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TV-Kritik

"Anne Will": Angela Merkel: Göttin? Superwoman? Von wegen!

Der Kanzlerinnensockel bröckelt. Verliert Europa damit seinen Stabilitätsanker? Während die einen bei Anne Will den merkelschen Untergang beschwören, ertönen bei der Bundesverteidigungsministerin die Lobeshymnen.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Anne Will fragt ihre Gäste: Wie geschwächt ist Angela Merkel?

Wie mächtig ist die Kanzlerin? darüber diskutierten der stellvertretende Chefredakteur der "Zeit" Bernd Ulrich (l-r), Carsten Schneider (SPD), Ursula von der Leyen (CDU), Moderatorin Anne Will, Viviane Reding, Europaabgeordnete und ehemalige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, und den Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel 

Der verbale Paukenschlag zu Beginn: Kanzlerinnendämmerung. Im Wagner-Werk sind es ja die Götter, die dem Untergang geweiht sind. Ist demnach eine Göttin? Sollte sie es für die Ewig-Lobpreisenden je gewesen sein, so können auch die nicht verhehlen, dass der Kanzlerinnen-Sockel bröckelt. Tun sie es dennoch, muss man leider von Realitätsverlust sprechen. Oder, positiv gesprochen, von blinder Loyalität.

"Anne Will": Wie mächtig ist die Kanzlerin?

Ursula von der Leyen wird mal wieder nicht müde, zu betonen, dass Frau Merkel eine Superwoman ist. So simpel sagt sie es freilich nicht, aber dahin zielen ihre Lobeshymnen. Auch am Sonntagabend, bei , zum Thema "Mächtig ohnmächtig – wie geschwächt ist Angela Merkel?" kein Zurückhalten bei der Noch-Bundesverteidigungsministerin, die gefühlt ständig bei Anne Will in der Sendung zu sitzen scheint. Um es gleich vorwegzunehmen und unter Einbezug nahezu aller Beteiligten: eine schwer erträgliche Sendung. Der einzige Trost ist der Ausblick auf die kommende Plasberg-Sendung, denn da bekommen endlich thematisch Unterdrückte ihr Forum. Titel: Der stille Tod der Bienen.

Und ja, Sondierungsgespräche sind kein Honigschlecken. Das weiß auch Talkgast Carsten Schneider von der SPD, der einräumt seine Partei habe in der Vergangenheit "sehr viele eigene" Fehler gemacht. Dass Jamaika scheitert, damit habe er, wie er bekundet, nicht gerechnet. Eine "Groko" wäre die dritte in Folge. Konjunktiv. Journalist Bernd Ulrich meint: "Von Minderheitenregierung und Neuwahlen bricht das Land nicht zusammen."

Der mit der Kanzlerin nicht verwandte und nicht verschwägerte Politologe Wolfgang Merkel nutzt die Gunst der Stunde, um eine Idee anzubringen: Rotation im Kanzleramt. Die SPD solle nach zwei weiteren Merkel-Jahren ihren Posten fordern. Den Glauben an eine erstarkende Kanzlerin hat der Politikwissenschaftler aufgegeben. "Eine Kanzlerin kann nur so mächtig sein, wie sie unterstützt wird", sagt er. Allein der Blick Richtung CSU zeige, dass hier wenig zu erwarten sei. Die Kanzlerin bräuchte "ein Narrativ". Schnell mischt sich Frau ein. Ein Narrativ, bitte, könne er haben, Angela Merkel habe aus dem "kranken Mann Europas" ein starkes, ein sicheres Land gemacht. Abwiegelnder Wolfgang Merkel. Das könne man doch nicht allein der Kanzlerin zuschreiben.

Der gescholtene Minister

Kann Deutschland unter dieser Kanzlerin auch weiterhin als Stabilitätsanker in Europa gelten? Die Europaabgeordnete Viviane Reding befindet, Deutschland müsse. Gerade mit Blick nach Ungarn und Polen, brauche es die "starke Hand Deutschlands", um innerhalb der EU die Grundwerte zu sichern. "Wir wissen, dass es Merkel kann und sie kann es auch in Zukunft", bekräftigt Reding. Die Kanzlerin sei nämlich gar nicht geschwächt. Das sei sie nur in medialen Diskussionen - und aus der Sicht Abgeordneter. Nur? Das wären dann jedenfalls gute Nachrichten für Monsieur Macron, denn der hätte da auch einige Erwartungen.

Apropos Bienen. Denn da wäre noch die Causa Schmidt. Dass der Agrarminister in Sachen Glyphosat eben mal einen Alleingang gemacht habe, ohne entlassen zu werden, sei doch, so Wolfgang Merkel, ein nächster Beweis, dass Angela Merkel an Führungsstärke verloren habe. Carsten Schneider sieht's auch so. Die CSU mache einfach ihr eigenes Ding, aber "det macht man nicht".


Einspruch von der Leyen. Hier sei ein Minister, der gegen Regeln verstoßen habe, gerügt worden, "wie ich es noch nie erlebt habe". Sie macht deutlich: Konsequenz genug. Reding meint, sie habe sich über das Kasperltheater gewundert. Dass sich da einer einfach nicht an Abmachungen halte. Schluss damit, man müsse sich in Zukunft wieder auf deutsche Partner verlassen können. Manche Zuschauer indes fühlten sich, wie im Anne-Will-Forum nachzulesen war, da längst verlassen. Ein User namens Willi hielt bis 22.32 Uhr durch. Dann sein Kommentar: "Meine Leidensfähigkeit ist mittlerweile überstrapaziert." Sein Entschluss: "TV aus."

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo