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Kommentar

Antisemitismusvorwurf: Der ARD-Boykott von Roger Waters ist falsch - der Pink-Floyd-Musiker stellt sich selbst ins Abseits

Roger Waters hat mit Pink Floyd großartige Musik geschaffen, die weltweit verehrt wird. Nur: Waters ist ein Israel-Hasser. Die ARD hat deswegen beschlossen, seine Konzerte nicht mehr zu repräsentieren - aber das ist der falsche Weg.

ARD Rogers Waters Pink Floyd BDS

Roger Waters im September bei einem Auftritt in New York, bei einigen ARD-Sendern werden seine Konzerte nicht mehr übertragen

Keine Frage, der großartige Musiker Rogers Waters ist ein Antisemit. Der Mitbegründer von Pink Floyd ist das prominenteste Aushängeschild von anti-israelischen Bewegungen wie "Artists for Palestine" oder BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen), die zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Boykott des Landes aufrufen. In ihren Augen ist ein Apartheidsstaat, der systematisch das Volk der Palästinenser unterdrückt: Auf der Homepage von "Artists for Palestine" ist von ethnischen Säuberungen, Folter, Rassismus die Rede - Israel kommt in den Augen seiner Gegner nicht gut weg. Vom palästinensischen Terror kein Wort.

Seit Jahren schon bedient Waters in seinen Aussagen und Shows antisemitische Auffassungen, die sich als Israelkritik tarnen. Er lässt auch schon mal das berühmte -Floyd-Schwein über die Bühne fliegen, auf der ein Davidstern zu sehen ist in Verbindung mit Dollarzeichen und den Emblemen angeblich böser Großkonzerne - das ist in dieser dumpfen Offenheit widerlich. Es sind genau die Stereotypen, mit denen schon die Nazis hetzten. Einer seiner schlimmsten Aussetzer: Er verglich Israel mit Hitler-Deutschland. Waters ist ein Eiferer. Zusammen mit Künstlern wie etwa Brian Eno greift er regelmäßig Musikerkollegen an, die es tatsächlich wagen, Shows in Israel zu spielen.

ARD mischt sich spät ein

Jetzt mischt sich also auch die in diesen Konflikt ein. Sender wie WDR, NDR, SWR, RBB und BR erklärten, keine Waters-Konzerte mehr zu präsentieren oder gar zu übertragen. Die Auseinandersetzung hatte sich in den vergangenen Monaten verschärft. Grund sind die scharfen Attacken des Pink-Floyd-Gründers und leider auch Brian Enos gegen Radiohead und Nick Cave. Zum Glück haben sich beide nicht von ihren Auftritten in Israel abhalten lassen.

Dass die ARD-Sender Konzerte von Waters mit ihrem Logo nicht mehr präsentieren wollen, ist nicht von Bedeutung. Aber Konzerte nicht mehr zu übertragen, ist falsch, auch wenn es gut gemeint ist. Boykotte dieser Art bringen nichts im Kampf gegen Judenhass. Es schwingt da immer ein Hauch von Zensur mit. Damit bedient man sich nur der gleichen Mittel wie der Gegner. Und Boykotte dienen am Ende nur der Beruhigung des eigenen Gewissens. Zudem sind sie willkürlich - wie viele Künstler müsste man noch boykottieren? Die Filme von Ken Loach, der ebenfalls ein Unterstützer von BDS ist? Oder die Opern des berühmten Antisemiten Wagner?

Wichtiger als Boykotte ist eine offene Debatte

Wichtiger ist die offene Debatte, die klar benennt, wann wir es mit Antisemitismus zu tun haben. Wichtiger ist, Aufklärung zu betreiben, klassische Vorurteile und dumme Sterotypen zu benennen - und das kann man am Beispiel von Roger Waters wunderbar (siehe fliegendes Schwein). Totschweigen ist immer der falsche Weg. Dieser Mann diskreditiert sich durch sein Handeln und seine Aussagen selbst. Was bleibt, ist seine , die viel größer ist als er selbst.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo