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"The Masked Singer" SMS von Bülent: Der Frosch ist ein Doofer

Hat ausgequakt: Der Frosch auf der Bühne der ProSieben-Show "The Masked Singer"
Hat ausgequakt: Der Frosch auf der Bühne der ProSieben-Show "The Masked Singer"
© Willi Weber / ProSieben / DPA
Ein Promi im Karton, das Beste von Modern Talking, eine Sprachnachricht von Mutter Ceylan und die Tote aus der Themse – mit Elton als Gastjuror kratzte die vierte Runde beim Mummenschanz-Wettsingen auf ProSieben am Rande der Scharfsinnigkeit.
Von Ingo Scheel

Achtung, hier kommt ein Karton! An den Anfang hatten die Showmacher traditionell das Grande Entrée des Dritten im Jury-Bunde gestellt, und der stolperte dieses Mal aus einem mannshohen Pappkarton: Allzweckwaffe Elton. Kürzlich füllte der Mann noch einige Spalten vornehmlich Hamburger Medien mit unschönen Nachrichten. Die Kicker vom FC St. Pauli hatten ihm eine Video-Grußbotschaft zum "1,2 oder 3"-Jubiläum gepostet, nach aufflammendem Fanprotest aber gleich wieder gelöscht. Der Vorwurf: Elton solle sich in seinen Sendungen wiederholt sexistisch geäußert haben. 

Beim "Masked Singer" dieses Mal keine Spur von "Rein und raus"-Spielchen, lediglich sein T-Shirt präsentierte nackte Tatsachen. Alles halb so slim also? Zumindest für die gut dreineinhalb Stunden, die folgen sollten, denn da hatte insbesondere der ewige Raab-Prakti das Recherche-Stiftchen bestens angespitzt und bildete so einen willkommenen Kontrapunkt zur Namensroulette-Bazooka, die Bülent Ceylan sonst so im Anschlag hat.

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Elton hebt das Rate-Niveau in ungewohnte Höhen.

Gesanglich bekamen es zum Auftakt gleich drei Kandidaten miteinander zu tun. Der Frosch gegen den Anubis gegen die Erdmännchen. Musikalisch ging das direkt zur Sache, wann kommt man als Normalsterblicher schon mal in den Genuss eines Modern-Talking-Medleys: "You’re My Heart, You’re My Soul", "Cherie Cherie Lady" und "Brother Louie" waren dabei, oder wie Elton vermerkte: "Medley? Ich hab’ nur ein Lied gehört." Und während Sonja Zietlow das O-Bein der Nation, Pierre Littbarski, im Froschkleid wähnte, brachte Bülent Ceylan den "Doofen", Wigald Boning, ins Spiel, was Elton mit einigen Bademeister-Details, wie etwa Bonings Bodensee-Durchschwimmung, untermauerte. Überhaupt hob Elton das Rate- und Recherche-Niveau in ungewohnte Höhen.

Während Ceylans Namenseinwürfe zuweilen wie aus übriggebliebenen Glückskeksen vorgelesen wirkten, saß hier einer, der seine Hausaufgaben gemacht hatte. Da wurde beim Anubis aus einem Duell-Indiz, einer Schreibmaschine und der "späten Stunde" der Late-Night-Talker Klaas Heuer-Umlauf, führte ein bolivianischer Reiseführer beim Alien zu Rolando Villazon und destillierte Elton später noch aus dem Londoner Chic und den schwebenden Träumen der Katze die Unternehmerin Judith Williams heraus. Nun gut, könnte man jetzt sagen, das muss ja alles nicht stimmen. Das ist wohl richtig, müsste man da zähneknirschend entgegnen, dennoch: Eltons scharfsinnige Herleitungen und Denkspielchen machten Spaß.

Was man von den gesanglichen Vorträgen, mit leichten Abstrichen da und dort, durchaus ebenso behaupten konnte. Dem Anubis stand Bon Jovis "It’s My Life" so gut zu Gesicht, dass Ceylan erneut das Haar herabließ, um zu headbangen, was er "bei Bon Jovi sonst nie tut". Entsprechend durchgeschüttelt seine Verdachtsmomente: Das müsse definitiv ein Metaller sein, konstatierte der Comedian, und landete schließlich bei Paul Janke. Oder Mark Medlock. Up The Irons, um es mit Maiden zu sagen. Nachdem Sonja Zietlow ihren alten Dschungel-Kumpel Thorsten Legat, gefolgt von Jürgen Vogel, als Anubis-Alter-Egos aus dem Hut zog, ging es bei den Erdmännchen schließlich mit Queen weiter. Bei deren "I Want To Break Free" führte für Bülent Ceylan kein Weg an Jana Ina und Giovanni Zarella vorbei, während Elton sich in die Katzenberger/Cordalis-Fraktion einreihte, letzteres ein Tipp mit zunehmend geringer Gewinnquote an den Wettschaltern.

Der Frosch hat ausgequakt

Anschließend setzte sich das Alien mit einer Balladenversion von "Wrecking Ball" gegen die Katze mit "I Am What I Am" durch. Noch ein Stück unterhaltsamer als deren solide Songvorträge war das, was Bülent Ceylans Mailbox zu bieten hatte. Darauf nämlich war seine Mutter Hilde zu hören, die von der Show schwärmte und mutmaßte, bei der Katze könne es sich nur um die Dings, na, sag’ mal schnell, wie heißt sie noch … Vicky Leandros handeln. Stichwort Grande Dame: Sonja Zietlow wähnte Iris Berben unterm weißen Fell. Später machte auch noch der Name "Muschi Glas" (Mathias Opdenhövel) die Runde, Elton bot dazu Faktisches an, zitierte Edgar Wallace und stellte qua "Die Tote aus der Themse", mit eben jener Uschi Glas im Cast, auch noch filmhistorisches Wissen unter Beweis.

Klassischerweise tauchte das Skelett erst im letzten Duell auf und zog erneut sämtliche Knochenregister, diesmal im Kampf gegen das Nilpferd. Whitney Houstons "I Have Nothing" kratzte tatsächlich in einigen Parts ganz dicht am Original, während das Nilpferd sich an "Empire State Of Mind" etwas verhob, sodass die Jury sich nicht recht entscheiden konnte, ob es sich nun um Nelson Müller oder Oli P., um Haddaway oder vielleicht doch um Lou Bega handeln könnte. Qualität hin, hohe Töne her, auch beim Skelett tappt man noch im Dunkeln, auch wenn sich hier der Trend zur Girlgroup abzeichnete und Namen wie Mandy Capristo, Sandy Mölling und Sarah Lombardi die Runde machten.

In die Extratime mussten am Ende die Katze, das Nilpferd und der Frosch, wobei der grüne Gefährte schließlich ausgequakt hatte. Die Jury lag dabei einstimmig richtig, auf Wigald Boning tippten die drei Juroren unisono. Und siehe da, der einstige "Doofe" war es tatsächlich, der völlig verschwitzte Comedian kam unterm Froscheshaupt hervor. Etwas pikant schließlich das Detail, dass Ceylan wohl Boning unter der Woche eine SMS geschickt hatte, "Du bist es doch, oder?", soll sie gelautet haben. Boning, ganz der Doofi,Verzeihung, der Profi, ließ die Nachricht unbeantwortet. Ob das nun okay ist – oder vielleicht doch gegen die Show-Statuten verstößt – darüber kann uns in der nächsten Sendung ja vielleicht Mutter Hilde aufklären.


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