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"Sabine Christiansen: Mein 2008": Von der Quoten-Queen zur Quasselstrippe

Es war der erste TV-Auftritt nach ihrem Abschied vom Polit-Talk vor sechs Monaten. Mit "Sabine Christiansen: Mein Jahr 2008" kehrte die Quoten-Queen von einst ins ARD-Abendprogramm zurück, um einen Ausblick auf 2008 zu geben. Klarer Trend: Es wird nicht das Jahr der Christiansen.

Von Katharina Miklis

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Im Jahr 2008 sind das zum Beispiel die Olympischen Spiele in Peking, die Fußball-EM, die Präsidentschaftswahlen in den USA oder große Kino-Premieren wie der Stauffenberg-Streifen "Walküre". Ganz schön viele Großereignisse für eine 90-minütige Sendung. Da muss man sich entweder auf Schwerpunkte konzentrieren oder alle Ereignisse mitsamt der rund 50 Promis, die zu den einzelnen Themen geladen waren, im Affentempo durch die Sendung prügeln. Bei der ARD entschied man sich für Letzteres und gegen den Verstand.

Kuddelmuddel der Zukunfts-Visionen

Es lag nicht an der Auswahl der Gäste, die Sabine Christiansen geladen hatte, dass der Abend für die versierte Talk-Lady von einst nach hinten los ging. Modedesigner Wolfgang Joop, Bestseller-Autor Henning Mankell, Wohltäter Karl-Heinz Böhm, Daimler-Chef Dieter Zetsche, Fußball-Manager Oliver Bierhoff, Rennfahrer Mika Häkkinen und Schauspieler wie Moritz Bleibtreu und Geraldine Chaplin... Sie alle waren gekommen, um Prognosen für das Jahr 2008 abzugeben. Welche Trends sind zu erwarten? Was wird uns in Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Medizin bewegen? Wolfgang Joop träumt vom "unentdeckten Underground in Berlin", Daimler-Chef Zetsche vom "Kampf gegen die Arbeitslosigkeit". Schauspieler Michael Mendl will sich um Orang Utans kümmern, Reinhold Messner weiter gegen den Klimawandel ankämpfen. Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick freut sich auf ihren Job als ARD-Moderatorin bei der Olympiade und Dr. Dietrich Grönemeyer auf seine Arbeit mit Kindern an deutschen Schulen. Das sind viele Träume und Visionen für 90 Minuten. Zu viele.

Noch mehr Eisbärenbabys und den Weltfrieden für 2008

Michael "Bully" Herbig macht es richtig und nimmt die Show der vagen Zukunfts-Vermutungen mit Humor. Er wünscht sich für 2008 "noch mehr Eisbärenbabys, den Weltfrieden und einen Titel auf dem Playboy".

Christiansen lacht überdreht. Sichtbar unwohl fühlt sie sich in der Rolle der smalltalkenden Plaudertasche. Wenn die 50-jährige Grande Dame, die zehn Jahre lang den Polit-Talk in Deutschland anführte, plötzlich versucht witzig zu sein, angestrengt nach flapsigen Sprüchen sucht und wie ein aufgedrehter Teenager herumgluckst, dann möchte man nur noch Wegschalten. Sie ist einfach nicht in ihrem Element. Gäste werden abgewürgt, Worte gesucht, das Lächeln ist verkrampft.

Zwischen trockenen Politik-Prognosen von Focus-Herausgeber Helmut Markwort und dem luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker werden krebskranke Kinder oder die kleinen Akrobaten vom Chinesischen Nationalcircus geschoben. Hellseherische Kräfte à la Uri Geller beweist Wetterfrosch Jörg Kachelmann, der sich an einer Wetter-Prognose für das gesamte Jahr 2008 versucht, sowie auch "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel, die für 2008 eine Hochzeit zwischen Carla Bruni und Nicolas Sarkozy prognostiziert. Per Video-Einspielung verrät Kanzlerin Angela Merkel, dass auch in der Politik alles anders bleibt. Und das alles in einem derart hohen Tempo, dass einem schwindelig werden könnte, wenn man nicht schon nach zehn Minuten auf Durchzug gestellt hätte.

Fazit der völlig belanglosen Freitagabend-Show: 2008 wird bestenfalls ein Jahr mit einem EM-Titel für unsere Nationalmannschaft, vielen Medaillen, ein Jahr mit sinkenden Arbeitslosenzahlen, mehr Sommer aber weniger Erderwärmung, packenden Kino-Erlebnissen... Und - wenn es ganz gut läuft - ein Jahr ohne Sabine Christiansen.