deutsch kommt der Wortwitz am besten rüber", so die Helden.

"Auf dem besten Weg, dass wir die Musikquote nicht brauchen"

"Es ist an der Zeit!", sagte Xavier Naidoo, der mit den Söhnen Mannheims als beste nationale Gruppe ausgezeichnet wurde. "Wir sind auf dem besten Weg, dass wir die Musikquote nicht brauchen", so Sänger Max Mutzke. Thomas Stolle von Silbermond wertete die Erfolge deutscher Songs als Gegenbewegung zur Globalisierung und sagte: "Die Leute wollen wieder Sachen hören, die sie verstehen." Die mit vier Nominierungen favorisierte Band Silbermond aus dem sächsischen Bautzen bekam allerdings nur einen Echo als beste Nachwuchskünstler.

Statt in Tracht erschienen die Randfichten in dunklen Anzügen, um ihren Echo als beste Volksmusik-Künstler entgegen zu nehmen. "Wir haben ein bisschen die Popszene aufgemischt", freuten sie sich. Die Fantastischen Vier bekamen den Echo als beste HipHopper. "Dieses Jahr war mehr als ein Traum", sagte die in der Kategorie Künstlerin International Rock/Pop ausgezeichnete Anastacia. Sie war zusammen mit ihrem deutschen Freund Patrice gekommen, den sie bei der letztjährigen Echo-Verleihung kennen gelernt hatte.

Riesige Freude auch bei der kleinen Joy, die für "Schnappi, das kleine Krokodil" den Echo für den erfolgreichsten Download-Titel bekam. Für sein Lebenswerk wurde der Komponist und Texter Michael Kunze geehrt, der unter anderem Lieder wie "Ein Bett im Kornfeld" und "Die kleine Kneipe" schrieb. Udo Jürgens überreichte ihm die Trophäe. Beste Rock/Pop-Band International die US-Amerikaner von Green Day. Die moldawische Boyband O-Zone räumte mit "Dragostea Din Tei" den Echo für die erfolgreichste Single ab. Jeannette erhielt für "Run With Me" den Preis für das beste Video, Andrea Berg wurde wie im Vorjahr als beste Schlagersängerin geehrt.

Elke Vogel/DPA / DPA