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Aleviten: Demonstration gegen Inzest-"Tatort"

Mehr als 10.000 Mitglieder der alevitischen Glaubensgemeinschaft haben in Köln gegen den "Tatort"- Krimi "Wem Ehre gebührt" demonstriert. Eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Krimis wegen Volksverhetzung wurde bereits erstattet.

Die Protestierenden machten schon vor dem offiziellen Beginn der Kundgebung ihrem Ärger mit Transparenten, Pfiffen und Buhrufen vor dem Kölner Dom Luft. "Wir wollen wissen, wie die Regisseurin zu ihrer Geschichte kam, wie sie recherchiert hat", sagte ein Sprecher der Alevitischen Gemeinde Deutschlands (AABF).

Zur Demonstration wurden rund 20.000 Teilnehmer erwartet. AABF-Generalsekretär Ali Toprak wollte sich am Sonntag im Funkhaus des Westdeutschen Rundfunks (WDR) mit einem Vertreter des Norddeutschen Rundfunks (NDR) treffen. Der NDR hatte die umstrittene "Tatort"-Folge produziert.

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Gläubige fühlen sich verunglimpft

Aleviten vertreten eine bestimmte Glaubensrichtung des Islams. Rund 20 Millionen Anhänger leben in der Türkei, etwa 700 000 in Deutschland. Die Berliner Gemeinde erstattete Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Krimis wegen Volksverhetzung. In dem Film mit Maria Furtwängler als Kommissarin geht es um einen Inzestfall in einer alevitischen Familie. Darin wird die Schwester einer Schwangeren umgebracht, weil sie zur Aufklärung beitragen will. Die Aleviten werfen den Filmemachern vor, uralte Vorurteile wieder aufleben zu lassen und zu bestätigen.

Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) warnte unterdessen vor einem "religiösen Kulturkampf". "Drehbuchautoren und Künstler müssen wissen: Gegenüber religiösen Gefühlen der Menschen, egal, um welchen Glauben es sich handelt, sind Respekt, Umsicht und Behutsamkeit geboten", sagte Steinmeier der "Bild am Sonntag". "Aber dieser Fernsehkrimi hat sich nicht allgemein mit den Aleviten beschäftigt, sondern mit einem Einzelfall. Er darf kein Anlass für einen religiösen Kulturkampf sein."

Der NDR hatte schon nach ersten Protesten betont, dass es in der "Tatort"-Folge nicht darum gegangen sei, religiöse Gefühle zu verletzen oder Vorurteile gegen die alevitische Glaubensgemeinschaft zu untermauern.

DPA