"Zodiak" Alexandra, rette uns!


Lisa Plenske aus "Verliebt in Berlin" ist längst in der Südsee, jetzt schickt Sat.1 seinen Star Alexandra Neldel als unschuldige Junganwältin auf Mörderjagd in die Wiener High Society. Doch wer beim Vierteiler "Zodiak" auf einen flotten Thriller hofft, wird schnell enttäuscht.
Von Peer Schader

Alles muss man selber machen! Kaum hat Alexandra Neldel ihre Sender mal ein paar Monate allein gelassen, schon hängt bei Sat.1 der Haussegen schief. Der Geschäftsführer ist gegangen, dann ist gleich die ganze Sendergruppe von Heuschrecken übernommen worden und - zack! - jetzt ist sogar das schöne Boulevardmagazin "Sat.1 am Mittag" weg, weil Kosten gespart werden sollen. Alles läuft schief. So ein Mist.

Dabei ist es gerade mal anderthalb Jahre her, dass Neldel als Lichtgestalt im Vorabendprogramm des Senders auftauchte und die Zuschauer im Handumdrehen als treudoofe Dorfnudel mit Zahnspange und künstlichen Fettpolstern verzauberte. Alle wollten sehen, wie Serienstar Lisa Plenske ihren Chef kriegt. Als Neldel dann vor einem Jahr bei "Verliebt in Berlin" ging, hat sie die Glückssträhne von Sat.1 gleich mitgenommen. Mitte Oktober trennt sich der Sender nun endgültig von seiner Telenovela, bei der die Quoten längst enttäuschend sind.

Gutmädchen auf Mörderjagd

Jetzt ist Neldel wieder da - und soll mit dem Vierteiler "Zodiak" Sat.1 dabei helfen, endlich mal wieder was richtig zu machen. Das dürfte nicht ganz leicht werden: Neldel spielt zwar wieder die gutgläubige Außenseiterin, die sich diesmal nicht durch den harten Alltag eines hippen Modelabels ackern muss, sondern durch eine von Ehrgeiz zerfressene Großfamilie. Das ist aber deutlich komplizierter als so eine Telenovela. Und auch nicht ganz so heiter.

Nach 27 Jahren will der Wiener Bankier Gabriel Fischer-Hellwarth (gespielt von Friedrich von Thun) der Familie seine uneheliche Tochter Esther (Neldel) vorstellen. Die ist längst erfolgreiche Anwältin in Übersee und wundert sich ein bisschen, dass der Papa plötzlich so viel Zuneigung zeigt. Doch bevor es zur offiziellen Familienerweiterung kommt, passiert ein fieser Mord. Prompt kommt Kommissar Anton Keller in seinem silbernen Audi angebraust und nimmt die Sache in die Hand. Aber die Fischer-Hellwarths mögen Keller nicht, weil der früher schon mal wegen Steuerhinterziehung gegen sie ermittelt hat. Überhaupt mögen die Fischer-Hellwarths eigentlich gar niemanden, nicht einmal sich selbst, weil jeder dem anderen den Erfolg missgönnt.

Zu allem Unglück hinterlässt der Mörder merkwürdig verschlüsselte Botschaften mit Tierkreiszeichen, die die nächsten Morde ankündigen. Nach und nach wird schließlich entführt und gemeuchelt bis zum Schluss kaum noch einer übrig ist. Neldel steht als unschuldiges Gutmädchen dazwischen und ermittelt auf eigener Faust, was hinter der Rache-Aktion stecken könnte.

Ermüdende Familiensaga

Den Sat.1-Vierteiler "abendfüllend" zu nennen, wäre in etwa so wie Thomas Gottschalk zu unterstellen, er schätze den gelegentlichen Körperkontakt zu seinen weiblichen Gästen: maßlos untertrieben. "Zodiak" ist quasi abendsprengend. Und das bedeutet leider auch: viel zu ausführlich und verworren. Wer auf einen flotten Thriller hofft, wird enttäuscht. Stattdessen hat sich Sat.1 eine ermüdende Familiensaga ins Programm zimmern lassen, die da genauso wenig reinpasst wie der Vierteiler "Blackout" im vergangenen Herbst, mit dem der Sender baden ging.

Anders als der düstere Krimi im Berliner Drogenmilieu ist die Mordserie im österreichischen Villenviertel leider auch nur halb so spannend. In jedem der vier Teile hetzt Neldel durch dunkle Holzhütten und verlassene Parkhäuser, in denen - welch Überraschung! - ein Verfolger lauert. So richtig in Fahrt kommt die Geschichte erst nach vielen, vielen Verstrickungen. Und irgendwann ist man es als Zuschauer leid, weiter den falschen Fährten zu folgen, die von den Machern ausgelegt wurden, um in die Irre zu führen.

Zu bodenständig fürs Mystery-Genre

Na gut, es ist eine schöne Idee, so einen Film mal nicht in den üblichen deutschen Großstädten spielen zu lassen, sondern in Wien. Und dass fast jeder in der Familie ein düsteres Geheimnis mit sich herum trägt, ist ebenfalls ganz clever erzählt. Wozu es jedoch die dämlichen Botschaften mit den Tierkreiszeichen braucht, will sich einem bis zum Schluss nicht so recht erschließen. Fürs Mystery-Genre ist "Zodiak" zu bodenständig, und für einen sauberen Thriller zu sehr mit Pseudo-Grusel angereichert. Dass Neldel sich in ihrer Rolle als Esther dann auch noch in den Kommissar verknallt, ist dann doch ein bisschen dick aufgetragen.

Wie "Zodiak" ausgeht, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden - und das ginge ja auch gar nicht, weil Sat.1 in der Version, die vorab an Journalisten verschickt wurde, einfach das Ende gekappt hat. Vermutlich aus Angst, dass die nervigen TV-Kritiker ihrem Publikum sonst den ganzen Spaß verderben könnten. Stattdessen kommt nach fast sechs Stunden ein Schwarzbild mit der Frage: "Wer ist der Zodiak?"

Liebes Sat.1, liebe Alexandra Neldel: Eigentlich ist uns das schnurzegal. Wir wüssten viel lieber, wie es Lisa Plenske mit ihrem Schwarm David so in der Südsee geht.

Sat.1 zeigt "Zodiak - Der Horoskop-Mörder" am 3. und 4. September sowie am 10. und 11. September jeweils um 20.15 Uhr. Der Vierteiler entstand nach dem Vorbild der französischen Miniserie "Zodiaque" (und hat nichts mit David Finchers Film "Zodiac - Die Spur des Killers" zu tun).


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