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"Wetten, dass...?": Thommy ersetzt Melone durch Pumps

Ein quakender Lionel Ritchie, eine zeternde Susanne Fröhlich und eine schmachtende Nelly Furtado - so richtig Glanz in einer trüben "Wetten, dass...?"-Show konnte nur ein Oscar-Preisträger versprühen. Thomas Gottschalk hielt zwar die Hände still, doch eine Ankündigung von ihm lässt Schlimmstes befürchten.

Von Björn Erichsen

Dem treuen "Wetten, dass...?"-Zuschauer bleibt derzeit nur wenig erspart. Viel zu frisch sind noch die Bilder, wie sich Thomas Gottschalk im Borat-Kostüm in den Bodensee stürzte. Doch Gottschalk wäre nicht eine lebende TV-Legende, würde er nicht versuchen, auch das noch einmal zu toppen. Und so kündigte er am Samstagabend nach verlorener Stadtwette an, sich in der nächsten Show mit Perücke, Pumps und angeklebten Nägeln nach und nach in eine Frau verwandeln zu wollen.

Es wäre an den Dortmundern gewesen, das noch zu verhindern. Doch selbstverständlich schafften sie es, 50 gut gebaute Kerle aufzubieten, die als lebende Oscars für Erfolgsregisseur Florian Henckel von Donnersmarck Spalier standen. Es wehte ein kleiner Hauch von Hollywood über den Dortmunder Friedensplatz, als der Oscar-Gewinner an der Seite von Ralf Möller all die kahlrasierten und goldbemalten Männer abschritt, die mit ihren Zierwaffen und Wischmobstielen posierten.

Ein seltener Höhepunkt in einer ziemlichen trüben Show, die von internationalem Flair etwa so weit entfernt war, wie der Ruhrpott von Los Angeles. Der hochgewachsene von Donnersmarck durfte es sich als Erster auf Gottschalks Riesencouch bequem machen und konnte angesichts der mitgebrachten Trophäe nur milde lächeln, was seine Kollegen Sebastian Koch/Sophie von Kessel, Bastian Pastewka/Joachim Fuchsberger und Christine Neubauer/Susanne Fröhlich immer pärchenweise an Filmen präsentierten: "Rennschwein Rudi Rüssel 2", "Neues vom Wixxer", "Moppel-Ich". Na ja.

Richie singt mit Helium

Für ein bisschen Glanz sorgten zumindest die sympathischen Auftritte von Tenor Rolandó Villazon und Sänger Lionel Richie, der nach verlorener Wette eine ordentliche Prise Helium inhalierte und sein "Hello", erst etwas widerwillig, dann mit viel Spaß daherquakte. Er klang dabei sogar ein klein wenig wie Herbert Grönemeyer, der seine neue Single zum Besten gab und als einziger für echten Jubel in der Westenfalle sorgte. Er bedankte sich mit reichlich Lokalkolorit. "Hier im Ruhrpott muss man sich immer auf Neue beweisen."

Gottschalk sollte das nicht gelingen. Die alberne Melone, die er in Kombination mit enger Lederhose und riesigen Cowboystiefeln zu Beginn auf dem Kopf hatte, nahm er - angeblich auf Zuschauerwunsch - nach kurzer Zeit schon wieder ab. Insgesamt wirkte der Entertainer fahrig und schoss zwei richtige Böcke, indem er Bierdosen gedankenlos als "Hartz IV-Stelzen" bezeichnete und im Gespräch von Donnersmarck auch noch bedauerte, dass Erich Mielke "Das Leben der Anderen" nicht mehr erlebt habe. Nach der Kritik einer Zeitung in der vergangenen Woche, die ihn als "Grapscher" enttarnt hatte, war er sichtlich bemüht, seine Hände still zu halten - so gut er das eben kann.

"Wetteinsätze müssen härter werden"

Wie man erfolgreich grapscht, demonstrierte ein 14-Jähriger, der seine Mitschüler durch bloßes Betasten ihrer Ohren erkannte. Die übrigen Wetten passten sich dem Niveau der Show nahtlos an und gingen - vom Dosenbesteigen übers Kotflügelklopfen bis zum Funkenfarben-Erkennen - allesamt verloren. So gewann am Ende mit deutlichem Abstand ein Mann, dem es nicht gelungen war, 25 von 54 Spielkarten in einen Basketballkorb zu werfen. Gottschalks Appell am Schluss, man möge doch Wetten schicken, klang da wie ein ernstgemeinter Hilferuf.

Nur noch einmal erwachte der Zuschauer aus dem Dämmerschlaf: "Die Wetteinsätze müssen härter werden" hatte Gottschalk vor der Show gefordert, und so bat er nicht nur Pastewka und Fuchsberger im Nachthemd auf die Bühne, sondern auch Fröhlich gemeinsam mit sich und Neubauer auf die Waage. Dabei zeterten die beiden "Vollweiber" auf Wohlfühlmission derart wüst (Fröhlich "Der Anzug ist aus Stahl..."), dass jeder kurvigeren Frau, die mit ihrem Gewicht eigentlich ganz zufrieden ist, Angst und Bange gewesen sein dürfte. Wer welchen Anteil an den vom Trio erreichten 267 Kilogramm hatte, lässt sich nur erahnen.

Mehr Schwergewichtiges war nicht und so konnte man wirklich bedauern, dass Gottschalk einen guten Vorsatz nicht eingehalten hat. Er wolle nicht mehr überziehen, hatte er vor der Show angekündigt. Zwar war Gottschalk mit etwas mehr als einer halben Stunde am Samstagabend von seinem eigenen Rekord von 73 Minuten noch etwas entfernt - dennoch wäre man an diesem Abend über ein pünktliches Ende dankbarer gewesen denn je.