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Tagebuch 4: Samstag, 24. Oktober 2003

Heute ist unser letzter Tag. Früh am Morgen fahren wir nach Rwamagana, 60 Kilometer östlich von Kigali. Der Himmel wird schwarz. Es gießt in Strömen.

Heute ist unser letzter Tag. Früh am Morgen fahren wir nach Rwamagana, 60 Kilometer östlich von Kigali. Der Himmel wird schwarz. Es gießt in Strömen als wir die Ausbildungsstätte der Kindernothilfe für elternlose Jugendliche betreten. Laut trommelt der Regen auf das Dach und mit dem Hämmern, Schweißen und Hobeln der Jugendlichen treten wir in einen ohrenbetäubenden Lärm. Rund zwei Dutzend Jungen und Mädchen lernen und arbeiten hier. Mit großem Stolz und Eifer zeigen die Jugendlichen Grönemeyer, was sie in ihrer Werkstatt alles herstellen: Eine Gruppe schreinert Schulbänke, eine andere fertigt Jacken und Schuhe mit improvisiertem Nikesymbol. Schließlich sollen die Schuhe auch cool aussehen. Andere schweißen Türrahmen. Alte Autokühler werden eingeschmolzen und in einer Sandform zu Kochtöpfen, Pfannen oder Aschenbechern gegossen. Herbert Grönemeyer und wir sind begeistert und kaufen gleich einige ein. Stolz erklärt der junge Ausbilder, dass die Jugendlichen hier nicht nur einen Beruf lernen, sondern mit dem, was sie herstellen und gemeinsam auf dem Markt verkaufen, für ihre Geschwister zumindest das Schulgeld erwirtschaften können.

Weiter geht's in die Grenzprovinz Kibungo im Südosten des Landes. In den Projekten von "Brot für die Welt" geht es vor allem um Friedens- und Versöhnungsarbeit. In den Dörfern haben sich Hutu- und Tutsi-Frauen zu gemeinsamen Gruppen zusammengeschlossen, um eine Schneiderei oder eine Getreidemühle zu betreiben. Das Startkapital für solche Aktivitäten kommt von Spendern aus Deutschland.

Und auch echten Grönemeyer-Sport erleben wir. Fußball! Am liebsten würde er selbst mitkicken, aber leider reicht die Zeit nur noch zum Anpfiff für das Finale zwischen den Jugendmannschaften der Provinz, in denen Waisen, Aids-infizierte Jugendliche und sogar ehemalige inhaftierte Milizen mitspielen. Sport hilft, Vorurteile und Hass zu überwinden. Völkerverständigung beginnt im kleinsten Dorf. Tausende Kinder winken und lachen, versuchen keck von Grönemeyer eine Berührung zu erhaschen.

Unsere Reise ist zu Ende und Herbert Grönemeyer sagt, als er sich ein letztes Mal winkend verabschiedet, nachdenklich: "Im tiefsten Dunkeln geben diese Menschen nicht auf, sie sind wahnsinnig fleißig, verbunden mit einer faszinierenden Lebenseinstellung. Diese Lebensfreude macht mich perplex. Manchmal habe ich hier gedacht, was uns zu Hause fehlt, ist dieses Leuchten in den Augen. Auf der einen Seite diese unvorstellbare Armut, die einen anpackt, und andererseits diese unglaubliche Lebendigkeit, der Stolz, die Würde, mit denen die Menschen ihr Schicksal meistern. Es kommt in unserer Kampagne 'Gemeinsam für Afrika' jetzt darauf an, bei uns zu Hause zu vermitteln, dass die Hilfe auf keinen Fall aufhören darf. Ich kann nur jedem sagen: Es ist ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen. Was ich in Ruanda und Kongo erlebt habe, wird mich mit Sicherheit verändern. Ich freue mich und bitte alle: Helfen auch Sie. Es ist schön und es lohnt sich!"

Susanne Anger

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