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Verbotenes Lady-Gaga-Konzert in Jakarta Veranstalter kämpfen weiter für Genehmigung


Die Veranstalter des verboteten Lady-Gaga-Konzerts in Jakarta wollen sich mit dem Verbot nicht abfinden. Doch die Islamisten drohen weiter: Findet der Auftritt statt, könne sich die indonesische Hauptstadt auf "Chaos" gefasst machen.

Die Organisatoren eines für Anfang Juni geplanten Auftritts der Pop-Ikone Lady Gaga in der indonesischen Hauptstadt Jakarta wollen gegen das kurzfristig verhängte Verbot vorgehen. "Wir kämpfen weiter", heißt es in einer Twitter-Nachricht der Produktionsfirma Big Daddy vom Mittwoch. Die "kleinen Monster" - so nennt die Sängerin ihre Fans - sollten noch etwas Geduld haben. "Wir halten euch auf dem Laufenden", versprach Big Daddy. Die Polizei hatte zuvor das Konzert nach Protesten von Islamisten gegen die freizügige Kleidung und die provokativen Texte von Lady Gaga abgesagt.

Falls das Konzert tatsächlich stattfinde, solle die Öffentlichkeit auf "Chaos in Jakarta" gefasst sein, warnte unterdessen der Chef der Verteidigerfront des Islam (FPI), Habib Salim Alatas. "Wir sind bereit, uns ins Gefängnis werfen zu lassen oder getötet zu werden." Auch der Nationale Rat der islamischen Rechtsgelehrten hatte sich gegen den "erotisch aufgeheizten" Auftritt der exzentrischen Sängerin ausgesprochen. Die FPI vereinigt halbkriminelle Gangs, die unter dem Vorwand, Moral und Anstand hochzuhalten, immer wieder Bars angreifen und Popkonzerte stören. In vielen Fällen geht es schlicht um Schutzgelderpressung. Die muslimischen Aktivisten haben auch den Bau von christlichen Gotteshäusern verhindert.

Lady Gaga befindet sich derzeit auf Welt-Tournee. Bereits ihr Antrittskonzert Ende April in Seoul rief Proteste hervor. Indonesien, das größte muslimische Land der Welt, praktiziert einen gemäßigten Islam. Stars wie Beyoncé und die Pussycat Dolls durften unter der Bedingung auftreten, dass sie sich weniger aufreizend als üblich kleideten.

Indonesien - eigentlich ein Land religiöser Toleranz

Religiöse Toleranz hat eine lange Geschichte in dem weltlichen Land. Zuletzt scheint sie aber zu bröckeln. In keinem anderen Staat der Welt leben mehr Muslime als in Indonesien. Etwa 88 Prozent der rund 240 Millionen Einwohner sind Muslime. Zuletzt hat die blühende Wirtschaft und eine wachsende Mittelschicht immer mehr internationale Stars nach Indonesien gelockt. Im vergangenen Jahr sind dort unter anderem Katy Perry, Justin Bieber und Kylie Minogue aufgetreten.

Die aus einer italienisch-katholischen Familie stammende New Yorkerin, die eigentlich Stefani Germanotta heißt, provoziert immer wieder mit extravaganten Outfits und Bühnenshows. Sie setzt sich unter anderem im Kampf gegen Aids und für Schwulenrechte ein.

jwi/AFP/DPA DPA

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