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Goldene Kamera "Geil. Jetzt hab ich das Ding in der Hand"


Tiefe Dekolletees, smarte Megastars und große Emotionen: Bei der Verleihung der Goldenen Kamera sorgten vor allem Nicolas Cage, Pierce Brosnan und Lionel Richie für ein Blitzlichtgewitter. Vier junge Damen feierten zudem ihre pop-historische Wiedervereinigung.
Von Ulrike von Bülow

Was ist das - Ausdruckstanz? Die Schauspielerin Christine Neubauer steht auf dem Roten Teppich, wirft ihre Arme in die Höhe, wirft sie wieder runter, biegt ihren Oberkörper nach vorn, biegt ihn wieder zurück, und wiederholt diese Bewegungen etwa zehn Mal. Sie trägt güldene Handschuhe und ein güldenes Kleid, das sehr tief dekolletiert ist und eine Nummer größer nicht verkehrt gewesen wäre: "Die platzt gleich wie 'ne Wurst aus der Pelle", fürchtet ein Fotograf.

Gelassenheit im rosa Fummel

Eine Sorge, die man sich um Sonya Kraus nicht machen muss. Die blonde Pro Sieben-Sirene hat einen - jedenfalls Brust abwärts - sehr locker sitzenden rosafarbenen Fummel angelegt. "Wenn man neben diesen Megastars steht", sagt sie in ein Mikrofon, "sind die auch nur Menschen." Sie meint Pierce Brosnan, der mal James Bond war und einen Meter weiter in ein anderes Mikrofon spricht. Er werde weiter und weiter kämpfen, "für meine Kinder und meine Enkelkinder", sagt er. Für die Umwelt, die er schützt, was einem irgendwie neu ist, aber egal: Brosnan bekommt an diesem Donnerstagabend einen Preis in der Kategorie "Green Camera", die aber nicht grün, sondern aus vergoldetem Sterling-Silber ist.

In Berlin wird die Goldene Kamera verliehen, wie immer von der Zeitschrift "Hörzu", und so versammelt sich ein bisschen internationale und sehr viel deutsche Prominenz, Abteilung A bis C, in der Ullstein-Halle im Berliner Verlagshaus der Axel Springer AG. Eine Veranstaltung, die etwas blutarm wirkt, verglichen mit der im vergangenen Jahr. Als Rudi Carrell sich mit dem Preis für sein Lebenswerk für immer verabschiedet hat. Vom Krebs gezeichnet und mit einer piepsigen Stimme, mit der "man in Deutschland noch Superstar" werden würde, sagte er: "Es war eine Ehre in diesem Land und vor diesem Publikum Fernsehen machen zu dürfen". Ein bewegender Moment war das, unendlich traurig und zum Heulen schön.

Brosnan raucht und talkt mit Siegel

Pierce Brosnan, angeblich fernab der Öko-Schiene per Privatjet angereist, wird seinen Umwelt-Preis später so lässig und emotionslos entgegen nehmen, als sei er noch im Geheimdienst Ihrer Majestät unterwegs. Erstmal aber ignoriert er die Frage, ob er sich über den Erfolg des aktuellen Bond-Films "Casino Royal" freue, und begibt sich hinauf in den 18. Stock zum Empfang des Springer-Verlages. Dort raucht er eine Zigarette und unterhält sich mit Schlager-Titan Ralph Siegel und dessen Gattin Kriemhild über eine seiner Fähigkeiten im Grünen - beim Golf spielen.

Derweil haben auf dem Roten Teppich vier junge Damen ihren Auftritt, die heute ihre pop-historische Wiedervereinigung feiern. Lucy, Sandy, Jessica und Nadja, die mal waren und nun wieder sind: Die Band No Angels. Sie tragen alle ein ähnliches Abendkleid mit Spaghetti-Trägern, weil es wichtig sei, "dass man wie eine Einheit wirkt", sagt Lucy, die auf alle Fragen so schnell antwortet, dass die anderen drei nur noch nett dazu grinsen können. "Das Herz hört nicht auf zu klopfen", sagt Lucy, so irre doll freut sie sich über ihr Comeback. Die No Angels werden nachher auf der Bühne Lionel Richie eine Goldene Kamera in die Hand drücken. Für sein Lebenswerk, Abteilung Musik. Der ist aber noch damit beschäftigt, jede Frau entlang des roten Teppichs voll zu texten. "Why do you look so sexy?" fragt er Colleen Fernandez, die ihn interviewen möchte und ein sparsam gestaltetes, beigefarbenes Kleid trägt und dazu Gänsehaut, wegen der Kälte hier draußen, was Richie dann auch registriert. "Are you cold, are you okay?", fragt er die nächste Reporterin. Kurz darauf kommen Andrea Sawatzki und Christian Berkel vorbei, die in diesem Jahr heiraten werden und heute beide nominiert sind – sie als beste Schauspielerin, er als bester Schauspieler. "Ich glaube, wir kriegen's beide nicht", sagt Berkel.

Waldi und das Weizen

Richtig. Denn als die Verleihung um 20.18 Uhr beginnt, geht die erste Goldene Kamera an Sawatzkis Kollegin Corinna Harfouch und die zweite an Berkels Kollegen Edgar Selge. Verena Kerth, weiß gewandetes Girlfriend von Oliver Kahn, darf stellvertretend für den Torwart-Titan dessen Preis für den "besten prominenten Werbespot" entgegen nehmen - für ein Weizenbier, das auf der Bank doch am besten schmeckt, gedreht mit ARD-Sportmoderator Waldemar Hartmann. Der nun mit Kerth auf der Bühne steht. "Unglaublich", sagt sie dünn. Und lässt Hartmann dick auftragen: Er hoffe, dass sich alle ARD-Gremien mit ihm darüber freuen, "dass ein journalistischer Mitarbeiter einen Preis für einen Werbespot bekommt - und das im ZDF", wo die Verleihung ja, hihi, da freut sich der Waldi, übertragen wird.

Auch beglückt: Cordula Stratmann, die vor zwei Jahren schon mal hier stand als Laudatorin. "Ich bin saualt", sagte die damals 41-jährige, rüttelte an ihrem - nicht wirklich weichen - Unterarmfleisch, und machte sich darüber lustig, dass Frauen im Fernsehen nicht verwelken dürften; Iris Berben lachte sich im Publikum kaputt. Nun aber wird Stratmann geehrt, in der Kategorie "Comedy", und überschlägt sich: "Geil. Jetzt hab ich das Ding in der Hand. Und brülle schön ins Mikrofon. Das ist bei mir immer so, wenn ich aufgeregt bin."

Lilo hat sie

Am Ende steht - vergleichsweise leise, aber nicht weniger fröhlich - Lilo Pulver auf der Bühne, die Goldene Kamera für ihr Lebenswerk in der Hand. Und erinnert sich, dass sie einmal "Jopie Heesters die Goldene Kamera" übergeben und gedacht habe, "wie wäre es... und jetzt hab' ich sie!", sagt sie und lacht ihr schönes Lachen. Das ist dann doch bewegend, kurz, aber dann wird ruck zuck zur Party gerufen, die unter dem Motto "Garten Eden" dekoriert ist, ganz in grün, mit Bäumchen, Blümchen, trallala - klingt nach einer super Party für Pierce Brosnan, oder? Aber der sitzt im V.I.P.-Bereich und ist nicht offen für Fragen. Er hätte gern seine Ruhe, sagt er. Möchte essen. Aber nur kurz. Gegen Mitternacht ist er weg.


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