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Diskussion um weibliche Führungskräfte Kommissarin Reding verteidigt EU-Frauenquote


Aller Kritik zum Trotz bekräftigt EU-Kommissarin Viviane Reding ihre Forderung nach einer europaweiten Frauenquote. Dagegen sind die Frauen in CDU und CSU bei dem Thema tief gespalten. Von "Zwangsquote" ist die Rede.

EU-Kommissarin Viviane Reding hat ihre Pläne zur Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in europäischen Unternehmen verteidigt. "Zwei Drittel der Mitgliedsstaaten sind auf Stillstand, ein Drittel bewegt sich etwas", sagte Reding am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". "So können wir doch nicht weiter verfahren. Sonst brauchen wir noch Jahrzehnte, bis wir ein Gleichgewicht erreicht haben." Reding war in Deutschland mit dem Vorstoß zu einer verbindlichen Quote unter anderem bei Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) auf Widerstand gestoßen.

Reding verwies hingegen auf den Wunsch deutscher Frauen nach einer gesetzlichen Regelung. "Es haben doch mehrere hundert Journalistinnen stark protestiert dagegen, dass sie die journalistische Arbeit leisten, aber auf Chefredakteursposten nur Männer zu finden sind", sagte die Kommissarin. Auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich bereits offen für eine feste Quote für Großunternehmen gezeigt. Der Aufruf der Kommissarin an europäische Unternehmen im Frühjahr 2010, den Frauenanteil freiwillig zu erhöhen, war weitgehend folgenlos geblieben. Nur 24 Firmen haben die Selbstverpflichtung bisher unterzeichnet.

"Ich habe große börsennotierte Unternehmen vorgeschlagen", sagte Reding. Aufsichtsräte seien symbolisch sehr wirksam. "Wir brauchen ja auch Modelle, damit die Frauen wissen: Wir können es, wenn die anderen es auch können." Konkrete Vorschläge für Quoten machte sie allerdings noch nicht. Bis Ende Mai will sie die Meinung der Bevölkerung und von Interessengruppen einholen. Am Ende könnte ebenso ein Gesetzesvorschlag für feste Quoten stehen wie eine Empfehlung.

Keine Einigkeit in der Union

Tief gespalten in der Debatte zeigt sich die Union: Neben Familienministerin Schröder hat auch CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt eine feste Quote für Unternehmen strikt abgelehnt. Eine gesetzlich fixierte Zwangsquote werde die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht verbessern, sagte Hasselfeldt in Berlin. Die Vorsitzende der Frauenunion, Maria Böhmer (CDU), stellte sich hingegen hinter den Vorstoß von Reding.

"Wir brauchen 2012 endlich eine gesetzliche Regelung für mehr Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft, damit im Jahr 2013 bei der Neubesetzung der Aufsichtsräte genügend Frauen zum Zuge kommen", sagte Böhmer der "Rheinischen Post". Der Frauenanteil an der Spitze börsennotierter Unternehmen in Deutschland sei 2011 nur um 1,5 Prozentpunkte gestiegen. In den Aufsichtsräten und Vorständen der 160 Dax-Unternehmen gebe es nur acht Prozent Frauen. "Zielvorgaben der Wirtschaft allein reichen nicht aus", betonte Böhmer.

be/DPA DPA

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