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Interview

Alexandra Neldel und Kai Wiesinger: "Ich habe mich noch nie wegen zu viel Alkohol übergeben" - "Ist das dein Ernst?"

In der Verwechslungskomödie "Takeover – Voll vertauscht" müssen sich Alexandra Neldel und Kai Wiesinger mit dem Nachwuchs herumärgern. Ein perfekter Anlass, um mit den beiden über ihre eigenen Erinnerungen aus der Teenagerzeit zu sprechen.

Alexandra Neldel und Kai Wiesinger

Schauspielerin Alexandra Neldel und ihr Kollege Kai Wiesinger

Picture Alliance

Welche Musik lief in Ihrer Teenagerzeit auf dem Walkman?

Neldel: Also ich war ein totaler Bros-Fan. 

Wiesinger: Bros? Von denen habe ich noch nie was gehört. Das ist total an mir vorbeigegangen.

Neldel: Echt? Das war doch eine der ersten modernen Boy-Groups – die noch vor Take That oder den Backstreet Boys Erfolg hatten. Den Superhit "When Will I Be Famous?" musst du doch noch kennen. Ich fand den Look der Jungs so toll und bin deshalb oft in hellblauen Jeans rumgelaufen, habe dazu weißes T-Shirt, James-Dean-Gürtel, Lederjacke und Doc Martens getragen. 

Wiesinger: Und ich hatte damals alle Platten der italienischen Sängerin Alice – weniger wegen der Musik, sondern weil ich die Frau einfach unglaublich toll und schön fand.

Musste man als Teenie bestimmte Bands, Stars und Styles cool finden, um dazuzugehören? Stichwort: Gruppenzwang.

Neldel: Ende der Achtzigerjahre waren nur meine beste Freundin Katharina und ich so angezogen. Von Gruppenzwang würde ich also eher nicht sprechen, zumal die anderen Mädchen in unserer Klasse damals fast alle A-ha-Fans waren. Bros galt dagegen eher als uncool. Aber das war ok! Wir hatten uns. Und unsere Dauerwellen.

So richtig gemeine Achtzigerjahre-Dauerwellen?

Neldel: Vom Allerschlimmsten! Das waren meine ganz persönlichen Bad-Hair-Days. Ich hatte nämlich schon eine Naturwelle und die in Kombination mit einer Dauerwelle ist eine ganz miese Idee! Ich sah aus wie Momo - und hatte als Zugabe auch noch eine feste Zahnspange.

Wiesinger: Die hatte ich auch.

War man da in der Schulzeit nicht das willkommene Lästeropfer?

Neldel: Das hielt sich bei mir zum Glück sehr in Grenzen. Zahnspangen hatten bei uns viele in der Klasse und außerdem ist mir so ein fieser Außenbogen erspart geblieben. So hat der Coolste der Schule sogar mal zu mir gesagt, dass ich bestimmt ganz hübsch werde, wenn das Teil denn wieder draußen ist. Immerhin.

Mobbing war demnach kein Thema?

Neldel: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir einen auf der Schule hatten, der wirklich gemobbt wurde. Hat man damals überhaupt schon "mobben" gesagt?

Wiesinger: Das Wort gab es damals noch nicht. Früher haben sich die Kinder auf dem Schulhof ja gegenseitig auch geärgert, geschubst, böse Wörter an den Kopf geworfen oder auch mal geprügelt. Das war grundsätzlich aber kein großes Drama, allerdings auch eine ganz andere Zeit. Der Umgang untereinander ist brutaler geworden und die sogenannten "sozialen Medien" verschlimmern die Situation zusehends. Unterdrückung und Quälereien haben ein ganz anderes Ausmaß angenommen. Das geschärfte Bewusstsein dafür zieht aber auch manch verfrühte Mobbinganschuldigung mit sich.

Sind das also übertriebene Reaktionen?

Wiesinger: Wir leben meiner Meinung nach in einer bigotten, merkwürdig politisch korrekten Welt und werden dadurch in unserem täglichen Miteinander immer verkrampfter. Emotionen übertünchen Fakten und erschweren es, Dinge differenziert beurteilen zu können. Früher hat man sich auf dem Schulhof natürlich auch gegenseitig geärgert und es haben sich Gruppen gebildet – aber alles war überschaubar. Und man hat sich von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden.

Neldel: Wobei man dabei natürlich nicht verschweigen darf, dass es durch die Digitalisierung heute ganz andere Möglichkeiten gibt, Mitschüler auszugrenzen oder seelisch zu verletzen. Da muss man unbedingt differenzieren!

Wiesinger: Das stimmt! Man wird anonym fertiggemacht. Und deshalb bin ich auch heilfroh, dass ich in der heutigen Zeit kein Teenager sein muss. Dem Druck, dem junge Menschen im Jahr 2020 ausgesetzt sind, gab es bei uns nicht ansatzweise. Ich finde es schlimm, wie durch soziale Netzwerke zum Beispiel Instagram und Co. heute permanent Status, Leben, Aussehen miteinander verglichen werden. Die Kids werden in den sogenannten "sozialen Medien" geradezu bombardiert mit vermeintlich viel tolleren, cooleren und schönen Menschen, die ein perfektes Leben führen. Das ist extrem ungesund – für Erwachsene und vor allem für Kinder!

Haben Sie als Teenager auch mal mit Klamotten experimentiert, Herr Wiesinger?

Wiesinger: Also ich bin bei dem Thema raus. Shoppen gehen zählt für mich nämlich bis heute zu den Höchststrafen. Es musste immer sehr schnell gehen und die Klamotten mussten praktisch sein. Deshalb hat meine Mutter für mich gerne Lacoste-Hemden gekauft, weil die sich so gut waschen ließen.

Neldel: Stimmt, und die musste man auch nicht bügeln.

Wiesinger: Genau! Und weil ich fast nur mit den Teilen rumlief war ich in den Augen vieler anderer Teenager ein Popper – ohne, dass mir diesem Umstand auch nur ansatzweise bewusst war. Als ich aber zur Schauspielschule nach München kam, gingen solche Klamotten gar nicht.

Neldel: Und dann? Hast du auf jedem Shirt das Label überklebt?

Wiesinger: Ich habe es überall rausgeschnitten. Klamotten mit Löchern wurden da eher akzeptiert als Krokodile. Und nach meiner Alice-Phase habe ich ziemlich schnell zu Rockmusik à la Creedence Clearwater Revival und Heavy-Metal-Sounds wie zum Beispiel von Metallica gewechselt. Das ist bis heute so geblieben. Blöd war für mich damals nur, dass man mir mein Rock-Faible so gar nicht angesehen hat. Wenn ich auf ein Metal-Konzert ging, haben die anderen… 

Neldel: …alle Headbanging gemacht und du hast perfekt frisiert, mit Seitenscheitel und Lacoste-Shirts an der Seite gestanden und zugeschaut?

Wiesinger: Immerhin waren meine Shirts zerschnitten. Optisch passte ich aber natürlich trotzdem nicht wirklich zu den Metal-Fans. Aber das hat mir nie etwas ausgemacht. Ich habe mich nie einer Gruppe zugehörig gefühlt und war immer autark. Wobei mir gerade einfällt, dass ich einen Modetrend doch mitgemacht habe: Ich fand eine Zeit lang in Chlorreiniger eingelegte und ausgeblichene Hosen ziemlich cool.

Kai Wiesinger und Alexandra Neldel in einer Szene des Films "Takeover - Voll vertauscht"

Kai Wiesinger und Alexandra Neldel in einer Szene des Films "Takeover - Voll vertauscht"

Können Sie sich beide noch an den ersten Alkohol-Absturz erinnern?

Neldel: Also ich habe mich in meinem Leben noch nie wegen zu viel Alkohol übergeben. 

Wiesinger: Ist das dein Ernst?

Neldel: Mein voller Ernst! Zum letzten Mal habe ich mich im Alter von neun Jahren übergeben. Auf dem Ponyhof. Natürlich kenne ich das Gefühl, so richtig einem im Tee zu haben – aber bis zum Kontrollverlust ist es bei mir nie gekommen. Dazu habe ich viel zu sehr Angst davor, was nach einem Filmriss so alles passieren könnte. Mein erstes Mal mit zu viel Alkohol weiß ich aber noch genau: Zur Konfirmationsfeier gab's grüne Wiese, das ist so ein fieser, extrem süßer Cocktailmix aus Blue Curacao, Orangensaft und Sekt.

Wiesinger: Ich würde gerne viele Nächte in meinem Leben für immer vergessen, in denen ich früher Toilettenschüsseln umarmt habe.

Neldel: Ach, tatsächlich?

Wiesinger: Ich hatte zwar auch nie einen Filmriss und bin deshalb morgens in einer Badewanne aufgewacht. Und das erste Mal, dass ich mich wegen zu viel Alkohol übergeben musste, weiß ich nicht mehr – dafür erinnere ich mich aber noch an das letzte Mal. Das Gefühl, über einer Kloschüssel zu warten, ist mir aus meinen jungen Jahren wahnsinnig vertraut.

Wanderhure und GZSZ: Was macht eigentlich Alexandra Neldel?

Sie waren demnach Wiederholungstäter?

Wiesinger: Ja, ich könnte die verschiedenen Modelle allein an der Außenform erkennen. Ich könnte sofort sagen, ob es sich um einen Flach- oder Innenspüler handelt – und noch vieles mehr. Da ist mir kaum etwas erspart geblieben und das brauche ich heute so gar nicht mehr. Vielleicht hätte ich früher einfach auch koksen sollen.

Warum das?

Wiesinger: Weil die Partygäste, die um mich herum gekokst haben, sich komischerweise nie übergeben mussten. Die waren zu späterer Stunde zwar auch auf dem Klo wie ich – aber aus einem ganz anderem Grund.

Neldel: Mach dir nichts draus! Dafür bist du doch mit deinen Drinks bestimmt billiger weggekommen.

Der Film "Takeover - Voll vertauscht" kommt am 2. Juli in die Kinos

Interview: Alexander Nebe