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"Serenade für Fanny" Helene Fischer, Oma und ein Oscar-Gewinn – ein berührender Film über zwei Frauen

"Serenade für Fanny"
Szene aus "Serenade für Fanny": Alex geht mit ihrer Großmutter Fanny in den Fellbacher Weinbergen spazieren.
© SWR/Oma Inge Film/Monika Plura
Enkelin Alexandra wurde für den Studenten-Oscar nominiert und fliegt nach Los Angeles, Oma Fanny soll das passende Kleid nähen: Der Dokumentarfilm "Serenade von Fanny" zeigt das liebevolle Porträt zweier Frauen und ihrer unterschiedlichen Lebenswege.

Auch im Alter hat man noch Träume. Die 91-jährige Fanny etwa träumt davon, dass ihr großes Idol Helene Fischer auf eine Tasse Kaffee bei ihr vorbei kommt. Ihre Enkelin Alexandra ist der Erfüllung ihres Traumes dagegen ein gutes Stück näher gekommen: Sie möchte mit einem von ihrer Großmutter selbstgeschneiderten Kleid bei den Studenten-Oscars in Los Angeles über den roten Teppich laufen. Tatsächlich wird sie für den von ihr produzierten Kurzfilm "Sadakat", ihren Abschlussfilm für die Hamburg Media School, nominiert und erhält die Einladung nach Amerika.

Die Monate bis zur entscheidenden Preisverleihung bilden den Rahmen des Dokumentarfilms "Serenade für Fanny", in dem es um weit mehr geht als den Sommer 2015: Er spannt einen weiten Bogen zurück bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts und erzählt am Beispiel von Alex und ihrer Großmutter von zwei unterschiedlichen Lebenswegen, den Frauen zu verschiedenen Zeiten beschritten haben. Als sie 29 und damit so alt war wie ihre Enkelin, erinnert sich Oma Fanny, war sie bereits verheiratet und hatte zwei Kinder. 64 Jahre war sie schließlich mit ihrem Mann Herbert verheiratet, seit seinem Tod 2011 lebt sie allein. 

Zwei Frauen und die Frage von Beruf und Karriere

Wie bei so vielen Frauen aus dieser Generation ging ihr privates Glück auf Kosten ihrer beruflichen Karriere. Trotz eines Meisterbriefes war Fanny Zeit ihres Lebens Hausfrau. Ihre Enkelin beschreitet dagegen einen anderen, konträren Weg: Sie hat es mit 29 Jahren bis zu den Studenten-Oscars geschafft, privat ist dafür noch kein Mann in Sichtweite, mit dem sie ihren Familienwunsch wird erfüllen können.

In vielen Gesprächen sprechen die mehr als sechs Jahrzehnte auseinanderliegenden Frauen über ihre Lebensentwürfe. Wer die hitzigen Debatten im Netz gewöhnt ist, wird staunend beobachten, dass man auch ganz anders über unterschiedliche Biografien reden kann. Beide Frauen bewerten einander nicht für ihre Entscheidungen, sondern beobachten den jeweils anderen Lebensweg mit großer Sympathie und Wertschätzung.

Ein Film von Alexandra Staib und Monique Marmodée

"Serenade für Fanny" (Regie: Monique Marmodée, Produktion: Frauke Kolbmüller) ist ein ungemein warmer und berührender Film geworden, der weit mehr als die Geschichte von zwei Frauen erzählt - und andeutet, wie sich die Möglichkeiten, aber auch die Zwänge für Frauen in den letzten 70 Jahren verändert haben. Die Idee dazu stammt von Alexandra Staib, die mittlerweile Redakteurin in der ZDF-Redaktion Fernsehspiel ist. Hier hat sie ihrer Großmutter ein filmisches Denkmal gesetzt.

Am Ende wird nur einer von beiden Träumen erfüllt - und doch sind beide Frauen glücklich, die Großmutter wie die Enkelin. Auch Helene Fischer wird sich gemeldet haben. Und die Zuschauer könnten Lust bekommen, ihre Eltern oder Großeltern anzurufen. "Wenn der Film dazu beiträgt, dass man nach dem Anschauen das Bedürfnis hat, sich bei seiner Familie zu melden, dann haben wir unser Ziel erfüllt", sagt Staib über den Film. 

Der Dokumentarfilm "Serenade für Fanny" wird am Donnerstag, 28. Januar 2021, um 23.15 Uhr im SWR Fernsehen ausgestrahlt. Anschließend ist er ein Jahr lang in der ARD Mediathek abrufbar.


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