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Tourauftakt: Coldplay zeigen sich von der temperamentvollen Seite

In der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle hat die britische Band Coldplay vor 5000 begeisterten Fans ihre Deutschland-Tournee gestartet.

Zu den bekannten ruhigen Tönen gesellten sich immer wieder laute Gitarrengewitter, als die britische Erfolgsband Coldplay ihre Deutschland-Tournee am Montagabend in der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle eröffnete. Knapp 5000 Fans feierten begeistert das Quartett um Sänger Chris Martin. Kurz nach Beendigung ihrer mehrmonatigen USA-Tournee zeigten die vier Mittzwanziger keine Ermüdungserscheinungen, sondern begeisterten über neunzig Minuten mit Spielfreude und guter Laune. Anders noch als bei der Verleihung der Brit Awards Mitte Februar in London verzichtet die Band diesmal auf öffentliche Kritik an dem Krieg im Irak.

Melancholische Balladen und Rockiges

Coldplay hatte im Jahr 2000 mit dem Debütalbum «Parachutes» auf Anhieb den internationalen Durchbruch geschafft, besonders auch auf dem schwierigen US-amerikanischen Markt. Der Erstling wurde genauso wie der im letzten Sommer erschienene Nachfolger «A Rush of Blood to the Head» unter anderem mit dem begehrten Grammy Award ausgezeichnet. Die gefühlvollen, melancholischen Piano-Balladen, das Markenzeichen der Band, wechselten in Frankfurt ständig ab mit temporeichen, dröhnenden Gitarrensalven. Optische Unterstützung lieferten bei den rockigen Parts des Abends unter anderem effektreiche Lasershows.

Jenseits des Rampenlichtes

Obwohl die Gruppe mit ihren Alben und diversen Singles auf Spitzenplätze in den Charts abonniert zu sein scheint, sind die Coldplay-Songs weitaus bekannter als die Band selbst. Das mag am unspektakulären Auftreten der Musiker liegen, obwohl der 26-jährige Frontmann Chris Martin gelegentlich durch angebliche Liebschaften mit den Hollywood-Stars Julia Roberts und Gwyneth Paltrow oder seiner Kollegin Natalie Imbruglia ein großes Medieninteresse auf sich zieht.

Die andere Seite des Chris Martin

Auf der Bühne der Frankfurter Jahrhunderthalle lernten die Konzertbesucher, die auf Grund der CDs eher ein Kind von Traurigkeit erwartet hätten, ganz andere Seiten von Chris Martin kennen. Unter Kritikern galt er oft als unscheinbarer "Softie", der in der Vergangenheit auch schon diverse angekündigte Konzerttermine in Deutschland wegen Krankheiten und Wehwehchen platzen ließ. Erst drei Tage vor dem Start der Deutschland-Tour hatte Coldplay einen Auftritt in Straßburg wegen einer Kehlkopfentzündung Martins abgesagt.

Luftsprünge statt Luftgitarre

Der schlaksige Frontmann, der auch abwechselnd Gitarre und Klavier spielte, sang seine Songs mit der unverkennbaren zerbrechlichen Stimme, entpuppte sich dazu aber immer wieder als Temperamentbündel. Der angeblich niemals Lächelnde setzte zu hohen Luftsprüngen an, drehte sich rasant um sich selbst, hüpfte von einem Bühnenende zum anderen und animierte die Halle zum Mitsingen und -klatschen.

Seine Kollegen Guy Berryman (Bass), Jonny Buckland (Gitarre) und Will Champion (Schlagzeug) leisteten derweil meistens dezent im Hintergrund ihre Beiträge zur Gänsehaut á la Coldplay. Ihre bekanntesten Single-Hits wie «Don’t Panic» oder «In My Place» dosierte die Band sparsam, aber die meisten der eingefleischten Fans in der Halle feierten jedes Lied wie einen Hit. Ihren Höhepunkt erreichte die Show nach einer Stunde mit «Yellow», das Chris Martin mit großer Leidenschaft präsentierte, als hätte er gerade in diesem Moment den Song seines Lebens entdeckt.

Weitere Coldplay-Tourneestationen:

2.4. Münster
3.4. Düsseldorf
5.4. Böblingen
6.4. Zürich
Im Juni kehrt die Band zu Auftritten beim Hurricane Festival im norddeutschen Scheeßel (20. Juni) und beim Southside Festival in Neuhausen ob Eck bei Tuttlingen (21. Juni) nach Deutschland zurück.