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Echo-Verleihung: Viel Trauer, aber noch mehr Helene

Bei der Echo-Verleihung feierte sich die Musikbranche selbst und war dabei leider vorhersehbar. Größter Abräumer des Abends: Helene Fischer. Doch nicht einmal das war eine Überraschung.

Von Andrea Zschocher

Helene Fischer räumte gleich vier Echos ab

Helene Fischer räumte gleich vier Echos ab

Der Echo wird einmal im Jahr in Berlin verliehen. Und wie sich das für das gebührenfinanzierte Fernsehen gehört, wurde diese Selbstbeweihräucherung der Musikindustrie auch vollumfänglich über drei Stunden lang in die Haushalte übertragen.

Nach einem ARD Brennpunkt zu den dramatischen Entwicklungen rund um den Absturz von Germanwings-Flug 4U9525 begann auch der Echo mit einem Gedenken an die Opfer. Lindsey Stirling spielte Geige, die Bühne war ein Kerzenmeer. "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen" fasste Moderatorin Barbara Schöneberger die Stimmung zusammen. Es folgte "Ich weiß, was ich will", ein Song vom verstorbenen Udo Jürgens, u.a. gesungen von Udo Lindenberg, Sarah Connor, Xavier Naidoo und Herbert Grönemeyer. Letzterer, der einen Preis als Künstler Rock/Pop National bekam, freute sich über die Auszeichnung, wenn auch "an einem Tag wie heute etwas gedämpfter".

Und dennoch, the Show must go on, an diesem Abend wollten schließlich die erfolgreichsten nationalen und internationalen Künstler ausgezeichnet werden. Viermal war Helene Fischer nominiert, viermal gewann sie den Echo. Barbara Schöneberger, bei der zu befürchten stand, sie würde in ihrer Lederkorsage keine Luft mehr bekommen und irgendwann ohnmächtig darnieder liegen, kündigte bereits die "Helene Fischer Festspiele" an. Damit sich das Publikum aber nicht mit der Omnipräsenz der jungen Sängerin langweile, sei die Moderatorin eingesprungen, "der Puffer, das bin ich".

"Es braucht Leute, die sich das anhören"

Neben "Album des Jahres" gewann Helene Fischer auch in den Kategorien Schlager, Hit des Jahres und beste Musik DVD/Blu Ray national. Als sie das dritte Mal auf die Bühne gerufen wurde, erklärte auch sie die Helene Fischer Festspiele für eröffnet. "Ich konnte euch nicht zwingen, mein Album zu kaufen" rief sie fröhlich in die Runde. Im Vergleich zu Til Schweigers Lobhudelei "Du bist so genuine friendly, so nice" war Fischer aber geradezu sympathisch. Unangenehm war dieses Heranwanzen an die erfolgreiche Sängerin auch aus der Ferne zu beobachten.

Dann doch lieber mit Humor auf den Erfolg von Fischer aufmerksam machen, so wie es der Gewinner der Echo-Kategorie Urban/Hip Hop Kollegah getan hat. "Ich bin überrascht, ich hätte gedacht, den nimmt Helene auch noch mit." Auch wenn Fischer vier Echos abräumte, in nahezu allen Kategorien tauchten die üblichen Verdächtigen auf. Cro, Mark Forster, Andreas Bourani oder Robin Schulz, sie alle waren nominiert, auch wenn natürlich nicht jeder gewann.

International waren AC/DC und Pink Floyd die Abräumer. Dass immer die gleichen Künstler, teilweise über Jahre für die gleichen Kategorien nominiert werden, liegt in der Natur des Echos. Die Gewinner werden nicht von einer Jury gewählt, sondern aufgrund von Verkaufszahlen ermittelt. Da mag der ein oder andere Sieger überraschen, aber es zählt eben nicht der eigene Geschmack, sondern der, der Massen. Oder, wie Andrea Berg den Abend in einem Satz zusammenfasste "Es braucht Leute, die sich das anhören."

Spaßbefreite Anmoderationen, ellenlange Namenslisten

Beim Echo wird Jahr für Jahr deutlich, dass Deutschland eines nicht kann: Awardshows. Die sind leider sehr oft sehr langweilig. Die Anmoderationen der verschiedenen Kategorien waren so spaßbefreit, dass es beim Zuschauen weh tut. Egal ob Anna Loos minutenlang Statistiken herunterleierte oder Detlev Buck vom Hundertsten ins Tausenste kam und sich verhaspelte, das alles könnte so viel besser sein.

Es ist doch nicht wirklich nötig immer wieder zu betonen, wie wahnsinnig talentiert alle Künstler sind, den Zuschauern ist bewusst, dass die Menschen sonst nicht nominiert worden wären. Schönster Moment während einer Laudation bei der Echo-Verleihung: Als das Mikrofon von Till Brönner nicht funktionierte und der selbst bekannte, dass keine Anmoderation hätte besser sein können.

Auch an den Dankesreden könnte man arbeiten. Natürlich, es ist wichtig auch die Leute hinter dem Star zu erwähnen. Aber es war doch schwierig den Dankesworten von Oonagh, ihres Zeichens Echo-Gewinnerin der Kategorien Künstlerin Rock/Pop national und Newcomerin national zu folgen, wenn da ausschließlich Namen heruntergerasselt werden. Wie witzig sind im Vergleich dazu die kurzen Grußworte vom Preisträger Rock/Pop international Ed Sheeran, der es kurz und knackig formulierte: Die deutschen Fans sind die besten, er kommt gern vorbei. Danke, aus, weiter im Programm.

Auch Nick Mason, Gründungsmitglied von Pink Floyd bewies Sinn für Humor, die Auszeichnung als Band Rock/Pop international nahm er "enttäuscht" zur Kenntnis, er hätte gern im Bereich "Newcomer" gewonnen.

Politische Botschaft von Deichkind

Neben der Verkündung der Gewinner gibt es bei Preisverleihungen ja immer auch ein Rahmenprogramm, das besonders individuell sein soll. Beim Echo wurden Kooperationen geschlossen, die mal mehr (Stefanie Heinzmann und The common linnets), mal weniger gut (Robin Schulz) waren. Es gab mitreißende Auftritte, wie den von Meghan Trainor, und eher ruhige, wie den von Newcomer James Bay. Irritierend war der von Volks-Rock'n'Roller Andreas Gabalier, der als "Mountain Man" zunächst an Madonna erinnerte und dann mit psychedelischen Projektionen und flachem Liedgut enttäuschte. Eine der wichtigsten Botschaften überhaupt trug die Deichkind-Kombo am Körper. Alle Electro-Hip Hopper hatten sich in weiße Turnanzüge geworfen, auf denen in großen Buchstaben „Refugees welcome“ stand. Die Show fiel positiv aus dem Rahmen, die Message kam hoffentlich bei vielen Zuschauern an.

In eine ähnliche Richtung ging auch die Aufforderung Bob Marleys, der im "Redemption Song" alle aufforderte, für sich selbst zu denken. Das Lied wurde von Gentleman, Joy Denalane, Campino, Wolfgang Niedecken, Nneka und Marleys Sohn Ky-Mani Marley neu interpretiert und bildete einen guten Abschluss für den Echoabend, der unter den Preisträgern wenig Überraschungen bot und etwas mehr Pepp gut vertragen hätte.