HOME

ARD-Film "Hannas Entscheidung": Frauen an den Hobel!

Der Film zur Frauenquote: Christine Neubauer kämpft in "Hannas Entscheidung" gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz. Der ARD-Film spielt zwar in der Nachkriegszeit, passt aber leider trotzdem zur aktuellen Debatte.

Von Katharina Miklis

Was ist das für ein Leben, wenn du was kannst und was willst und fleißig bist und alles nichts nützt, nur weil du eine Frau bist?" Ein Satz, der in diesen Tagen - vielleicht nicht ganz so emotional - auch von EU-Kommissarin Viviane Reding stammen könnte. Oder von einer der Millionen deutschen Frauen, die im Arbeitsalltag neben den männlichen Kollegen einstecken müssen. Die aktuelle OECD-Studie hat es ergeben: Nirgendwo in Europa bekommen Frauen so viel weniger Gehalt als Männer als in Deutschland.

Der Satz stammt aber von Christine Neubauer. In dem ARD-Film "Hannas Entscheidung" spielt sie eine Mutter, die für die Gleichstellung der Frau und gegen die Benachteiligung in einer Männerdomäne kämpft. Es ist der Film zur Quote. Zeitlich passt er ideal in die aktuelle Debatte - auch, oder gerade weil dieser Film eigentlich in einer Zeit spielt, die 60 Jahre zurückliegt.

Von der Kreissäge an den Kochtopf

Deutschland in den Jahren des beginnenden Wirtschaftswunders. Hanna Forster (Christine Neubauer) führt in der familieneigenen Tischlerei die Geschäfte ihres Mannes weiter, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg noch in russischer Gefangenschaft befindet. Sie liebt ihren Job, steht ihren Mann, und das, so flüstern die Dorfbewohner, sogar besser als ihr Gatte Karl (Edgar Selge). Doch dann kehrt dieser zurück, körperlich beeinträchtigt und traumatisiert von den Qualen des Krieges, und will seine Frau am liebsten sofort von der Kreissäge an den Kochtopf verweisen. Für das Heimchen am Herd will sich Hanna jedoch nicht mehr hergeben. Ihre Gesellenprüfung will sie ablegen und muss dafür reichlich Spott von den männlichen Kollegen und Schläge von ihrem Gatten einstecken, der sich in seiner Männlichkeit verletzt fühlt. "Was musst du ihm auch widersprechen", schimpft die Schwiegermama (Elisabeth Orth), frei nach dem Motto: Wo gehobelt wird, fallen Späne.

Um es vorweg zu nehmen: Es ist ein typischer Neubauer-Film. Das Thema Kriegstrauma und Emanzipation ist ambitioniert. Doch was nützt es, wenn es dann doch die Kuschelszenen im Heu gibt, das verträumte Haarebürsten im Negligé, Gugelhupfbacken einer Neubauer mit praller Wirtschaftswunderfigur (der Film wurde vor ihrem Diät-Wahn abgedreht). Da hilft es wenig, dass Selge so eindringlich den gebrochenen Heimkehrer spielt, der sich und sein altes Leben im Krieg verloren hat. Die Balance aus Heimkehrerdrama und Nachkriegsschmonzette wirkt an vielen Stellen reichlich konstruiert und überfrachtet. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Trümmerfrau der ARD

Das Interessante an dem Film von Friedemann Fromm ("Die Wölfe") ist jedoch der Bezug zur aktuellen Debatte. Man muss sich schon fragen: Hat sich in 60 Jahren denn wirklich so wenig getan? Letztendlich wird heute um die gleiche Frage debattiert, die Neubauer auch in dem Film umtreibt: Warum ist die Arbeit einer Frau weniger wert, als die eines Mannes? Auch Christine Neubauer, die sich in "Hannas Entscheidung" nach "Die Erntehelferin" und "Die Frau des Heimkehrers" zum dritten Mal als Trümmerfrau des deutschen Fernsehens gibt, ist nicht verborgen geblieben, dass da etwas nicht stimmt auf dem Arbeitsmarkt der heutigen Zeit. "Schauspielerinnen sind immer noch schlechter bezahlt als Männer mit vergleichbaren Rollen", sagte sie kürzlich in einem Interview. "Das empfinde ich als diskriminierend," so die 49-Jährige.

"Gehen sie und tun sie, wofür der Herrgott sie auf diese Welt geschickt hat", wird der scheiternden Schreinerin im Film bei der Gesellenprüfung gesagt. "Sorgen sie lieber für ihre Kinder und seien sie ihrem Mann eine gute Ehefrau." So würde das heute wohl kein Chef mehr sagen. Das ganz große Umdenken hat laut OECD-Studie aber auch noch nicht stattgefunden. Da muss schon mehr kommen, als eine Neubauer mit Holzhammer.