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Tabu-Bruch bei den Bayreuther Festspielen: Israelische Musiker spielen erstmals Wagner in Deutschland

In Israel ist Richard Wagner eine äußerst umstrittene Figur. Schon zu Lebzeiten hat sich der Komponist nicht gerade als Freund der Juden erwiesen, Adolf Hitler machte ihn zum musikalischen Sinnbild des Nationalsozialismus. Auch deshalb will das Israel Chamber Orchestra nun ein Zeichen setzen. In Bayreuth spielen sie am Dienstag das "Siegfried-Idyll" - als Zeichen der Annäherung und der Toleranz.

Es war ein historischer Moment: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg haben israelische Musiker in Deutschland ein Werk von Richard Wagner gespielt. Der Komponist und die Festspielstadt Bayreuth wecken in Israel noch immer Erinnerungen an den Nationalsozialismus und den Holocaust. Neben Wagners "Siegfried-Idyll" spielte das Israel Chamber Orchestra am Dienstag in Bayreuth auch Werke von Tzvi Avni, Gustav Mahler, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Franz Liszt. Die Musiker und ihr Dirigent Roberto Paternostro wollten mit dem Konzert ein Zeichen "der Annäherung, der Toleranz und eines offenen geschichtsbewussten Kulturaustausches" zwischen beiden Ländern setzen.

Das Israel Chamber Orchestra wurde 1965 von Gary Bertini gegründet. Es ist neben dem von Zubin Mehta geleiteten Israel Philharmonic Orchestra das bedeutendste Orchester des Landes. Das Repertoire des Chamber Orchestra reicht von barocker bis zu zeitgenössischer Musik. Die Schwerpunkte liegen auf den Werken der Wiener Klassik und der Romantik sowie auf israelischen Kompositionen. Seit zwei Jahren ist der Wiener Dirigent Roberto Paternostro künstlerischer Leiter des Ensembles. Von 1978 bis 1984 assistierte er Herbert von Karajan. Von 1991 bis 2000 war er Generalmusikdirektor der Württembergischen Philharmonie und von 1997 bis 2007 Generalmusikdirektor des Staatstheaters Kassel. Dort begründete er seinen Ruf als hervorragender Wagner-Interpret.

jwi/DPA / DPA