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Grand Prix: Sex-Appeal oder Ralph Siegel?

Weniger Stars, dafür mehr Sex-Appeal: Mit dieser Formel will der Grand Prix gegen Stefan Raabs Bundesvision Song Contest bestehen. Doch noch immer kann Ralph Siegel nicht von dem Wettbewerb lassen.

Letztes Jahr war großes Reinemachen beim Eurovision Song Contest. Statt behäbigem Trallala und Bummschadscha dominierten beim Finale 2004 in Istanbul frische Pop- und Schlagersongs der jüngeren Generation. Am Samstag geht die Frischzellenkur weiter: Unter dem Motto "Germany 12 Points!" kämpfen in Berlin zehn Bands um den Einzug ins Finale, ihr Repertoire ist vielfältig. Nachdem die aus der Ukraine stammende Ruslana mit "Wild Dance" im letzten Jahr gewinnen konnte, wird der 50. Eurovision Song Contest am 21. Mai in Kiew ausgetragen.

Zum Entsetzen vieler Zuschauer hat es Schlager-Fossil Ralph Siegel wieder in den Vorentscheid geschafft. Versteckt hinter dem Pseudonym "Mario Mathias" komponierte Siegel die Musik zum Lied "A Miracle Of Love", das von Nicole Süßmilch und Marco Matias interpretiert wird. Hut-Ikone Udo Lindenberg schimpfte öffentlich: "Hätte ich gewusst, dass der mit seinem Schlager-Scheiß dabei ist, wäre ich gar nicht angetreten."

"Am Tag 100 Mal"

Lindenberg ist Pate für Ellen ten Damme, die optisch und mit ihrem Song "Plattgeliebt" den Erotik-Part des diesjährigen Wettbewerbs übernimmt. Das Programmheft zeigt die "faszinierende Schauspielerin und Sängerin" mit laszivem Augenaufschlag und durchgeschwitztem Shirt. Textlich geht es bei ten Damme flutschig weiter. "Ey Schwestern, nehmt Euch mal wieder vor, Make Love not War. Und wenn einer doch mal hingehen will, dann kommt der sexuelle Overkill. Auf die Matratze, am Tag 100 Mal, das ist ja wohl besser als fundamental...".

Lesbenpower und graues Haar

"Power und Sex" verspricht auch die Vorstellung von Villaine. "Kein Kind von Traurigkeit" sei sie, und - so heißt es im Pressetext bedeutungsschwer weiter: "Sie ist bekennende Lesbe und wohnt mit ihrer Freundin Britta-Marie in Köln zusammen". Ob das Sonderpunkte bringt, wird sich zeigen. "Adrenalin" heißt ihr Lied.

Da geht es mit dem Kandidaten Stefan Gwildis schon zahmer zu. Mit seiner Mixtur aus "lebensgegerbter Stimme, Charisma und humorvoller Persönlichkeit" verkaufte der 46-Jährige von seinem Debütalbum "Neues Spiel" nach eigenen Angaben mehr als 60.000 Einheiten, sein neues Werk "Nur wegen Dir" ist seit Februar auf dem Markt. Gwildis tritt passend zur Haarfarbe mit "Wunderschönes Grau" an.

Mia Aegerter und Gracia mit großem Anhang

Mit einer leichten Favoritenstellung gehen Mia Aegerter und Gracia an den Start. Erstere hat bereits ein Top-Five-Album auf dem Markt, war als Support mit Superstar Ronan Keating auf Tournee, moderierte "Bravo TV" und ist vor allem durch ihre Rolle als Xenia in der TV-Serie "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" bekannt. Alles Fakten, die eine große Fangemeinde garantieren und gute Chancen auf viele Stimmen bei der Zuschauerabstimmung eröffnen - denn gevotet wird wieder per Telefonanruf oder SMS.

Auf eine große Fangemeinde darf auch Gracia bauen. Die Ex-"Superstar"-Kandidatin qualifizierte sich mit ihrem Lied "Run & Hide" über eine "Wild Card", einer Platzierung in den Top 40 der deutschen Charts. Die heute 21-Jährige war bei der ersten Staffel der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" dabei.

Beckmann moderiert

Für gitarrenlastigen Poprock mit internationalem Standard steht die Band Allee der Kosmonauten, die mit „Dein Lied“ und der Unterstützung von Liedermacher Heinz Rudolf Kunze auf die Bühne geht. Gitarren der etwas leiseren Art stimmen Steven und Andrew Murphy - The Murphy Brothers - an, die "Picking Up The Pieces" zu Gehör bringen. Balladesk geht es mit "A million teardrops" von Orange Blue zu, die sich nach dem Abgang von Modern Talking nicht ganz zu Unrecht als erfolgreichstes Pop-Duo Deutschlands bezeichnen.

Am wenigsten bekannt ist die Band Königwerq, die im August 2004 mit der Single "König des Leids" debütierte und in Berlin zumindest vom Lied her das wohl Unmögliche wahr machen will. "Unschlagbar" heißt der Song des männlichen Vierers plus Frontfrau.

Die ARD überträgt den Vorentscheid am 12. März live ab 20.15 Uhr. Durchs Programm führt Moderator Reinhold Beckmann. Was die Zuschauerquote angeht, wird sich die Veranstaltung mit dem Bundesvision Song Contest von TV-Moderator Stefan Raab messen lassen müssen. Der hatte vor vier Wochen mit seinem "Grand Prix der Bundesländer" eine erfolgreiche Premiere gefeiert.

Stefan Lange/AP / AP