Dass Verkäufer ihre angebotenen Objekte wieder mit nach Hause nehmen, kommt bei "Bares für Rares" nicht selten vor. Entweder ist schon die Expertise so ernüchternd, dass es keinen Sinn macht. Oder aber die Gebote bringen nicht den gewünschten Preis.
Das war bei Benno Willmann anders. Der Versicherungsfachmann aus Offenburg schlug den Deal aus, obwohl die Händler den Schätzwert deutlich übertrafen und seinen Wunschpreis boten.
Der 55-Jährige war sich des Wertes des mitgebrachten Objektes durchaus bewusst: "Ich gaub', dass ich für die Uhr eine Händlerkarte bekomme, weil diese Uhr definitiv in der Armbanduhren-Geschichte ein Highlight ist", sagte er vorab. Und auch bei Horst Lichter schien es zu klingeln: "Oh wow", rief er beim Anblick der Heuer Monaco aus. "Kennt man."
"Bares für Rares": Steve McQueen machte die Heuer Monaco berühmt
Die Uhr hat Willmann 1998 in Italien auf der Mille Miglia erworben. Sie sei damals in einem "jämmerlichen Zustand" gewesen, er habe sie später herrichten lassen. Unter anderem das Armband, das Zifferblatt und die Glasscheibe, wie Sven Deutschmanek nicht entgangen ist.
Der Experte erzählt erst einmal etwas über den 1860 durch Edouard Heuer gegründeten Hersteller. In den 1970er Jahren habe die Firma ihre wilde Zeit gehabt, so Deutschmanek, unter anderem seien die Farben knalliger geworden. So auch bei der "Monaco". Der Hype um dieses Modell entstand durch den Film "Le Mans" mit Steve McQueen, in dem der Schauspieler diese Uhr trägt.
8000 Euro möchte Benno Willmann für die Uhr bekommen. Da geht der Experte nicht ganz mit. 6500 bis 7500 Euro hält er für möglich. Damit kann der Verkäufer auch leben, er nimmt die Händlerkarte an.
Susanne Steiger erwartet ein Bieterrennen
Im Händlerraum stellen sich beim Anblick der wertvollen Uhr alle auf ein spannendes Bieterrennen ein. "Mal schauen, wer den Grand Prix gleich gewinnt", sagt Susanne Steiger voller Vorfreude. Alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen Geschäftsabschluss sind also gegeben. Steiger bietet zum Start 4000 Euro, der Preis steigt zunächst bis auf 7500 Euro.
Doch da bekommt der Verkäufer plötzlich kalte Füße: "Entschuldigung. Ich merke jetzt einfach, am Ende ist es nur Geld. Ich hab da so ein Feeling." Die Uhr habe ihn so lange begleitet. Albert Meyer unternimmt einen letzten Versuch und bietet 8000 Euro. Der Wunschpreis wäre damit erzielt.
Das sind die Händler bei "Bares für Rares" – Wetten, dass Sie nicht alle kennen?
Was wäre "Bares für Rares" ohne seine 80 Euro: Das ist das Lieblingsstartgebot von Walter Lehnertz, der von allen nur "Waldi" genannt wird. Der gelernte Pferdewirt stammt aus Prüm in der Eifel und betreibt dort einen Antiquitätenhandel. Seine lockeren Sprüche wie "Ich fang dann mal mit 80 Euro an" (selbst wenn das Objekt erkennbar ein Vielfaches wert ist) oder "Engelschen" (so nennt er viele Verkäuferinnen) oder "Prügel" (seine Bezeichnung für Kunstobjekte) machen ihn zum Publikumsliebling. Ein Bieterduell mit Lehnertz kann teuer werden: Er mag ausgefallene Objekte wie alte Spielautomaten oder Militaria und bezahlt dafür gern auch deutlich mehr als den Schätzpreis. So bot er für einen alten Kicker 1750 Euro, obwohl die Expertise nur bei 600 Euro lag.
Doch da ist es schon zu spät, die Entscheidung ist gefallen: "Ich hänge so an der Uhr, ich würde sie wahnsinnig gerne wieder mitnehmen", sagt Willmann. "Ich habe mich gerade eben nochmal, noch mehr in die Uhr verliebt", erklärt er hinterher.
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