"Effenbergs Heimspiel" Stinkefinger für die Effenbergs


Das Genre Promi-Doku-Soaps kennt kein Erbarmen: Seit gestern ziehen nun auch Claudia und Stefan Effenberg blank. In der neuen RTL-Serie "Effenbergs Heimspiel" drängen sie uns ungeniert ihr Scheinprivatleben auf und setzen der Geschmacklosigkeit die Krone auf. Fragt sich nur, wer das sehen will.
Von Katharina Miklis

Man hat ihnen unrecht getan. Sarah Connor, Brigitte Nielsen, Gülcan und wie sie alle heißen, die Promis, die uns in den letzten Monaten mit ihrer Dauerpräsenz in so genannten Celebrity-Soaps nervten. Jetzt wissen wir: Es geht wirklich noch schlimmer. Sie tragen beide die gleiche Frisur, ihnen ist nichts peinlich und sie überbieten sich gegenseitig im schlechten Geschmack: die Effenbergs.

Das alles wäre halb so schlimm, würden sie es in ihren eigenen vier Wänden tun. Aber nein, jetzt soll die ganze Welt mitbekommen, dass Claudia und Stefan Effenberg sich wieder lieb haben. "Effenbergs Heimspiel" heißt die neue Doku-Soap von RTL und jeder, der sich nicht zu schade und dem am Sonntagabend noch langweiliger ist als den Effenbergs selbst, kann seit gestern am banalen Alltag des blondgefärbten Promipärchens teilhaben. Sechs Wochen lang soll der Umzug aus der Luxusvilla "Effeville" in Florida in die Münchner Schickeria begleitet werden, wo die zwei sich ihr erstes gemeinsames Liebesnest einrichten wollen.

Testimonials der Geschmacklosigkeit

Angekündigter Höhepunkt der ersten Folge der an Belanglosigkeit schwer zu überbietenden Doku-Soap ist Claudia Effenbergs Modelauftritt bei einer Ed-Hardy-Modenschau in Berlin. Ed Hardy, Inbegriff des schlechten Geschmacks und Arschgeweih der Modeindustrie, gehört zu den Effenbergs wie Seitensprünge mit kalifornischen Nachbarinnen. Das Modelabel, das sich scheinbar auf die Fahnen geschrieben hat, mit modischen Entgleisungen die Welt zu erobern und sich so bereits in Sendungen wie "Germany's next Topmodel" geschlichen hat, benutzt nun auch die Effenbergs als Testimonials der Geschmacklosigkeit.

Stefan Effenberg, vom berühmten Fußballprofi in die Liga der berühmten Fremdgeher abgestiegen, trägt wie es scheint nur noch diese Pseudorockerleibchen mit abgrundtief hässlichen Tattooprints und Glitzersteinchen. Das wird selbst Frau Effenberg zu bunt. "Also der Stefan, der mag das ja. Je mehr Glitzer, desto toller. Sieht ja auch gut aus, der Stefan. Aber so mit Glitzer und so, das mögen ja eigentlich nur Schwule, oder?"

Überhaupt kann sie einem fast leid tun, diese von RTL als "ehemaliges Topmodel" titulierte Frau, die in erster Ehe mit dem ehemaligen FC-Bayern-Spieler Thomas Strunz verheiratet war. Sichtlich angestrengt versucht sich die 43-Jährige als wahnsinnig interessante und hippe Person dazustellen. Hin und wieder auch als tiefsinnige Philosophin. Etwa als das Ehepaar Effenberg zur Wohnungsbesichtigung in München an tristen Wohnblocks vorbeifährt. "Manche Leute wohnen in so 'nem Hochhaus und fühlen sich auch noch pudelwohl. Die haben echt keinen Geschmack". "Vielleicht können die sich einfach nichts anderes leisten", interveniert Effe scharfsinnig. Doch die Ex-Strunz überzeugt das nicht: "Ich könnte so ja nie wohnen. Wenn schon Hochhaus, dann im Grünen." Effenbergs strunzblöd.

Das zeigt auch die Szene, in der sich Claudia Effenberg ihr Leibgericht zubereitet: eine Fertig-Currywurst. Routiniert piekst die Mutter zweier Kinder mit einer Gabel Löcher in das Fertiggericht und erzählt einmal mehr, was für eine leidenschaftliche Köchin sie doch ist. "Und der Stefan auch." Ab in die Mikrowelle und fertig.

Zwischen Fertig-Currywürsten und Ed-Hardy-Glitzer

Sechs Wochen lang wird dieser Wahnsinn zwischen Fertig-Currywürsten und Ed-Hardy-Glitzer, der so langweilig ist, dass man sich noch nicht einmal schadenfroh darüber aufregen kann, jetzt also auf RTL weitergehen. Und wenn keine Nachbarinnen dazwischen kommen, werden Frau Ex-Strunz und Effe am Ende der Soap sinnloses Zeug brabbelnd und unfassbar schlecht angezogen in die ehemalige Villa von Bastian Schweinsteiger einziehen. Wer ihnen dabei zuschauen soll, ist fraglich. Denn welcher männliche Fußballfan interessiert sich schon für das Liebesleben der Effenbergs? Und noch unvorstellbarer: Welche Frau interessiert sich für Stefan Effenberg?

Der tapfere Zuschauer wird sich indes fragen, wie er sich überhaupt über die bisherigen Promi-Doku-Soaps aufregen konnte. Denn eins wird schon in der ersten Folge klar: Gegen das Proll-Pärchen mit Haargel-Fetisch aus Florida hätten Sarah Connor und Marc Terenzi den Deutschen Fernsehpreis als beste Doku-Soap verdient - mit Marcel Reich-Ranicki als Laudator.

"Effenbergs Heimspiel", sonntags, 19.05 Uhr, RTL


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