Wenn Sonja Zietlow (57) und Stefan Raab (59) übereinander sprechen, fliegen die Fetzen. Am Rande des aktuellen Dschungelcamps (RTL) schenken sich die beiden TV-Größen ordentlich ein - dabei schwelt dieser Konflikt schon seit über zwei Jahrzehnten. Was viele Zuschauer heute als spontanen Schlagabtausch erleben, hat seine Wurzeln tief in der deutschen Fernsehgeschichte.
Alles begann in den späten 1990er Jahren bei "TV total" (ProSieben). Stefan Raab hatte damals ein simples, aber wirkungsvolles Konzept: Sein Team durchforstete das gesamte Fernsehprogramm nach peinlichen, skurrilen oder unfreiwillig komischen Momenten. Diese Clips landeten dann als sogenannte "Nippel" auf Raabs Moderationstisch - kleine Knöpfe, mit denen er jederzeit Ausschnitte einspielen konnte.
Zietlow als frühe "Nippel"-Lieferantin
Unter diesen berüchtigten Buttons befand sich auch Material von Sonja Zietlow. Ein Clip, in dem sie das Wort "Ochsenpimmel" ausspricht, wurde zum Running Gag in Raabs Sendung. Für den damaligen ProSieben-Entertainer war das RTL-Programm generell ein gefundenes Fressen - das Dschungelcamp verspottete er genüsslich als "Gossenfernsehen", wie "t-online" berichtet.
Diese öffentliche Herabsetzung dürfte Zietlow nie vergessen haben. Seit 2004 steht sie als Moderatorin für "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" vor der Kamera, erst an der Seite von Dirk Bach (1961-2012), später mit Daniel Hartwich (47) und heute mit Jan Köppen (42). Das Format entwickelte sich zur erfolgreichsten Show im RTL-Portfolio - während Raab zwischenzeitlich freiwillig von der Bildfläche verschwand.
Die Machtverhältnisse haben sich verschoben
Doch 2024 kehrte Raab nach seinem langjährigen Rückzug aus der Öffentlichkeit zurück, ausgerechnet zu RTL. Der Sender soll viele Millionen für den Entertainer bezahlt haben. Das Problem: Die Quoten blieben bislang eher aus. Seine Sendung "Du gewinnst hier nicht die Million" wurde mangels Publikumsresonanz eingestellt. Seit dieser Woche kommentiert Raab immer dienstags, mittwochs und donnerstags live in "Die halbe Stunde nach der Stunde danach" das Dschungelcamp - im Spätprogramm, weit nach der Primetime.
Damit ist der frühere Spötter selbst in jenem TV-Kosmos gelandet, den er einst mit Verachtung überzog. Das Dschungelcamp nannte er nun dennoch: "Die Endstation für Promis, die zum Tanzen zu blöd sind". Und auch Zietlow bekommt weiter ihr Fett weg: "Unfassbar, wie geliftet alle im Camp sind und operiert. Vor allem die Botox-Queen. Wie heißt die noch mal? Sie wissen schon: die, die immer neben Jan Köppen steht", ätzte Raab in seiner Sendung.
Zietlow und Köppen schlagen zurück
Doch diesmal lässt sich die Dschungelcamp-Crew das nicht gefallen. Jan Köppen spottete: "Dafür hat RTL extra einen TV-Dino aus dem Ruhestand geholt. Zur Auswahl standen Harry Wijnvoord und Stefan Raab. RTL hat sich gegen die Optik entschieden." Zietlow legte nach: Raab werde ab jetzt alles aufarbeiten, "was Jan, ich, Olivia Jones und Angela übriggelassen haben." Olivia Jones (56) und Angela Fingererben (45) sind Hosts der "Ich bin ein Star - Die Stunde danach".
Hinter den Kulissen dürfte der Unmut noch größer sein. Dschungelcamp-Autor Micky Beisenherz machte bereits vor Monaten seinem Ärger Luft. Als bekannt wurde, dass RTL 600 Stellen streichen muss, brachte er dies mit der teuren Raab-Verpflichtung in Verbindung. Sein Kommentar: "Ich hasse den nicht. Wirklich. Ich hasse es nur, dass die für den Scheiß so viel Geld gezahlt haben, dass jetzt 600 Leute gehen müssen..." Zietlows Ehemann Jens Oliver Haas (geb. 1967) gehört ebenfalls zum Autorenteam der Show.