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Prince ist tot Sometimes it snows in April

Prince
Prince - ein Wunderkind, das jedes Instrument mit Exzellenz beherrschte
© Mike Blake/Reuters
Nur drei Monate nach David Bowie ist am Donnerstag auch Prince gestorben - mit nur 57 Jahren. Zuerst das Hirn und nun das Herz der Popmusik.

"Jetzt gibt es nur noch Prince", hat mein bester Freund seit Kindertagen gesagt, nachdem David Bowie vor gerade einmal drei Monaten und elf Tagen gestorben ist. Jetzt nicht mehr. Jetzt kommt nach dem Punkt nur noch Leere.

Sometimes it snows in April/ Sometimes I feel so bad/ Sometimes I wish life was never ending/ All good things, they say, never last.

Vielleicht geht es Menschen in unserem Alter so, dass ihre Idole sterben. Vielleicht haben unsere Eltern zu ihrer Zeit ja Ähnliches erlebt. Aber das nimmt nichts von der Wucht und der Verwirrung, wenn die Autoren des Soundtracks der eigenen Jugend, diese imaginären und eben doch realen Begleiter des Heranwachsens, plötzlich aufhören zu sein. Es verstört mich zutiefst, dass Prince überhaupt sterblich sein soll. Die Nachrichten sagen, er war es.

Dabei war er doch dieses Wesen aus einer anderen Welt, mehr noch als David Bowie, der als Künstler immer völlige Kontrolle über seine Schöpfung hatte. Bei Prince glaubte ich wie bei keinem anderen an die Personifikation des Genies: ein Wunderkind, das jedes Instrument mit Exzellenz beherrschte. Ein Universaltalent, das sein Oeuvre schrieb, komponierte, einspielte, einsang und produzierte, weil er nicht anders konnte, weil eben nur er die Wahrheit kannte. Aus dem einfach heraus musste, was er an musikalischen Universen in sich trug. Einer, der sich von niemandem reinreden ließ, weil er wusste, wie es klingen muss, wie es sich anfühlen muss, wie es aussehen muss. Er war 20 Jahre alt, als er sich bei Warner in den Vertrag schreiben ließ, dass er alles allein bestimmen darf.

Keine Schulparty, keine Klassenfahrt - ohne Prince

Wer Prince einmal im Konzert erlebt hat, war verdorben für den Rest. Das war Magie, ein schweißtreibendes Liebesspiel zwischen Künstler, Musik und Publikum. Auf seinen berühmten 15-Zentimeter-High-Heels hat er auf der Bühne Gitarre, Klavier, Schlagzeug und auch Basketball gespielt (Love Sexy Tour 1988). Und dann sprang er auch noch vom Lautsprecherturm. Landete weich wie eine Katze. Solche Musiker machen sie heute nicht mehr, möchte ich Kinky Friedman paraphrasieren.

Keine Schulparty, keine Klassenfahrt, keine Radioshow, kein einschneidendes, pubertäres Erlebnis ohne Prince-Song-Konnotation: "Kiss", "When doves cry", "Let’s go crazy", "1999", "Sign o’ the times" und natürlich: "Purple Rain". Auch wenn wir verliebt waren, waren wir zu dritt.

Auch Miles Davis verehrte Prince 

Natürlich funktionieren all diese Songs auch freistehend, doch fühlte es sich gut an, sie im Jetzt verankert zu wissen, weil Prince eben immer noch - mit neuer Hüfte und als Zeuge Jehovas - in Paisley Park ), seinem Studio-Anwesen in Minnesota, unaufhörlich Musik erschuf. Angeblich jeden Tag. Ja, nach den ersten 15 Jahren war es etwas ruhiger geworden. Und das "Batman"-Album war eine weniger geniale Idee. Aber in den letzten Jahren war Prince wieder ganz bei sich selbst. Das neueste Album kommt übrigens am 29. April auf den Markt: „HitnRun Phase Two".

"Für mich gibt es jetzt nichts mehr", sagt mein bester Freund entschieden. Und dann zutiefst traurig: Mit Bowie habe der Engel der Musik sein Hirn verloren, mit Prince sein Herz. Über den gerade in den Sozialen Netzwerken kursierenden Witz "Wie geht es eigentlich Madonna?" können wir beide nicht lachen.

Auch Miles Davis, dieser Jazz-Gott, der die "social music" jeden verdammten Tag neu erfinden wollte, hat Prince verehrt. Prince sei die Zukunft, hat der Mann mit dem Über-Ego sogar in seine Biografie geschrieben. Sie haben übrigens zusammen ein Album aufgenommen, das aber nie veröffentlicht wurde. Gerüchten zufolge weil es Prince nicht gefallen hat.

Prince ist tot: Sometimes it snows in April
© http://fauna93.deviantart.com/art/The-Little-Prince-278147266

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