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Presseschau Stimmen zu Xavier Naidoo: "Nehmt der ARD den ESC weg"


Nun also doch nicht: Der NDR hat Xavier Naidoo die Teilnahme am ESC entzogen. Doch die Entscheidung wirft ein schlechtes Licht auf die ARD. Denn wer soll jetzt noch für Deutschland singen? Ein paar Pressestimmen.

Was für ein Hin und Her. Erst am Donnerstag verkündete der NDR stolz, dass man Soul-Sänger Xavier Naidoo als deutschen Teilnehmer für den ESC gewinnen konnte. Doch der öffentliche Aufschrei war groß - offenbar zu groß. Am Samstag, nur zwei Tage später, ruderte der öffentlich-rechtliche Sender zurück und zog die Teilnahme zurück. "Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht. Wir haben das falsch eingeschätzt“, sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Auch in der Presse wurde die Entscheidung vieldiskutiert. Eine Presseschau.

Süddeutsche Zeitung: Es gibt nur Verlierer

Michael König schreibt in seinem Kommentar, dass es nach Naidoos Absage in der Causa ESC nur noch Verlierer gibt. Der Sender hat nicht den Mumm bewiesen, zu der umstrittenen Entscheidung zu stehen. Und auch Naidoo stehe nun wie ein Depp da. "Er ist durch die Entscheidung der ARD nun endgültig in die rechte Ecke gestellt worden, in die er - laut ARD - nicht gehört." Auch der Wettbewerb nehme Schaden, weil der nächste deutsche Teilnehmer automatisch nur zweite Wahl ist. Sein Fazit: "Das ist ein Anlass darüber nachzudenken, ob die ARD der richtige Sender für diese Veranstaltung ist. Eigentlich müssten jetzt Profis ans Werk."

taz: Futter für die Wutbürgermeute

Die "taz" thematisiert vor allem die gesellschaftlichen Folgen: "Denn genau diese Reaktion jetzt ist ein Wasserfall auf die Mühlen der Pegida- und AfD-Typen, die überall Tugendterrorismus, die Diktatur des politisch Korrekten und ganz allgemein 'Gutmenschentotalitarismus' […] wittern. Der NDR kann also stolz von sich behaupten, der Wutbürgermeute und den Zwangsgebühren- und Lügenpresse-Schreihälsen genau das Futter gegeben zu haben, das diese sich am sehnlichsten wünschen", schreibt Heiko Werning. "Im Grunde kann es jetzt nur eine vernünftige Lösung geben: Der NDR gibt die Betreuung des ESC vollständig ab und schickt alle dafür Verantwortlichen in die Wüste."

Welt: "Nach der Tragödie kommt die Farce"

Holger Kreitling von der "Welt" fragt sich dagegen: "Wer will jetzt noch für Deutschland singen?" Jeder auf Naidoo folgende Sänger sei nur noch die Zweitbesetzung. Und auch für viele Neulinge sei der ESC ein Risiko, weil die Karriere nach einer schlechten Platzierung schneller vorbei sein kann, als einem lieb ist. Doch wie geht es weiter? "Vielleicht verzichtet die ARD aus Scham diesmal ganz, doch das ist unwahrscheinlich. Irgendjemand wird sich finden, Ralph Siegel, der ewige ESC-Lied-Kämpfer, ist sicher bereit. Nach der Tragödie kommt die Farce, da war schon bei wichtigeren Ereignissen als dem ESC der Fall."


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