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Haldern-Pop 2003: Das Festival ist der Star

Musikalische Höhepunkte schienen in diesem Jahr beim Haldern-Pop zu fehlen. Vielmehr feierte man hier das Festival an sich. Doch zum Schluss kam dann noch Patti Smith.

Von Carsten Heidböhmer

Haldern Pop

Haldern 2003: Das war wieder mal vor allem viel Musik

Seit 20 Jahren ist das kleine Örtchen Haldern alljährlich Heimat eines der schönsten Musikfestivals: klein und unprätentiös, aber die Auswahl der Bands immer sehr erlesen und fein. Angefangen hat das alles seinerzeit eigentlich als Feier einiger Ministranten. Doch als diese Partys immer größer wurden, entstand 1984 daraus das erste Open Air Festival. Über die Jahre schaffte es das Veranstalter-Kollektiv immer wieder, interessante Acts an den Niederrhein zu holen.

Nur selten waren dies die ganz großen Namen wie Bob Geldorf 1991 oder Travis im Jahr 2001. In der Mehrzahl verpflichtete man Künstler/ Bands, die jenseits des Mainstream Musik mit Qualität und Herz machen. Jahr für Jahr stellten die Veranstalter ihr Gespür und ihr glückliches Händchen bei der Zusammenstellung des Programms unter Beweis. Gerade die weniger bekannten Musiker sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für künstlerische Höhepunkte.

Skandinavische Verhältnisse in Haldern

In diesem Jahr sah es lange so aus, als würden diese Highlights ausbleiben. Das skandinavisch dominierte Programm ( Under Byen, Raveonettes, Xploding Plastix, Kaizers Orchestra, Kashmir, The Cardigans, Isolation Years) war wenig dazu angetan, dem Publikum ordentlich einzuheizen. Lediglich die Raveonettes schienen die von einem Zuschauer geäußerte Vermutung "Dänen rocken nicht" zu widerlegen.

Bei den Cardigans zündeten die Hits

Besonders der zweite Abend wollte nicht recht in Schwung kommen. Nach dem überraschend guten Auftritt von Ed Harcourt und einer soliden Performance von Evan Dando nahmen die in Indie-Kreisen gefeierten Bright Eyes mit einer lauen Vorstellung massiv das Tempo raus. Die anschließend spielenden Cardigans konnten zwar mit ihrer glamourösen Bühnen-Deko und einigen Hits punkten, insgesamt überwogen aber doch Mid-Tempo-Songs, die nicht wirklich den Funke überspringen ließen.

Ein Festival lässt sich feiern

Trotz allem war das Festival bis dato alles andere als enttäuschend. Denn man war ja schließlich immer noch in Haldern: Die Atmosphäre, der überschaubare Rahmen und das Wetter wogen das Fehlen von musikalischen Sensationen wieder auf. Es schien, als wolle das Festival zu seinem 20. Bestehen zuallererst sich selbst feiern und sich nicht die Show von herausragenden Musikern stehlen lassen.

Patti Smith, Königin von Haldern

Doch zum Abschluss kam Patti Smith and her Band. Die Grande Dame des Rock 'n' Roll zeigte mit ihrer ausdrucksvollen Performance vielen der vor ihr aufgetretenen jüngeren Gruppen einmal, wo der Hammer hängt. Ihre Stimme noch immer kraftvoll wie vor 28 Jahren. Die Band aufeinander eingespielt wie es nur Menschen sein können, die sich schon sehr lange kennen. Zwei der Musiker waren sogar schon auf dem 1975er Debütalbum "Horses" dabei. Und an der Gitarre Pattis eigener Sohn Jackson Smith. Für diesen Auftritt gilt, was Haldern-Pop in diesem Jahr als Motto vorangestellt war und das Festival als Ganzes bestens charakterisiert: "Es schließt sich der Kreis, wenn die Richtung stimmt."

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