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Produzent Gus Seyffert im Interview: "Lena musste ich erst mal googeln"

Den Eurovision Song Contest hielt er für eine Reality Show: Im stern.de-Interview erzählt Songwriter Gus Seyffert, warum der Titel "Taken By A Stranger" über ein Jahr in der Schublade lag, dass er Lena erst mal googeln musste und wie es überhaupt zu seiner Teilnahme gekommen ist.

Herr Seyffert, Glückwunsch nach Los Angeles. Konnten Sie das Finale von "Unser Song für Deutschland" im Fernsehen sehen?
Dankeschön. Zum Glück ja. Ein Freund hat mir einen Link zu einer Seite im Internet geschickt, auf der ich es sehen konnte. Ich bin extra bis morgens um 6 Uhr wach geblieben, um mir die Show und vor allem die Songs live anzuschauen. Von dem was dort gesagt wurde, habe ich natürlich kein Wort verstanden.

Haben Sie für Ihren Song abgestimmt?


Nein, daran hab‘ ich gar nicht gedacht. Ich hätte mal ausprobieren sollen, ob das aus den USA funktioniert. Aber dazu war ich viel zu aufgeregt.

Dabei war "Taken By A Stranger" doch der haushohe Favorit. War Ihnen das bewusst?


Ein paar Leute haben mir das vorher erzählt, ja. Aber um ehrlich zu sein, habe ich kein gutes Händchen dafür einzuschätzen, was beim Publikum ankommt oder nicht. Es gehört auch viel Glück dazu, dass ein Song funktioniert.

Dieser tut es offenbar, sonst hätte er nicht 79 Prozent der Stimmen bekommen und würde nicht gerade die Single-Charts stürmen. Was glauben Sie, warum der Song so gut ankommt?


Ich habe versucht, darin das umzusetzen, was mir selbst am besten gefällt - nämlich schräge, gespenstische Musik und wirre Sounds. Dass so viele Deutsche das mögen, hat mich selbst überrascht.

In Deutschland haben die Backgroundtänzerinnen und ihre silbernenen Ganzkörperanzüge für einige Diskussionen gesorgt. Wie hat Ihnen der Auftritt gefallen?


Ich dachte, sehr bizarr, auch die Art zu tanzen. Aber eine schräge Tanznummer passt ja auch gut zu einem schrägen Lied. Ich find's abgefahren.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Ihr Lied am deutschen Vorentscheid teilgenommen hat?


Ehrlich gesagt habe ich davon am Anfang gar nicht so viel mitbekommen. "Taken By A Stranger" haben Nicole Morier, Monica Birkenes und ich gemeinsam geschrieben und ein Freund von Nicole hat es in Deutschland an Universal Music geschickt. Dort wurde man dann darauf aufmerksam und irgendwann erhielt ich eine Mail, dass es an diesem Wettbewerb teilnehmen würde.

Der Song wurde also nicht extra für Lena geschrieben?


Nein. Der ist schon zirka ein Jahr alt. Ursprünglich war geplant, dass Monica ihn selbst singt und auf ihrem Album veröffentlicht.

Wie ist "Taken By A Stranger" entstanden?
Nicole, mit der ich früher schon viel zusammen gearbeitet habe, ist in meinem Studio vorbei gekommen und ich habe ihr ein paar Ideen für einen Song auf der Gitarre vorgespielt. Wir haben dann zusammen zirka zwei bis drei Tage daran gearbeitet und den Text geschrieben, bis das Grundgerüst fertig war. Dann haben wir es Monica geschickt, die ihre Ideen mit eingebracht hat und schließlich habe ich wirklich sehr viel Zeit damit verbracht, das Stück zu produzieren. Ich glaube, es hat mich mehrere Wochen gekostet.

Und dann hat es über ein Jahr in der Schublade gelegen, ohne dass sich jemand dafür interessiert hat.


Das ist für einen Songwriter und Produzenten ganz normal. Ich habe über hundert fertige Songs in meinem Studio liegen.

Jetzt singt Lena ihn. Hatten Sie vorher schon einmal etwas von ihr gehört?


Um ehrlich zu sein, nein. Ich musste sie erst mal googeln und habe dann gelesen, dass sie im vergangenen Jahr den Eurovision Song Contest gewonnen hat. Mehr weiß ich auch nicht. Getroffen haben wir uns leider noch nicht.

Wie, Sie wussten gar nicht, wer Ihren Song singt?


Nachdem Lena den Song eingesungen hatte, habe ich das fertige Band bekommen und es mir angehört. Ich fand ihre Stimme für den Song sofort perfekt. Sie kann das Verrückte darin sehr gut rüber bringen.

Und hatten Sie jemals zuvor etwas vom Eurovision Song Contest gehört?


Auch wenn das für mich beschämend ist, nein. Von der Bedeutung des Wettbewerbs in Europa habe ich erst hinterher erfahren. Ich hielt das zunächst für eine Reality Show oder sowas Ähnliches, da ich sehr oft Musik fürs Fernsehen schreibe oder Filmmusik produziere. Ich bin nicht der Popmusik-Typ, das ist eher Nicole. Sie hat sehr viele erfolgreiche Poplieder geschrieben. Ich stehe wie gesagt eher auf Underground-Musik.

Und davon können Sie leben?


Ja, doch, funktioniert ganz gut. In den letzten vier fünf Jahren habe ich sehr, sehr viele Songs produziert und geschrieben. Unter anderem für Bands wie The Bird & The Bee, für Norah Jones oder für Ben Harper. Im Moment arbeite ich an Projekten für die Black Keys und Ryan Adams. Es läuft.

Es kommt ja auch noch weitere Arbeit für "Taken By A Stranger" auf Sie zu, da Songs beim Eurovision Song Contest nicht länger als drei Minuten sein dürfen.


Wirklich? Davon weiß ich noch gar nichts. Wie lange ist er denn?

So um die 3 Minuten und 27 Sekunden.


Das dürfte aber kein Problem sein, ihn zu kürzen. Das kriege ich hin.

Aber Stefan Raab hat sie noch nicht angerufen?


Nein. Wir hatten bisher nur per E-Mail Kontakt. Er hat mir zum Sieg gratuliert und sehr nett geschrieben. Ich hoffe, dass wir uns bald persönlich kennenlernen.

Ich habe gelesen, dass Sie deutsche Wurzeln haben. Stimmt das?


Ja, mein Urgroßvater stammte aus Deutschland. Er ist nach New York ausgewandert und hat sich dann als Straßenmusikant seinen Lebensunterhalt verdient. Von ihm habe ich wohl auch meine musikalische Ader geerbt. Und eine Violine, die über 150 Jahre alt ist und die ich sehr in Ehren halte.

Haben Sie Deutschland schon besucht?


Ja, ich habe schon sehr oft in Berlin gearbeitet und habe Freunde dort. Ich liebe Deutschland.

Dann werden Sie sicher beim Song Contest Finale in Düsseldorf dabei sein.


Ja, ich freue mich schon sehr. Das wird ein cooles Projekt.

Interview: Jens Maier
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.